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Kreis Heinsberg
Jodtabletten griffbereit für AKW-Störfall

Video: Was tun bei einer Atomkatastrophe? Aachener präsentiert Notfallplan
Kreis Heinsberg. Der Kreis Heinsberg bereitet die vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung vor. Hintergrund ist die Sorge vor einem atomaren Störfall in den als marode geltenden belgischen Atomkraftwerken Tihange und Doel. Von Michael Heckers

Im Fall des Super-GAUs muss alles ganz schnell gehen: 440.000 Kaliumjodtabletten lagern im Heinsberger Kreishaus, die bei einem atomaren Störfall an die Bevölkerung verteilt werden sollen, um Schilddrüsenkrebs zu verhindern. Doch in der Praxis würde das wohl viel zu lange dauern. Deshalb hat das Düsseldorfer Innenministerium am Mittwoch während einer Besprechung mit Vertretern aus der Region Aachen/Düren/Heinsberg signalisiert, dass es die vom Heinsberger Landrat Stephan Pusch vorgeschlagene vorsorgliche Verteilung von Jodtabletten an die Bürger mittragen wird.

"Das ist eine komplette Kehrtwende. Bisher hieß es vonseiten des Landes NRW stets, dass Jodtabletten nicht vorsorglich verteilt werden", sagt Philipp Schneider. Der Dezernent nahm für den Kreis Heinsberg an dem Gespräch im Innenministerium teil. Das Atomkraftwerk (AKW) Tihange bei Huy liegt nur 60 Kilometer vom Kreis Heinsberg entfernt. Wegen Tausender Risse in den Druckbehältern von Block 2 und einer Brüchigkeit des Behältermaterials bezeichnen Experten das AKW als marode. Die belgische Atomaufsicht hingegen vertritt die Einschätzung, dass die Kraftwerke sicher sind.

Wie man sich auf den Ernstfall vorbereitet FOTO: Christoph Reichwein

Im Kreis Heinsberg wächst die Sorge vor einem atomaren Störfall. Mit Verwunderung hatte Landrat Pusch Ende April zur Kenntnis genommen, dass in Belgien offiziell die Ausgabe von Jodtabletten an die Bevölkerung in einem Umkreis von 100 Kilometern zu den Anlagen vorbereitet wird. "Aus meiner Sicht macht es wenig Sinn, die Tabletten erst im Störfall auszugeben, da zugleich die Bevölkerung dazu aufgefordert werden soll, möglichst in den Gebäuden zu bleiben, um sich nicht unnötig radioaktiver Strahlung auszusetzen", schrieb Pusch am 28. April an NRW-Innenminister Ralf Jäger. In seinem Schreiben bat Pusch den Innenminister darum, der Verteilung der bereits eingelagerten Tabletten im Kreis Heinsberg zuzustimmen. Dieser Bitte, die auch aus der Städteregion Aachen an das Land gerichtet wurde, kommt das Innenministerium nun nach. "Das bedeutet aber nicht, dass wir die Tabletten, die im Heinsberger Kreishaus eingelagert sind, jetzt einfach an die Haushalte verteilen", erklärt Dezernent Schneider.

Für den 31. Mai ist in Heinsberg ein Gesprächstermin mit dem Kreisordnungsamt und den Ordnungsämtern der zehn Kommunen anberaumt. Dabei soll ein vernünftiges Informations- und Verteilungskonzept auf den Weg gebracht werden. Laut Schneider wird es darauf hinauslaufen, dass die Jodtabletten an die Kommunen weitergegeben und beispielsweise in den Rathäusern oder in den Feuerwehrwachen der Städte und Gemeinden gelagert werden und so im Notfall für die Bürger schnell zugänglich sind. Im Kreishaus werden laut Schneider weiterhin Jodtabletten für den Ernstfall gelagert.

Die Menge von 440.000 Tabletten reicht nach Angaben der Kreisverwaltung aus, um die Menschen im Kreis Heinsberg im atomaren Störfall versorgen zu können. Nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission sollen Tabletten an alle Personen bis 45 Jahre ausgegeben werden. "Jodtabletten sind kein Allheilmittel gegen radioaktive Strahlung", erklärt Dezernent Schneider, "aber sie fluten die Schilddrüse mit Jod und verhindern dadurch, dass der Körper schädliches radioaktives Jod aufnimmt." So könne Schilddrüsenkrebs verhindert werden. Da die Schilddrüse sich im Laufe der Lebensjahre selbst mit Jod sättigt, sei eine Tablettengabe für Menschen über 45 nicht notwendig.

Jodtabletten haben laut Schneider kein Verfallsdatum und sind nicht verschreibungspflichtig. Die Bürger sollen unbedingt über den sachgerechten Umgang mit dem Medikament informiert werden. Dr. Hanno Kehren (CDU) hatte bereits während der Sitzung des Kreisausschusses darauf hingewiesen, dass zu früh eingenommene Tabletten keine Schutzwirkung entfalten, sondern eher schädlich wirken können. Kehren regte an, das Kreisgesundheitsamt in die Beratungen über das Informations- und Verteilungskonzept einzubinden.

Wann die Verteilung der Jodtabletten an die Städte und Gemeinden im Kreis Heinsberg erfolgen soll, ist noch nicht geklärt.

Quelle: RP
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