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Heinsberg
Mittelalter als Anreger für moderne Kunst

Heinsberg: Mittelalter als Anreger für moderne Kunst
Andreas Joerißen mit Dr. Christine Vogt, die ins Werk einführte, im Gespräch über die Skulptur "Sir G. Brexit". Auch politische Überlegungen und aktuelle Bezüge fließen in die hintergründigen Skulpturen ein. Beim Werk "Sir G. Brexit" gibt es viele mittelalterliche Anknüpfungspunkte, die Narrenschuhe etwa und die Stachelkette um den Hals, die früher schon Mode war. FOTO: Renate Resch
Heinsberg. Der Ausstellungssaal zur Vernissage des Bildhauers Andreas Joerißen platzte aus allen Nähten. Rund 200 Interessierte waren ins Museum Begas Haus gekommen, in gespannter Erwartung der neuen Ausstellung von Holzskulpturen des Gangelter Künstlers und der Laudatio der Direktorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Dr. Christine Vogt. Von Renate Resch

Zum Todesjahr des bekannten niederländischen Malers Hieronymus Bosch vor 500 Jahren hatte Andreas Joerißen im vergangenen Jahr die Skulptur "Der Vogelbote" dem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Daraus entwickelte sich nun diese Ausstellung, zu welcher der Künstler speziell einige Skulpturen geschaffen hat, die nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

"Es ist die erste Skulpturenausstellung mit zeitgenössischen Skulpturen seit Eröffnung des Begas-Hauses", erklärte Dr. Rita Müllejans-Dickmann, die Leiterin des Museums, stolz. "Es war ein spannender Prozess, das Entstehen dieser Skulpturen in der Dokumentation des Künstlers mitverfolgen zu können."

Dr. Christine Vogt brachte in ihrer Eröffnungsrede in sehr anschaulicher und bildhafter Weise den Besuchern die Skulpturen und die Hintergründe ihrer Entstehung näher. Die Direktorin der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen ging erklärend auf wichtige Details ein und informierte über historische und künstlerische Aspekte.

Der Künstler Hieronymus Bosch ist ein Kind der Renaissance, der mit sehr kuriosen Figurzusammenstellungen berühmt wurde. Der ausgestellte "Vogelbote" ist eine Figur aus der Versuchung des heiligen Antonius, die Joerißen aus den zweidimensionalen Malereien Hieronymus Boschs in eine dreidimensionale Skulptur umsetzt. Diese Transformation lässt natürlich Spielraum für einige Details in der Umsetzung. Es entwickelt sich ein neues Geschöpf, es entsteht eine Neukomposition in der Allansichtigkeit mit neuen Einsichten in die Skulpturräume, die der Künstler technisch perfekt umgesetzt.

Die Figur wurde aus einem Stamm sozusagen herausgeschält. Der mehr als 100 Jahre alte Eichenstamm ist als solcher noch als Sockel zu sehen. Das schwere, widerstandsfähige Eichenholz ist nicht leicht zu bearbeiten. Es steckt deshalb viel körperliche Arbeit in den Skulpturen. Trotzdem arbeitet Andreas Joerißen sehr präzise und genau, mit viel Liebe zu Details. Es sind viele Kleinigkeiten zu entdecken beim Betrachten seiner Skulpturen.

Auch die Oberflächen unterscheiden sich stark voneinander. Sehr glatt gearbeitete Flächen grenzen an gröbere oder strukturiert gestalteten Holzflächen. Die Skulpturen zeichnen sich durch eine Feinheit in ihrer Haptik und Oberfläche aus. Dazu kommt die Farbigkeit. Mit kräftigen Farben bis hin zu Goldeinlagen gestaltet der Künstler die Figuren.

Bis zu einem Jahr arbeitet Joerißen an einer Skulptur. Er setzt sich intensiv damit auseinander und gestaltet im Prozess.

Entsprechend dem Ausstellungstitel ("Der Mensch, das Geheimnis und die Sünde") sieht der Künstler die gezeigten Figuren in Verbindung mit Geheimnis und Sünde. Auch hier gibt es historische und mittelalterliche Anklänge. Die Frage "Ist es das Gute, ist es das Böse" kommt dem Betrachter vor den Skulpturen in den Sinn. Mit einer Botschaft konfrontiert uns der Künstler und gibt dem Betrachter die Möglichkeit, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen.

Die Schau im Saal für Sonderausstellungen des Museums an der Hochstraße ist bis zum 8. Oktober zu sehen: dienstags bis samstags, 14 bis 17 Uhr, sonntags, 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
 
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