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Hückelhoven/Geilenkirchen
Nach traumatischer Zeit Trauer und Hoffnung miteinander teilen

Hückelhoven/Geilenkirchen. Flüchtlinge fanden in Gedenkfeiern Raum, ihren bedrückenden Erlebnissen Sprache zu verleihen. Das "Trauergedenken" hatten Vertreter der christlichen Konfessionen mit Muslimen vorbereitet.

Was Flüchtlinge auf der Flucht erlebt haben, ist zum Teil unvorstellbar. Ihre sehr emotionalen Geschichten bildeten den Mittelpunkt des Interreligiösen Trauergedenkens für Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer mit dem Titel "Gestrandet in Deutschland - zwischen Verlust und Hoffnung" an zwei Orten - in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule Geilenkirchen und in der DITIB Moscheegemeinde Hückelhoven. Es ging darum, den Flüchtlingen die Möglichkeit zu geben, ihre Gefühle der Trauer und der Hoffnung mit anderen zu teilen und zu erfahren, dass sie nicht alleingelassen sind und Trost bei Menschen und im Gebet finden können.

Eingeladen hatten Bärbel Windelen, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes für die Region Heinsberg, in ihrer Funktion als Regionalbeauftragte für Trauerpastoral in der Region, sowie Achim Kück, Flüchtlingsseelsorger für die Region Heinsberg. Den Grund der Einladung verdeutlichte Bärbel Windelen: "In allen Kommunen begann vor anderthalb Jahren der Zuzug von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, um zu überleben oder überhaupt eine Zukunftsperspektive zu haben", sagte sie. Die oft lebensgefährliche Flucht habe häufig körperliche und seelische Narben hinterlassen. Die Flüchtenden hätten viel hinter sich gelassen, viel verloren, auch unwiederbringlich wie ihre Heimat, ihre Familien, ihre gesellschaftliche Stellung, ihre kulturellen Wurzeln und ihre Arbeit. Angekommen in Deutschland, stellten sie oft fest, dass sich nicht immer die Erwartungen erfüllen würden. Hier gebe es aber Sicherheit und Menschen, die sich liebevoll kümmern, und eine Zukunftsperspektive, so Windelen. In Kontakt mit den Flüchtlingsgruppen habe sie erfahren, wie die Fluchterlebnisse den Alltag der hier angekommenen Menschen, von denen viele religiös seien, prägen und beeinflussen. "Deshalb möchten wir den geflohenen Menschen mit dieser Gedenkfeier Raum geben, ihre Ängste und Sorgen, ihre Erfahrung von Abschied und Schmerz, von Entbehrung und Enttäuschung, ihre Trauer auszudrücken", erklärte Windelen.

"Wir haben eingeladen, um innezuhalten und an das, was uns in den letzten Monaten widerfahren ist, zu erinnern, aber auch nach vorne zu blicken", unterstrich Achim Kück. Im Mittelpunkt standen in Geilenkirchen zwei Fluchtgeschichten, geschrieben von Flüchtlingen selbst. Detailliert brachten sie nahe, was auf ihrer Flucht geschehen ist. Im Anschluss verlas Pfarrerin Tanja Bodewig von der Kirchengemeinde Geilenkirchen passende Bibeltexte, bevor sie einlud, die Trauer, Wünsche und Hoffnungen auf Zettel zu schreiben. Die wurden in einem Gefäß angezündet, um die Gedanken auf den Weg zu schicken.

In Hückelhoven wurden die 90 Teilnehmer von Adem Onur, Vorsitzender der DITIB Moscheegemeinde, begrüßt, Hüseyin Baytekin, Vorstand der DITIB Moscheegemeinde, moderierte. Susanne Bronner, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde Hückelhoven, führte zum Thema hin und erklärte, dass Gedenken nicht nur erinnern sei, sondern die Gegenwart sehe und für die Zukunft lehre. "Wir sind hier in der Moscheegemeinde. Wir sind hier als Muslime und Christen." Auch hier hörten die Teilnehmer zwei Fluchtgeschichten, die die Angst und das Grauen auf der Flucht spürbar werden ließen. Zum Nachdenken lud Suleman Taufiq mit zwei seiner Gedichte ein. Als passende Texte wurden Mohammeds Flucht nach Medina aus dem Koran und aus der Bibel eine Zusammenfassung der Apostelgeschichte 27 und 28 "Die Abfahrt des gefangenen Apostels nach Rom" und "Die Überwinterung auf Malta" verlesen.

(ewl)
 
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