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Kreis Heinsberg
Historie und Hintergründe zum jüdischen Leben

Bereits im Jahr 1239 ist ein erster Erkelenzer Jude bekannt, wie der Erkelenzer Geschichtsforscher Hubert Rütten für ein Buch ermitteln konnte. 1346 war in Erkelenz ein Vivus genannt, der als "episcopus judeorum", als Judenbischof bezeichnet wurde. Es musste demnach eine größere Gruppe Juden in der geldrischen Stadt leben. 1349 wurde eine Pestepidemie den Juden über angeblich vergiftete Brunnen angelastet, in der "Bartholomäusnacht" wurden im Rheinland die Juden ermordet oder vertrieben - die kleine Erkelenzer Gemeinde ging unter.

Nach Hubert Rütten siedelten sich im 15. Jahrhundert in Erkelenz auch wieder Juden an, die vermutlich einen eigenen Friedhof hatten. 1543 gelangte Erkelenz unter die Herrschaft der radikalkatholischen Spanier, die keine Juden in ihrem Herrschaftsbereich duldeten. Für Schwanenberg, das nicht zu Spanien, sondern zur Herrschaft Wickrath gehörte, werden Juden für 1715 genannt. Ab 1852 wanderten wieder einzelne Juden nach Erkelenz ein, 1865 bildeten sie eine Gemeinde, deren Synagoge 1938 zerstört und deren Mitglieder aus der Heimat verschleppt und ermordet wurden.

In Mitteleuropa hatte die Drangsalierung der Juden im Mittelalter mit der karolingischen Vereinheitlichung von Staat und katholischer Kirche begonnen, die das Judentum als feindliche Religion betrachtete und es bis zum Spätmittelalter durchsetzte, dass die Juden in abgegrenzten Wohnbezirken zu leben hatten, den "Ghettos" oder "Judengassen". Die Kreuzzügler, ab 1096, stellten die Juden in Europa, vor allem im Rheinland, vor die Wahl "Taufe oder Tod". Wer nicht zum Christentum übertreten wollte, wurde erschlagen, eine erste Auswanderungswelle nach Osteuropa setzte ein.

Im Lauf der Jahrhunderte reihte sich eine Diskriminierung an die andere, Sondersteuern hatten die Juden zu zahlen, verachtete Berufe wurden ihnen zugewiesen, Mord und Vertreibung kamen fast regelmäßig vor, viele emigrierten in mehreren Wellen. Dennoch sahen viele von ihnen auch in Deutschland ihre Heimat, blieben hier, wurden wirtschaftlich, kulturell und wissenschaftlich erfolgreich, starben in Kriegen "für" Deutschland. Bis dieses Deutschland als verbrecherischstes System der Geschichte in Form des Nationalsozialismus' und seiner Helfershelfer und Mitläufer zwischen 1933 und 1945 mehr als sechs Millionen Juden bestialisch folterte und ermordete.

Und heute? Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte im Jahr 2015 laut ARD-Tagesschau: "Dass es keine einzige jüdische Einrichtung gibt, die nicht durch Polizei bewacht werden muss. Das ist ein Punkt, der mich doch sehr besorgt stimmt." Allein in Berlin sind das 60 Einrichtungen, Synagogen, Schulen, Kindergärten, die 24 Stunden das ganze Jahr bewacht werden müssen. Dazu sind etwa 350 Polizisten im Einsatz.

(isp)
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