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Heinsberg
Lebenshilfe feiert doppelt

Heinsberg: Lebenshilfe feiert doppelt
In einer Gesprächsrunde erinnerten gestern unter anderen Jürgen Rosenthal (2.v.l.), Heinz Schmitz (3.v.r.) und Josef Giebel (2.v.r.) an die Historie der Lebenshilfe im Kreis Heinsberg. FOTO: Uwe Heldens/Speen
Heinsberg. Der Neubau ist offiziell eingesegnet, und zugleich feierte die Lebenshilfe Heinsberg ihr 50-Jähriges. Von Andreas Speen

1966 war der Umgang mit Menschen mit Behinderung ein anderer als heute. Daran erinnerte gestern Jürgen Rosenthal, ein Gründervater der Lebenshilfe Heinsberg, zurück: "Vor 50 Jahren haben wir uns zum ersten Mal mit elf Eltern von Kindern mit Behinderung in Erkelenz in der Gaststätte ,Schwan' getroffen.

Eltern waren damals skeptisch, dass ein Verein Hilfe anbieten wollte. Man hielt seine Kinder nach den Erfahrungen aus dem Krieg zurück." Doch obwohl der Umgang mit Behinderten noch ein anderer war, wurde schon damals der wichtige Grundstein für deren Integration gelegt, heute als Inklusion mehr gelebt als je zuvor. Das wurde gestern in Oberbruch deutlich, wo die Lebenshilfe Heinsberg ihr 50-Jähriges und ihren Neubau feierte.

Heute ist die Lebenshilfe aus dem Kreis Heinsberg nicht mehr wegzudenken. Sie betreibt 37 Einrichtungen. Von Cafés über Werkstätten bis zu Wohngruppen. Immer entsprechend dem Motto, gemeinsam in Vielfalt zu leben. Es war ein weiter Weg, wurde gestern festgestellt. Es war aber auch ein lohnender, woran unter anderen Josef Giebel erinnerte. Er war einer der ersten Mitarbeiter der Lebenshilfe-Werkstatt und Bewohner zunächst der Wohngruppe in Wildenrath und später in Wassenberg. Von der Zunahme an Arbeitsaufträgen für die Werkstatt berichtete er, von den erst irritierten Nachbarn der Wohngruppe und wie sie später deren Bewohner in das Ortsleben einbanden. Während Giebel von seinem Lebensmut erzählte, den die Lebenshilfe-Angebote beflügelten, betrachtete Heinz Schmitz, ein weiterer Mitbegründer der Lebenshilfe Heinsberg, deren Funktion für die Familien mit behinderten Kindern: "Ich bin dankbar, dass ich in der Lebenshilfe diese Solidarität erleben durfte."

Klein hatte die Lebenshilfe angefangen. 1966 gründeten sich deren Vorläufer, im Landkreis Erkelenz der "Verein zur Förderung und Betreuung spastisch gelähmter und ähnlich behinderter Kinder" sowie in Waldfeucht der "Verein Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind". Im Folgejahr wurden in Erkelenz eine ambulante Krankengymnastik eingerichtet und in Oberbruch eine Tagesausbildungsstätte für geistig behinderte Kinder. Deren Eltern wollten 1966/67 nicht gelten lassen, dass es für diesen Menschenkreis kein Anrecht auf Schulbildung oder einen Arbeitsplatz geben sollte, wurde gestern in Erinnerung gerufen. "Meinen tiefsten Respekt möchte ich denen zollen, die sich in den 1960ern aufgemacht haben, die Lebenshilfe im Kreis Heinsberg zu gründen", sagte deren heutiger Vorsitzender Klaus Meier bei der Festveranstaltung in Oberbruch, die viele schöne Momente bot, darunter die Musik der Band "Workshop". Klein ist die Lebenshilfe Heinsberg längst nicht mehr: 1600 Menschen mit Behinderung und deren Familien werden betreut, 1100 von ihnen arbeiten in den Werkstätten in Heinsberg und Erkelenz. 850 Angestellte hat sie, 300 Ehrenamtliche engagieren sich dort. Seit gestern ist deren neue Hauptstelle an der Richard-Wagner-Straße, die einen 40 Jahre alten maroden Bau ersetzt hat, nun auch eingesegnet (Diakon Peter Derichs und Pfarrer Sebastian Walde). In der Architektur und der Zusammenstellung der dort gemachten Angebote fließt die bisherige Geschichte der Lebenhilfe zusammen, hoben Geschäftsführer Edgar Johnen und Architekt Josef Viethen hervor, der erklärte: "Wir haben ein sich für alle Menschen öffnendes Gebäude geschaffen, dessen Ziel es ist, Begegnungen zu ermöglich." So kommen dort Café-Gäste ebenso vorbei wie Verwaltungs- und Werkstattmitarbeiter oder Besucher des neuen Lebenshilfe Centers, das bisher dezentrale Angebote bündelt.

Quelle: RP
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