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Erkelenz
Puppen zeugen vom Menschsein

Erkelenz. Cathy Wilkes aus der Glasgower Kunstszene zeigt ihre Werke im Museum Abteiberg. Einzelne Elemente fügen sich zu einer großen Arbeit zusammen. Von Angela Wilms-Adrians

Cathy Wilkes stellt eher selten und mit großem Bedacht aus. Jetzt zeigt das Museum Abteiberg eine Zusammenfügung ihrer Werke aus verschiedenen Arbeitsphasen. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Tate Liverpool und dem Lentos-Museum Linz realisiert.

Wilkes' Werk ist geprägt von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem zutiefst Existentiellen. Ihr geht es um das Menschliche, und vermutlich ist es gerade das, was spontan berührt und zugleich von Melancholie getragen ist. "Mich beeindruckt hier die Empathie. Man spürt, da ist etwas sehr Menschliches", sagt Museumsleiterin Susanne Titz bei der Vorbesichtigung.

Die Künstlerin ist anwesend, schon seit Tagen fügt sie ihr Werk, mit Elementen von 1998 bis heute, aus Rauminstallation und Skulpturen, Gemälden und Skizzen zu einer großen neuen Arbeit zusammen. Vertreter aus Liverpool und Linz dokumentieren alles, damit von den fragilen und vielfach detaillierten Stücken nach dieser Neukonstellation später alles wieder rechtmäßig an die Eigentümer zurückgegeben werden kann. Die Künstlerin arbeitet still, ganz auf ihr Werk konzentriert und abseits der Gespräche. Die Zurückhaltung und intensive Suche nach dem richtigen Platz in diesem Museum scheint charakteristisch für sie zu sein. Für Museumspädagoge Uwe Riedel ist dies Teil des Zeitfaktors, der sich ebenso in der Gegenüberstellung von alten und neuen Dingen ergibt.

Zu Wilkes' Werk gehören Mannequin-Figuren oder Puppen, gefundene Objekte und Stoffe, die zu skulpturalen und räumlichen Szenerien verbunden sind. In der Ausstellung gibt es nur ein oder zwei kleine Podeste, alles andere findet statt auf dem einfachen Boden ohne den erhabenen Status, den Podest oder Vitrine schaffen. Auch das sei charakteristisch für Wilkes, die 1966 geboren und aufgewachsen in Glasgow zu den Protagonistinnen der Glasgower Kunstszene gehört, so Titz. Die Museumsleiterin hob die Künstlerin allerdings wegen der härteren Auseinandersetzung mit der menschlichen Darstellung als Einzelfigur dieser Szene hervor.

Die Puppen sind keine Puppen im herkömmlichen Sinne. So liegt im blassen, gesichtslosen Kopf bei manchen dieser Figuren etwas Geisterhaftes, Vergangenes, das von Zuständen jenseits des Realen zu erzählen scheint. Die Medien sind ebenso in den Figuren gemischt, wenn sich etwa skulptural herausgearbeitete Gesichtszüge, gefilzte Haare und sorgsam genähter Stoff zum Ganzen fügen. Diese Figuren assoziieren Geschichten, wie denn auch Staub, Asche und Dreck bei den Dingen von der Vergangenheit erzählen. In der Szenerie der Figuren und ihres Umfeldes liegt oft etwas Verlorenes, die Ahnung einer Vereinsamung. Barocke Stoffe verweisen auf zurückliegende Jahrhunderte und sind mit Neuem zu Bruchstellen konfrontiert. Dinge des Alltags sind assoziativ einbezogen. Tonscherben vertiefen den Eindruck eines archäologischen Suchens und Bergens. Die vielfältigen Inhalte sprechen den Betrachter auf sehr unterschiedlichen Verständnisebenen an. Riedel betont für sich: "Man muss das emotional und dann auch kognitiv wahrnehmen."

Quelle: RP
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