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Heinsberg
Lammert für ein starkes Europa

Heinsberg: Lammert für ein starkes Europa
In freier Rede machte sich Norbert Lammert stark für Europa und die Kanzlerin. Die Zuhörer verabschiedeten ihn stehend mit langem Beifall. FOTO: jumo (Archiv)
Heinsberg. Bundestagspräsident Gast von MdB Oellers. "Deutschlands Relevanz beruht auf unserer zentralen Rolle in Europa." Nichts sei mehr selbstverständlich. Von Gabi Laue

In einer lockeren Runde mit den Mitarbeitern der Lebenshilfe im Café Samocca begann der zweite Mann im Staat seinen Besuch in der Kreisstadt. Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert war am Mittwoch einer Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers gefolgt. Vor rund 200 Zuhörern in der Stadthalle unterstrich wenig später der 68-Jährige, der nicht mehr kandidiert, sein besonderes Anliegen, junge Kollegen zu unterstützen.

Oellers dankte für die Wertschätzung, die Lammert, die Stimme des Parlaments mit höchstem Ansehen in der Bevölkerung und über Parteigrenzen hinweg, mit seinem Besuch bezeuge. "Mit den besten Wünschen für die Stadt und ihre Bürgerschaft" und dem Wunsch, "gemeinsam einen Beitrag für ein freies, friedliches und demokratisches Europa" zu leisten, trug sich Lammert in das Goldene Buch der Stadt ein.

Ein gefragter Mann ist der Bundestagspräsident (seit 2005), der abwägen muss, welche Einladung er annehmen kann. Oellers habe in vier Jahren in Berlin "schon seine Handschrift deutlich werden lassen", sagte er. Und wenngleich er in seinem Amt über den Parteien steht, so versicherte er, dass er "noch weiß, wo ich herkomme und wo ich hingehöre". So habe er gern den Weg "tief in den Westen" gefunden. Die Herausforderungen für Europa in der globalisierten Welt waren zentrales Thema seiner Rede.

"Die Zeiten sind vorbei, in denen Europa der natürliche Maßstab ist, an dem sich der Rest der Welt orientiert", stellte Lammert klar, dass es für selbstverständlich Gehaltenes keineswegs Garantien gebe. Die Annexion der Krim durch Russland bezeichnete er als "Rückfall ins 19. Jahrhundert", den Brexit würden Historiker wohl einmal "als den größten Irrtum der europäischen Geschichte" bezeichnen. Spontaner Beifall. Die Globalisierung, die Abhängigkeit der Menschen voneinander, bedeute für die Länder einen Verlust an Souveränität: "Nationalstaaten werden ihr Selbstverständnis verlieren, Herren ihrer eigenen Angelegenheiten zu sein."

Eine Antwort auf die Herausforderungen der Zeit sei ein starkes Europa im Versuch, in gemeinsamer Verantwortung einen möglichst großen Einfluss auf das Weltgeschehen zu nehmen. Die Türkei zeige, wie instabil politische Verhältnisse sein können. Und zum US-Präsidenten falle ihm "nichts mehr ein, was man öffentlich vortragen kann". Norbert Lammert macht sich stark für eine weitere Amtszeit der Kanzlerin: "In zwölf Jahren habe ich manche Staatschefs kennen gelernt und weiß, was ich an Angela Merkel habe". Zum Abschied gab er Autogramme und nahm einen Korb voller regionaler Produkte mit.

Quelle: RP
 
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