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Wegberg
Mahlen wie die alten Müller

Wegberg. Beim Tag der offenen Tür demonstrierte Familie Schmitz in der Rickelrather Schrofmühle die Jahrhunderte alte Technik des Mahlens von Getreide und Leinsamen. Rund 150 Besucher kamen. Die Schrofmühle ist von allen Wassermühlen der Region die funktionstüchtigste. Von Willi Spichartz

"Na, hat es Dir gefallen? Der Krach war sicher am schönsten." Aus Erfahrung klug wusste Theo Schmitz als Besitzer der Schrofmühle, dass dem angesprochenen Knaben der Aufprallknall der "Schläger" auf dem "Leinölpressgut" nachhaltig in Erinnerung bleiben würde. Ihre Tore und Räume hatte die Schrofmühle am Sonntag geöffnet, um rund 150 Besuchern die Funktionsweise der mehrere hundert Jahre alten Technik des Mahlens von Getreide und Leinsamen zu demonstrieren.

Die Schrofmühle ist von allen Wassermühlen der Region die funktionstüchtigste dank jahrzehntelanger Restaurierungsarbeiten; und die einzige der 13 Wassermühlen in Wegberg ohne gastronomische Nutzung. Obwohl man daran unwillkürlich denkt, wenn man die Räume der Mühlenausstellung betritt, die vom Historischen Verein zusammengestellt wurde und das Geflecht der wassergetriebenen Energieproduzenten an der Schwalm veranschaulicht. Öffnet sich die Tür zur Mühlenküche, umweht der Duft von frischgebackenem Brotteig die Nasen der Besucher. Die jüngste Neuerwerbung, ein alter Backofen aus der Eifel, zeigt, dass er auch im hohen Alter junge Produkte liefern kann – als geduldiger Lehrherr der "Bäcker-Azubis" Ferdinand Schmitz (Theos Sohn), seiner Frau Frauke Dennig-Schmitz sowie Christine und Lutz Rauscher dient, die sich im Learning-by-Doing-Verfahren experimentell dem perfekten Endprodukt nähern, das man beruhigt den Besuchern anbieten kann. Als Veterinärmediziner haben alle eine gewisse Nähe zu Lebensmitteln, sodass es berechtigte Hoffnung auf Vollendung der Kette "Getreide mahlen – Brot backen" gibt.

Fehlt nur noch Getreide säen und ernten. Ferdinand Schmitz fungierte auch als Geburtshelfer des neuen Backofens, der, fachgerecht gemauert mit Schamottsteinen, am Tag der offenen Tür eingeweiht wurde. Während der Backstunden erläutert Theo Schmitz zum aberhundertsten Mal in der Mahlkammer die Funktion von Kammrädern, Kollergang, Mahlgängen und dem Sackaufzug. Er berichtete auch vom fleißigen Gripekovener Mühlenbach, der sein Wasser über die Räder von fünf Mühlen gleiten lässt, deren Fleiß seit einem halben Jahrhundert nicht mehr benötigt wird. Schmitz Senior erläutert im mehrstöckigen Mahlraum die Technik, vorwiegend in Holz, teils 200 und mehr Jahre alt, und wenn nicht, dann mit uraltem Holz nachgebaut. Und funktionstüchtig, wie deutlich wird, als Theo Schmitz den Mühlenbach mit der Antriebswelle verbindet und fünf Meter hohe Räder in Bewegung kommen.

Quelle: RP
 
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