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Kreis Heinsberg
Gesundheit - in 38 Jahren viel erreicht

Kreis Heinsberg: Gesundheit - in 38 Jahren viel erreicht
Kooperation und Koordination statt Kontrolle: Für Amtsarzt Dr. Karl-Heinz Feldhoff war Teamarbeit stets von hoher Bedeutung. Er geht Ende September in den Ruhestand. FOTO: Ruth Klapproth
Kreis Heinsberg. Dr. Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, blickt auf ein erfülltes Berufsleben zurück. Er geht in den Ruhestand. Von Michael Heckers

Seine Tage im Amt des Leiters des Gesundheitsamtes sind gezählt: Nach 38-jähriger Tätigkeit für den Kreis Heinsberg hat Amtsarzt Dr. Karl-Heinz Feldhoff Ende September seinen letzten Arbeitstag. Seinen ersten Arbeitstag beim Kreis Heinsberg hatte Karl-Heinz Feldhoff am 1. Oktober 1979. Ein Jahr zuvor hatte er seine Approbation als Arzt erhalten. Zum 1. März 1994 übernahm der gebürtige Dortmunder die Leitung des Gesundheitsamtes des Kreises Heinsberg. Mehr als 23 Jahre lang führte er das Gesundheitsamt. "Es war eine tolle Zeit, eine erfüllende Aufgabe, die jeden Tag neue Herausforderungen bot", blickt Feldhoff kurz vor seinem Ruhestand im Redaktionsgespräch zurück.

Dem Amtsarzt bleiben viele Erinnerungen an Themen und Ereignisse, die den Kreis Heinsberg und seine Entwicklung geprägt haben. So erinnert sich der scheidende Amtsarzt noch gut an den Tag der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl am 26. April 1986. "Eine Woche lang haben wir Mitarbeiter des Gesundheitsamtes damals am Telefon die vielen Fragen der Bürger beantwortet. Zum Beispiel, ob sie das Gemüse aus ihrem eigenen Garten noch essen durften." Ein weiteres großes Thema sei zu Beginn der 1990er Jahre die Belastung durch Lärm und Abgase der AWACS-Maschinen im Umfeld der NATO-Airbase in Geilenkirchen gewesen.

Das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg wurde während der Ära Feldhoff von einem hohen Grad einer Kultur der Zusammenarbeit geprägt. Das spiegelt sich unter anderem in 45 Gesundheitskonferenzen und der Gründung mehrerer Arbeitsgemeinschaften zu Themen wie Gesundheitsförderung, Qualitätssicherung, Frühe Hilfen und Suchtprävention wieder, die sich unter der Obhut des Amtsarztes entwickeln konnten. Als "Geburtsstunde der Regionalkonferenzen" bezeichnet Feldhoff ein Treffen im Geilenkirchener Haus Basten im Jahr 1993. In der Folgezeit wurden regelmäßig Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung im Kreis Heinsberg entwickelt, außerdem eine Leitlinie zur Verbesserung der Versorgung in ambulanten und stationären Einrichtungen. In diesem Zusammenhang sind unter anderem der einheitliche Pflegeüberleitungsbogen, die Netzwerke "Starke Partner", der Fortbildungskalender, der Medikationspass und das psychosoziale Adressbuch zu nennen. Aus dem Jahr 1998 stammt eine Handlungsempfehlung zur Verbesserung der diabetologischen Versorgung, die eine beeindruckende Entwicklung zur Folge hatte: Gab es damals noch keine einzige Schwerpunktpraxis und nur zwei Allgemeinmediziner und Internisten mit diabetologischer Zusatzqualifikation im Kreis Heinsberg, sind es heutzutage drei Schwerpunktpraxen und 24 Allgemeinmediziner mit diabetologischer Zusatzqualifikation.

