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Kreis Heinsberg
Immer mehr Junge nehmen Cannabis

Kreis Heinsberg: Immer mehr Junge nehmen Cannabis
Stellten den Jahresbericht 2014 der Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes vor: (v.l.) Doris Thoms, Britta Vujaklija, Ilona van Halbeek und Wolfgang Sommer. FOTO: Uwe Heldens
Kreis Heinsberg. Die Suchtberatung beim Kreisgesundheitsamt legt den Jahresbericht 2014 vor. 829 Menschen wurden intensiv betreut. Wachsender Cannabiskonsum bei Jugendlichen und steigende Mehrfachabhängigkeit macht Fachleuten Sorgen. Von Angelika Hahn

Die Suchtberatungsstellen des Kreisgesundheitsamtes in Heinsberg, Erkelenz und Geilenkirchen werden nach wie vor gut frequentiert: 829 Menschen wurden 2014 intensiv (mehr als dreimal) beraten, 223 Ratsuchende kamen einmal. Um Schwellenängste möglichst abzubauen, bieten alle drei Anlaufstellen wöchentlich jeweils zwei Stunden lang eine offene Sprechstunde an, zu der Anmeldung nicht erforderlich ist, betonte Psychiatrie-Facharzt Wolfgang Sommer, Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes und der Suchtberatung beim Kreisgesundheitsamt, als er gemeinsam mit den Sozialtherapeutinnen Doris Thoms und Britta Vujaklija (Suchtberatung) sowie Ilona van Halbeek (Suchtvorbeugung) den Jahres- und Qualitätsbericht der Suchtberatungsstellen vorstellte. Der Bericht wird für alle Interessierten auch auf die Internetseite des Kreises gestellt.

Von gravierenden Veränderungen im Vergleich zu den Vorjahren spricht das von Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Karl-Heinz Feldhoff verfasste Vorwort nicht. Gleichwohl sind Verschiebungen und Trends zu sehen. Zwar spielt die Abhängigkeit von der legalen Droge Alkohol bei 290 Klienten nach wie vor eine große Rolle, aber mit 421 Personen kamen weitaus mehr Menschen zur Beratung, die illegale Drogen konsumierten: 150 nahmen Heroin, 179 Cannabinoide (Haschisch, Marihuana) - eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren schon abzeichnet. Bei zwölf Personen lautete die Hauptdiagnose Essstörungen, bei 40 Menschen "pathologisches Spielen".

Zwar sind die meisten Ratsuchenden über 25 Jahre alt, den Suchtfachleuten fällt dennoch auf, dass die Gruppe junger Cannabiskonsumenten zwischen zwölf und 16 Jahren stetig wächst. "Schon ein Achtjähriger hatte Erfahrungen mit Joints", berichtete Sommer, der zur aktuellen Diskussion um die (kontrollierte) Freigabe von Cannabis betont: "Für mich ist Cannabis keine weiche Droge. Vor allem wenn es in jungen Jahren konsumiert wird, birgt es Gefahren. Das Risiko, Psychosen zu entwickeln, steigt erheblich." Auch haben die Berater festgestellt, dass die Komplexität der Fälle zunimmt. Mehr Ratsuchende als früher konsumieren unterschiedliche Drogen, oft sind psychische Erkrankungen, etwa Angststörungen, Ursache oder aber der Drogenkonsum führt erst dazu.

Aber auch soziale Schwierigkeiten begünstigen und verschärfen Süchte, etwa Arbeitslosigkeit, familiäre Schwierigkeiten oder Schulden. Doris Thoms aber nennt auch Beispiele von gelungener Kommunikation der Suchtberatung mit Arbeitgebern. "Sie sind sensibler geworden und besser informiert", sagt sie. Vielfach könne durch eine flankierende Therapie der Verlust des Arbeitsplatzes verhindert werden. Diese "Ambulante medizinische Rehabilitation Sucht", die (manchmal auch nach einem stationären Aufenthalt) wöchentliche Gruppen- und Einzeltherapien umfasst, nahmen 2014 insgesamt 50 Betroffene wahr. Die Kreis-Suchtberatung betont hier die enge Zusammenarbeit mit der Suchtberatung von Caritasverband und Diakonischem Werk in Hückelhoven.

Auf die Tatsache, dass bei immer mehr (vor allem männlichen) Jugendlichen Computerspiele zur Sucht werden, hat die Suchtvorbeugung beim Kreisgesundheitsamt reagiert. Ilona van Halbeck stellte unter anderem das neue Programm "ESCapade" vor, das Familien gezielt in ein strukturiertes Vorbeugungsangebot einbezieht. In Zusammenarbeit mit Beratungslehrern an Schulen und Erziehungsberatungsstellen wird das Programm als "Hilfe bei Gefährdung durch problematische Computernutzung" (Untertitel) eingesetzt. Zehn Familien, so Halbeek, wurden 2014 mit "ESCapade" begleitet.

Nach wie vor zentral ist die Zusammenarbeit der Suchtvorbeugung mit Schulen und Jugendeinrichtungen. Doch hat sich der Schwerpunkt auf die Fortbildung und Unterstützung der Lehrpersonen und Multiplikatoren verlagert, die bei der Planung und Durchführung eigener Präventions-Projekte begleitet und mit Material versorgt werden. Weiter intensiv bleibt die Zusammenarbeit mit Polizei und AOK bei Seminaren und Kampagnen zur Suchtprävention.

Quelle: RP
 
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