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Heinsberg
Lebenshilfe bezieht zentralen Neubau

Heinsberg: Lebenshilfe bezieht zentralen Neubau
1100 Essen werden täglich in der neuen Großküche der Lebenshilfe in Oberbruch von Menschen mit und ohne Behinderung produziert. Bis zu 2000 sind möglich. Nach heutigen Standards hätte die alte Küche laut Lebenshilfe nicht mehr weiter betrieben werden können. FOTO: Jörg Knappe
Heinsberg. Vor zwei Jahren ließ die Lebenshilfe Heinsberg ihren Altbau in Oberbruch abreißen. Jetzt wird der Neubau bezogen. Im Januar wird er eingeweiht. Zugleich wird das 50-jährige Bestehen des Vereins für Menschen mit Behinderung gefeiert. Von Andreas Speen

Transparent, geradlinig und multifunktional ist der Neubau der Lebenshilfe, den diese derzeit in Oberbruch bezieht. Dort, wo vor 40 Jahren das erste Gebäude der Lebenshilfe Heinsberg an der Richard-Wagner-Straße errichtet wurde, ist in den vergangenen eineinhalb Jahren ein neues Gebäude entstanden, in dem der Verein für Menschen mit Behinderung seine Kompetenzen - von der Verwaltung bis zum neuen Lebenshilfe Center - bündelt. "Wir sind sehr begeistert", berichtet Edgar Johnen, Geschäftsführer der Lebenshilfe Heinsberg, von den ersten Eindrücken.

Sanierung des Altgebäudes ohne wesentliche Steigerung in der Funktionalität oder Neubau? Vor dieser Abwägung hatte die Lebenshilfe vor einigen Jahren gestanden. Das alte Gebäude war marode. Entschieden wurde sich, auch vor dem Hintergrund ähnlich hoher Kostenschätzungen, für Abriss und Neubau, für den der Erkelenzer Architekt Josef Viethen und Fachingenieure verantwortlich zeichneten. Investiert wurden rund sechs Millionen Euro, an denen sich die Stiftung Wohlfahrtspflege und die Aktion Mensch mit einer Million Euro beteiligten. Kosten- sowie Zeitrahmen wurden laut Lebenshilfe eingehalten.

Die Mitarbeiter der Lebenshilfe-Schreinerwerkstatt haben in den neuen Räumen den Innenausbau selbst erledigt, sofern Holz verbaut wurde. Das Außengelände gestalteten die Lebenshilfe-Gärtner. Die Verantwortlichen sind stolz auf dieses Engagement, machen Johnen und Lieck deutlich. FOTO: Lebenshilfe Heinsberg

Mehrere Tausend Menschen stehen im Kreis Heinsberg in regelmäßigem Kontakt mit der hiesigen Lebenshilfe. 1600 Menschen mit Behinderung und deren Familien werden von ihr betreut, allein 1100 von ihnen arbeiten in deren Werkstätten in Heinsberg und Erkelenz. 850 Angestellte hat die Lebenshilfe, rund 300 Ehrenamtliche engagieren sich dort, der Verein hat 1200 Mitglieder. Die Arbeit der Lebenshilfe ist mancherorts im Kreisgebiet zu erleben, sei es in deren Cafés oder über die derzeit 1700 Essen, die täglich nicht nur für den Eigenbedarf, sondern auch für einige Kindertagesstätten, Schulen und aktuell für 250 Flüchtlinge in Heinsberg gekocht werden. Für all diese Menschen hat die Lebenshilfe Heinsberg nun eine neue Anlaufstelle geschaffen, die weit mehr ist und kann als der Vorgängerbau war und konnte. "Wir wollten einen Ort für Kontakte schaffen", sagt Jakob Lieck, der stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe, und Edgar Johnen ergänzt: "Und wir sind uns nach unseren ersten Erfahrungen sicher, dass das gelingt und sich dieser Ort bewähren wird." Der Lebenshilfe sei es wichtig gewesen, "ein Umfeld zum Wohlfühlen zu gestalten, weil viele Menschen über Jahrzehnte mit diesem Ort in Kontakt stehen".

In direkter Nachbarschaft zu den Lebenshilfe-Werkstätten eins und zwei sind unter anderem eine Großküche mit neuer Konditorenbackstube, ein multifunktionaler Speisesaal mit angegliedertem Gymnastikraum, Verwaltungsräume sowie ein Café entstanden. Besonders ist vor allem aber das Lebenshilfe Center, in dem bisher dezentrale Angebote für alle Altersstufen nun an einem zentralen Ort im Kreis Heinsberg gebündelt werden. Johnen und Lieck sind stolz darauf, stecken hinter dem Lebenshilfe Center doch mehrere Ideen, die hierüber künftig verfolgt werden können.

Geschäftsführer Edgar Johnen (l.) und Vorstand Jakob Lieck sagen über den Neubau der Lebenshilfe Heinsberg: "Uns war es wichtig, ein Umfeld zum Wohlfühlen zu gestalten, weil viele Menschen über Jahrzehnte mit diesem Ort in Kontakt stehen." FOTO: Joerg Knappe

Bewegungsräume, Beratungsräume, Seminarräume, Therapieräume sind entstanden. Johnen zählt die Angebote auf, die seit November in diese Räume eingezogen sind: "Interdisziplinäre Frühförder- und Beratungsstelle, Kompetenzzentrum für Autismus-Spektrum-Störungen, Familien unterstützender Dienst, Fachdienst für Schulassistenz und die Integrationshilfe für Kitas, Fachdienst persönliches Budget, Freizeitclub Treffpunkt und Büro für ehrenamtliches Engagement für Menschen mit Behinderung." Langfristig möchte die Lebenshilfe in Oberbruch ihre inklusiven Angebote ausbauen, hat ihr Lebenshilfe Center folglich von vornherein auf sich verändernde Nutzungsnotwenigkeiten hin ausgelegt. Dass sich in der Betreuung von Behinderten vieles ändert und dass diese Veränderungen sich in einem steten Fluss befinden, macht Geschäftsführer Edgar Johnen an einem Beispiel deutlich: "Als wir im April 2014 den ersten Spatenstich hatten, hatte unser Familien unterstützender Dienst 350 Klienten in der Betreuung, inzwischen sind es 669."

Zu 95 Prozent ist der Neubau in Oberbruch fertiggestellt und bezogen, sagt Johnen. Glänzen soll alles am Freitag, 29. Januar. Dann wird der Neubezug offiziell eingeweiht, und zugleich feiert die Lebenshilfe Heinsberg, dass sie am Tag vor genau 50 Jahren gegründet wurde. Beteiligen will sie sich in ihrem Jubiläumsjahr außerdem am Heinsberger Stadtfest.

Quelle: RP
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