Es folgten Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Versorgung bei chronisch degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates (2000), zur Dekubitusversorgung (2001) mit Wundnetzwerk und Wundmanagern in allen Pflegediensten und Krankenhäusern, eine Handlungsempfehlung zur geschlechtsspezifischen Gesundheitsförderung mit Berücksichtigung des Genderaspektes (2003) und eine Empfehlung zur Verbesserung der Durchimpfungsraten (2004) mit großen Erfolgen im Kampf gegen die Ausbreitung von Krankheiten wie Masern, Hepatitis B, Meningokokken und Windpocken.

Handlungsempfehlungen gab die kommunale Gesundheitskonferenz unter Anleitung von Dr. Karl-Heinz Feldhoff auch zur Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen. In Kooperation mit unterschiedlichen Partnern wurden ab 2006 unter anderem Projekte wie "euPrevent", "Birnen Bert und Süße Susi", "Gesund macht Schule" umgesetzt. Der wichtige Bereich der Quartiersanalyse und -entwicklung, Sozialberichterstattung und die Begleitung des EU-Projekts "Seniorenfreundliche Gemeinde" zählen seit 2007 fortlaufend zu den Empfehlungen zur Sicherung der gesundheitlichen und sozialen Versorgung der älter werdenden Bevölkerung. Während Feldhoffs Amtszeit wurde auch dafür gesorgt, dass älteren Menschen in jeder der zehn Kommunen des Kreises Heinsberg täglich eine warme Mahlzeit angeboten werden kann. Seit 2008 beteiligt sich der Kreis Heinsberg an mehreren Gesundheitsnetzwerken auf europäischer Ebene (Euregio Maas Rhein). Die Siegelverleihung "Qualitätssiegel in der Hygiene" fand für die Krankenhäuser zuletzt im Juni 2017 und in den stationären Pflegeeinrichtungen im Jahr 2016 statt. Seit 2013 spielt das Thema Inklusion eine große Rolle. Im Rahmen der Handlungsempfehlung zur Unterstützung der Inklusion wurden unter anderem Verbesserungen der Barrierefreiheit und die Einrichtung von kreisweiten lokalen Teilhabekreisen erreicht.

Zurzeit wird an einer Handlungsempfehlung zur Verbesserung der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychisch-, sucht- und/oder onkologisch erkrankten Eltern gearbeitet. Angesichts der Vielfalt der Themenfelder legt Karl-Heinz Feldhoff Wert auf die Feststellung, dass die Umsetzung nicht in der Hand einer einzelnen Person liegt, sondern nur in einem gut funktionierenden Team und Zusammenspiel gelingen kann.

Dr. Feldhoff geht mit dem Wissen in den Ruhestand, dass seine Nachfolge gut geregelt ist und die von ihm täglich gelebte Philosophie von Kooperation und Koordination im Heinsberger Gesundheitsamt eine Zukunft hat. Den Namen seiner Nachfolgerin oder seines Nachfolgers nennt er noch nicht. "Das muss noch durch den Personalrat", erklärt er. Viele Projekte aus seinem Arbeitsbereich wird der Erkelenzer auch in Zukunft eng begleiten, zum Beispiel in seiner Funktion als Vorsitzender der Stiftung euPrevent EMR: "Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen in der Euregio, das ist es, was wir wollen."

In Sachen Gesundheit war Amtsleiter Feldhoff auch in seinen persönlichen Verhaltensweisen den Mitarbeitern stets ein Vorbild. "Den Aufzug im Gesundheitsamt habe ich in all den Jahren glücklicherweise nur einmal benutzen müssen", sagt er schmunzelnd. Viel Bewegung, eine gesunde Ernährung und regelmäßiger Schlaf - so könne man die eigene Gesundheit stärken. Trotz vieler Aufgaben und hoher Verantwortung hat Amtsarzt Dr. Feldhoff eines nie aus den Augen verloren: "Das Wichtigste war und ist es immer, gesund zu bleiben."

Quelle: RP
 
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