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Kreis Heinsberg
Landwirte optimieren Gülledüngung

Kreis Heinsberg: Landwirte optimieren Gülledüngung
FOTO: Speen
Kreis Heinsberg. Das Kreiswasserwerk investiert in eine Maschine, die Bauern hilft, nicht zu wenig und nicht zu viel Gülle auf die Felder zu bringen. Von Andreas Speen

Gülle hat kein gutes Image. Sie stinkt. Sie verseucht die Böden und schadet damit dem Grundwasser. Nicht nur die Landwirtschaft widerspricht dem, sondern auch Michael Leonards, Geschäftsführer des Kreiswasserwerks Heinsberg. "Dieses natürliche Düngemittel zu verdammen, ist falsch. Der Gülleeinsatz ist nichts Schlimmes, aber die Dosierung macht es", sagt Leonards und stellt mit Landwirten aus der Region eine Maschine vor, welche die Qualität und die Zusammensetzung der Gülle beim Befüllen der von Traktoren gezogenen Tanks misst. Sie gibt damit dem Landwirt genauen Aufschluss darüber, wie viel des natürlichen Düngers wo benötigt wird.

45.000 Euro hat das in Wegberg ansässige Kreiswasserwerk in die neue Maschine investiert, welche von der am Chiemsee ansässigen Firma Zunhammer derzeit in den Markt eingeführt wird. Zwischen der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft besteht im Kreis Heinsberg seit Jahren eine kooperative Zusammenarbeit, und in dieser wird das Wasserwerk den Bauern in seinem Einzugsgebiet die Messmaschine zum Leihen anbieten. "Wir erhoffen uns daraus, damit zur Optimierung des Gülleeinsatzes beizutragen und langfristig die Interessen der Landwirtschaft und der Wasserwirtschaft zu schützen", erklärt Michael Leonards. Bestehe der Bedarf, schaffe das Kreiswasserwerk auch eine zweite oder dritte Maschine an.

Gaspers Agrardienst aus Wegberg liefert Gülle bis zum Feldrand, wo Landwirt Hubert Fell aus Erkelenz diese in einen eigenen Tank umfüllt, um sie danach aufs Feld aufzutragen und unterzugrubbern. Dazwischen geschaltet ist die neue Messmaschine, welche das Kreiswasserwerk Heinsberg angeschafft hat, um den Bauern mit Parzellen in den Wasserschutzgebieten in Erkelenz, Wegberg und Wassenberg mehr Kontrolle über die Güllezusammensetzung zu ermöglich. FOTO: spe

Für Landwirte zählt, dass die richtige Güllemenge so nahe wie möglich an die Pflanzen herangebracht wird. Oftmals wird die Gülle heutzutage am Boden aufgetragen und zugleich von einem Grubber unter die Erde gehoben. So sinkt die Geruchsbelästigung. Wichtig zu wissen ist für die Bauern aber auch, wie sich die Gülle - aus dem eigenen Betrieb oder als Import - zusammensetzt. Wie viel Nitrat, Phosphor, Kali oder Stickstoff sind enthalten? Das kann das neue, mobil einsetzbare Gerät beim Befüllen der Tanks ermitteln.

Verlässlichkeit verspricht sich Theo Lemm, der Wasserschutzberater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ist, der in dieser Funktion den Kreis Heinsberg betreut und der als seinen Auftrag bezeichnet, den Nitrat-Eintrag ins Wasser zu minimieren. Die Ist-Situation bezeichnet Lemm als "nicht ganz schlecht" und mit "wir sind besser geworden". Jedoch sieht er Potenzial: "Viele Landwirte arbeiten noch nach Erfahrungswerten. Weil Gülle aber eine lebende Masse ist und eine Schwankungsbreite hat", könnten diese Werte in Zukunft auf eine verlässliche Basis gestellt werden. Oder wie Armin Görgen vom Hersteller der Messmaschine sagt: "Wir überlassen nichts mehr dem Zufall." Kein Landwirt könne es sich noch leisten, sowohl des Umweltschutzes als auch der Wirtschaftlichkeit wegen, eine Parzelle zu wenig oder zu viel zu düngen: "Er kann nun auf seine Felder präzise Mengen aufbringen." Bestätigt wird das von Hubert Fell, Landwirt aus Erkelenz: "Es muss nicht mehr sein, die Luft voll zu stinken, und wir können unsere Portemonnaies schonen, indem wir exakt arbeiten."

Quelle: RP
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