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Wegberg
„Nur Pier hat das Sagen“

Wegberg. Angesicht des drohenden Aus fordert die Leitung der Wegberger Klinik Politiker auf, Flagge fürs Krankenhaus zu zeigen. Umgekehrt hofft die Politik seit Monaten auf ein Signal von Klinikleiter Pier. Bislang vergeblich. Von Michael Heckers

Über den Inhalt einer Pressemitteilung der Sankt Antonius Klinik herrscht bei den Vertretern der Wegberger Ratsfraktionen große Verwunderung: Die Klinikleitung fordert von den Politikern, "Flagge zu zeigen und sich zum Haus zu bekennen". Zugleich wartet man im Rathaus und bei den Fraktionen seit Monaten vergeblich auf eine Stellungnahme von Klinikeigentümer Dr. Arnold Pier zu den vorliegenden Übernahmeangeboten.

Kein Kontakt

Sollten sich die Politiker nicht für das Haus einsetzen, sind nach Angaben der Klinikleitung auf Dauer sehr viele Arbeitsplätze gefährdet und die Wegberger würden einen maßgeblichen Teil der Infrastruktur ihrer Stadt verlieren. "Das ist schon eine sehr merkwürdige Aussage", kommentiert SPD-Fraktionsvorsitzender Harald Kersten die Mitteilung vor dem Hintergrund, dass Pier bis heute nichts von sich habe hören lassen. Kersten spekuliert über den Hintergrund der Mitteilung: "Offenbar hat man nun den Ernst der Lage erkannt und versucht, den Druck in der Öffentlichkeit zu erhöhen in der Hoffnung, dass die Wegberger Klinik nicht aus dem Bedarfsplan genommen wird." Bei Bürgermeisterin Hedwig Klein hatte sich Kersten erst vor wenigen Tagen erkundigt, ob sich der Klinikleiter nach seiner Freilassung aus der Untersuchungshaft bei der Stadtverwaltung gemeldet habe. Die Bürgermeisterin habe das verneint.

Dass das Krankenhaus in seiner jetzigen Form vor dem Aus steht, darauf deutet auch der Beschluss der Gesundheitskonferenz in Heinsberg hin. Wie Dr. Karl-Heinz Feldhoff, Leiter des Kreisgesundheitsamts, erläutert, ist im Kreis Heinsberg die Konzentration auf drei statt der bisherigen vier vorgesehen. Ob der Standort Wegberg tatsächlich wegfällt, darüber müsse das Ministerium entscheiden.

Nach Auffassung des CDU-Fraktionschefs Reinhold Pillich haben sich die Wegberger Kommunalpolitiker nichts vorzuwerfen. Es sei richtig gewesen, an der Grund- und Regelversorgung festzuhalten. "Wenn Bezirksregierung und NRW-Gesundheitsministerium in Abstimmung mit den Krankenkassen das Haus aus dem Bedarfsplan nehmen, kann sich die Politik trotzdem für den Erhalt der medizinischen Grundversorgung in Wegberg einsetzen", sagt er.

Die Krankenkassen haben bereits 2007 ein Verfahren eingeleitet, wonach die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus aus wirtschaftlichen Gründen beendet werden soll. Mitarbeiter der Klinik berichten, dass der wirtschaftliche Druck auf das 93-Bettenhaus von Tag zu Tag wächst. Feldhoff machte gegenüber der Rheinischen Post darauf aufmerksam, dass den Politikern die Hände gebunden seien. Sie hätten nur ein äußerst bedingtes Mitspracherecht. Stattdessen sei längst der Ex-Chefarzt am Zug. Feldhoff: "Nur Pier hat das Sagen."

Quelle: RP
 
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