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Heinsberg
Kreative Auseinandersetzung mit Kunstgeschichte

Heinsberg. Rolf Mallat arbeitet geschickt mit kunsthistorischen Verweisen. Seine Bilder sind derzeit beim Kunstverein zu sehen.

Der Kunstverein Region Heinsberg stellt zurzeit den 1957 geborenen Maler Rolf Mallat vor, der in Troisdorf lebt und arbeitet. Der gebürtige Bonner hat nach einem Kunststudium an der Fachhochschule Köln im In- und Ausland ausgestellt. Ein breites Spektrum der Stile und Techniken kennzeichnete seine Kunst im Laufe der Jahre.

In jüngster Zeit - so auch in der aktuellen Schau - bestimmen collageartige Bilder das Schaffen. Thema und Bildfindung entsprechen der digitalen Welt. Wie Ingrid Trantenroth-Scholz, Kuratorin und zweite Vorsitzende des Kunstvereins, bei der Eröffnung im Dialog mit dem Künstler herausarbeitete, baut Mallat am Computer Bildmotive zueinander und modifiziert Farbklänge, lineare Strukturen, Schärfe und Detailtreue, bevor der eigentliche Mal-akt beginnt. In den Bildern werden Geschichten erzählt, die nicht illustrativ verstanden werden wollen. Subjektive Erinnerungen, Rückblicke und emotionale Bezüge wie auch formalästhetische Gesichtspunkte bestimmen die Auswahl. Das Festhalten eines Augenblickes, Beobachtungen von Alltagserscheinungen in ganz neuen Zusammenhängen geben Gedankenanstöße.

"Gerade diese unaufgeregten Alltagszenen geben dem Betrachter einen zunächst leichten Einstieg in das Bildgeschehen. Beschäftigt man sich längerfristig mit der Komposition, den Bildmitteln und der Ikonografie, so erscheint diese Bildwelt komplexer und differenzierter", betonte die Kuratorin.

In der letzten Zeit ist eine Bildserie entstanden, in der Rolf Mallat kunsthistorische Verweise in sein Werk einflicht. Mallat geht seinen eigenen Weg, in dem er zum Beispiel Otto Dix in der Bilderserie "Künstlerportraits" in Szene setzt und eine moderne Frauengestalt in rotem Outfit auftreten lässt. Dazu Trantenroth-Scholz: "Rot ist eine bevorzugte Farbe in den Frauenbildnissen von Otto Dix, wie unter anderem in dem Porträt von Silvia von Harden, einer emanzipierten Frau aus den zwanziger Jahren, die in einem roten Kleid vor rotem Grund sitzt."

Dix stelle seine Frauentypen mit individuellen Charakterzügen, fast karikaturhaft dar. Dagegen gebe Mallat seiner Frauengestalt das Aussehen eines anonymisierten Models und mache sie damit zum Stereotyp eines gegenwärtigen Frauenbildes. Hier wie da werden Variationen von Rottönen verwandt, die das Bild prägen und damit auch formale Verweise implizieren." Ein weiteres Versatzstück, das in das Bild integriert wurde, sind die an der Seite befindlichen Farbstreifen, ähnlich einer RAL-Karte. Sie weisen die Farbskala und Variationen der kontrastierenden kalten und warmen Farben der Komposition auf und steigern sich gegenseitig in ihrer Intensität, dabei wird eine Raumillusion zugunsten einer fast plakativ wirkenden Fläche aufgehoben.

Ingrid Trantenrath-Scholz: "In all ihren Facetten hat die menschliche Darstellung in den Bilderwelten von Rolf Mallat Priorität. Mal sind es Einzelporträts, die im Ausdruck variieren oder mit unterschiedlichem Sujet charakterisiert werden. Dann wieder stehen sie im Kontext der collagierten Kompositionen, die seine Sichtweise auf die ihn umgebende Welt verdeutlichen."

Die Schau ist bis 20. März im Horster Hof in Heinsberg-Unterbruch zu sehen: samstags von 15 bis 18 Uhr, sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung: Telefon 02452 65598.

(aha)
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