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Kreis Heinsberg
Markus Bruns wählt den neuen Bischof mit

Kreis Heinsberg: Markus Bruns wählt den neuen Bischof mit
Propst Markus Bruns auf dem Heinsberger Burgberg. Im Hintergrund der Selfkantdom St. Gangolf, der "Stammsitz" des 48-jährigen gebürtigen Birgeleners. Heute wird er im Aachener Dom als "Nichtresidierender Domkapitular" feierlich eingeführt. FOTO: LAASER
Kreis Heinsberg. Heute um 10 Uhr wird Heinsbergs Propst Markus Bruns in einem feierlichen Hochamt im Aachener Dom in sein zusätzliches Amt als "Nichtresidierender Domkapitular" eingeführt. Der gebürtige Birgelener wird daher über Aachens künftigen Bischof mitentscheiden. Von Mario Emonds

Anfang Juli weilte Heinsbergs Leitender Pfarrer Markus Bruns mit einer Besuchergruppe aus der Heimat in der Lutherstadt Wittenberg. Da klingelte sein Handy. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Heinrich Mussinghoff. Aachens Bischof fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, als Nachfolger des in den Ruhestand gehenden Krefelder Pfarrers Karl-Heinz Teut "nichtresidierender Domkapitular" am Hohen Dom zu Aachen zu werden. "Ich war völlig überrascht", bekennt der gebürtige Birgelener. Dass ihn da jemand am Telefon veräppeln wollte, schloss Bruns aber sofort aus: "Ich habe die Stimme des Bischofs erkannt - das war Heinrich Mussinghoff."

Nachdem der Heinsberger Propst, als Pfarrer zuständig für sieben der insgesamt 15 Gemeinden der GdG Heinsberg/Waldfeucht, eine Nacht darüber geschlafen hatte, sagte er zu. "Das ist ja schon ein Vertrauensbeweis des Bischofs und zugleich eine Form der Wertschätzung meiner Arbeit", sagt Bruns -und schiebt schmunzelnd hinterher: "Mit 48 Jahren ist man in unserer Firma ja noch blutjung."

So ungewöhnlich sei diese Aufgabe für einen Heinsberger Propst zudem nicht: "Albert Honings, einer meiner Vorgänger, ist knapp 20 Jahre Domkapitular gewesen." Allzu aufwendig sei dieses zusätzliche Amt nicht: "Ich werde an einigen Sitzungen des Domkapitels und an einigen Festgottesdiensten teilnehmen", erläutert Bruns. Zeit, ständig nach Aachen zu düsen, hat er als Leitender Pfarrer ohnehin nicht - der Mann wird vor Ort gebraucht.

Das ist die eine Seite der Medaille. Richtig interessant wird's bei der anderen. Denn zu den wichtigsten Aufgaben des Domkapitels zählt die - zwangsläufig nicht gerade häufig vorkommende - Wahl eines neuen Bischofs. Doch genau die steht wohl bald an. Denn kommenden Donnerstag wird Mussinghoff 75 Jahre - das Alter, in dem ein Bischof beim Papst in der Regel sein Rücktrittsgesuch einreicht. Das dürfte auch Mussinghoff tun. "Allgemein geht man davon aus, dass der Papst das dann auch annimmt", sagt Bruns.

Folglich wird das Bistum Aachen einen neuen Bischof suchen, und da spielt das Domkapitel eine äußerst wichtige Rolle. Was sich beileibe nicht nur auf das Vorschlagsrecht erstreckt: Das Domkapitel wird dem Papst drei Vorschläge für den neuen Bischof unterbreiten. "Genau das tun der Erzbischof von Köln und der Nuntius in Berlin aber auch", sagt Bruns. Besonderer Clou ist dann aber das weitere Prozedere: Der Papst wird aus allen Vorschlägen eine Liste mit drei Kandidaten erstellen - und aus denen wählt das Domkapitel dann den neuen Bischof. Dass der Papst einen Bischof nicht selbst bestimmt, sondern dieser letztendlich von einem Gremium vor Ort gewählt wird, sei "weltweit einmalig", betont Bruns.

Das hänge mit dem nach wie vor geltenden Preußenkonkordat zusammen, das Preußen und der Vatikan 1929 abgeschlossen hatten. Das regelt unter anderem die Wahl eines Bischofs - und dabei explizit eben auch das Zusammenspiel von Staat und Kirche. Unmittelbar davon betroffen war auch schon Bruns selbst. Denn die Landesregierung in Düsseldorf musste formell ihr Okay zu seiner Ernennung zum Domkapitular geben. Was Ende August erfolgte. Offiziell wird dieser Akt natürlich auf Lateinisch protokolliert - mit einem feierlichen "Nihil obstat" ("Es steht nichts entgegen").

Bruns weist in diesem Zusammenhang auf ein interessantes Phänomen hin, das exakt 40 Jahre lang gültig war: "In der DDR gab es deswegen formell gesehen keine Bischöfe, sondern nur sogenannte Diözesan-Administratoren." Dem antikirchlichen SED-Staat war es eben zuwider, ein "Nihil obstat" bei der Wahl eines Bischofs zu erteilen.

Quelle: RP
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