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Kreis Heinsberg
Handwerk hebt Fachkräftepotenzial

Kreis Heinsberg: Handwerk hebt Fachkräftepotenzial
Gabriele Hilger und Dr. Michael Vondenhoff. FOTO: spe/jkn (Archiv)
Kreis Heinsberg. Im Kreis Heinsberg sind derzeit mehr als 3100 Menschen langzeitarbeitslos. Ihnen will die Agentur für Arbeit neue Wege öffnen. Der Partner der Arbeitsagentur ist dabei die Heinsberger Kreishandwerkerschaft. Von Andreas Speen

3125 Menschen im Kreis Heinsberg gelten momentan als langzeitarbeitslos. Dieser Begriff wirke fast wie ein Stigma, sagt Gabriele Hilger. Die Leiterin der Arbeitsagentur Aachen-Düren möchte das ändern. Ihr Partner dabei ist die Heinsberger Kreishandwerkerschaft. Gabriele Hilger sieht diese 3125 Menschen als Potenzial, das von den Betrieben vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels umworben werden sollte. Sie sagt: "Viele denken bei Langzeitarbeitslosen gleich an Geringqualifizierte. Das aber ist falsch. 1258 der etwa 3100 Langzeitarbeitslosen im Kreis Heinsberg besitzen eine betriebliche, schulische oder akademische Ausbildung." Diese Qualitäten will die Arbeitsagentur für das Handwerk im Kreis Heinsberg nutzen. Und da, wo solche Qualifizierungen fehlen, möchte sie die Betriebe darin unterstützen, langzeitarbeitslose Menschen einzustellen und fortzubilden. "Wir möchten dem Handwerk helfen, Fachkräfte zu schaffen", sagte Hilger bei einem Besuch in Geilenkirchen, wo sie gestern Dr. Michael Vondenhoff traf, den Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Die Unterstützung könne finanzieller Art sein, aber auch aus Qualifizierung bestehen. "Unsere Hilfen werden individuell auf jeden Betrieb zugeschnitten. Wie sie aussehen könnten, ermitteln unsere darauf spezialisierten Mitarbeiter mit dem jeweiligen Betrieb", warb Hilger um die Kontaktaufnahme zwischen Handwerk, Arbeitsagentur und Jobcenter.

Dass das Handwerk dieses Angebot annehmen sollte, fand auch Dr. Michael Vondenhoff. Fachkräftebedarf bestehe bereits im Bäcker- und Fleischerhandwerk, sei aber inzwischen auch im Baugewerbe festzustellen. Und außerdem: "Es gibt eine nennenswerte Zahl von Handwerksbetrieben im Kreis Heinsberg, die auch in Zukunft weitere zusätzliche Arbeitsplätze schaffen oder neu besetzen wollen." Diese Betriebe wie auch jene Branchen, in denen schon Fachkräfte fehlen, wollen Handwerkskammer und Agentur für Arbeit ab sofort gemeinsam von den Potenzialen langzeitarbeitsloser Menschen überzeugen, versprachen sich Hilger und Vondenhoff.

Jetzt sei dazu der richtige Zeitpunkt, erklärte die Leiterin der Arbeitsagentur Aachen-Düren. Der Arbeitsmarkt im Kreisgebiet habe sich sehr positiv entwickelt, und die Arbeitslosenquote sei von August 2014 zu August 2015 von 7,0 auf 6,4 Prozent gefallen. "Wir haben dabei festgestellt, dass von dem Rückgang auch Langzeitarbeitslose profitierten und wieder in Arbeit kamen - diesen Prozess wollen wir jetzt verstärken", sagte Hilgers.

Informiert werden sollen die Betriebe über die Innungen und deren Versammlungen sowie durch direkte Ansprache. Dabei soll das Potenzial der noch 3125 Menschen, die ein Jahr und länger ohne Arbeit sind, erklärt werden. Denn laut Gabriele Hilger sind einige Annahmen, die zu Langzeitarbeitslosen in den Köpfen sind, falsch. Dazu gehöre die angeblich geringe Bildung oder dass es sich vorrangig um ältere Personen handele, sagte Hilger: "43 Prozent der Langzeitarbeitslosen im Kreis Heinsberg sind unter 45 Jahre alt."

Dass sich das Kreis Heinsberger Handwerk gerne dieses Themas annimmt, war gestern vom neuen Kreishandwerksmeister Edwin Mönius zu erfahren: "Vorrangig gilt bei uns ein Interesse an der auszuübenden Tätigkeit. Dann findet sich oft auch ein gemeinsamer Weg zur Beschäftigung, unabhängig davon, welchen Status der Bewerber vorher hatte."

Gute Aussichten also, dass beide Seiten von dem gemeinsamen Engagement profitieren, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber.

Quelle: RP
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