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Kreis Heinsberg
SPD und Grüne wollen AKW Tihange abschalten lassen

Kreis Heinsberg. Der Heinsberger Kreistag soll auf die Gefahren bei einem Zwischenfall im Atomkraftwerk hinweisen, heißt es in einem gemeinsamen Resolutionsantrag.

Die Kreistagsfraktionen von SPD und Grünen haben zur nächsten Sitzung des Kreistages eine Resolution eingebracht, in der die sofortige Abschaltung des Kernkraftwerks Tihange gefordert wird. Das belgische Atomkraftwerk liegt etwa 90 Kilometer vom Kreis Heinsberg entfernt. Ralf Derichs, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, begründet die Resolution wie folgt: "Das Kernkraftwerk Tihange ist seit Jahren für seine Probleme und Störfälle bekannt. Die belgische Regierung hat die Laufzeiten des mittlerweile 40 Jahre alten Blockes Tihange-1 um nochmals zehn Jahre verlängert." Erst vor kurzem seien Tausende neuer Risse im maroden Reaktorblock Tihange-2 gefunden worden. Das Behältermaterial weise eine "unerwartete" Brüchigkeit auf. "Das bedeutet: Bei einem Unfall könnte die Ummantelung brechen und radioaktiv kontaminiertes Wasser mit unkalkulierbaren Folgen austreten", sagt Derichs.

Maria Meurer, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, weist darauf hin, dass das Kernkraftwerk Tihange wegen eines fehlenden Hochwasserschutzes im EU-Stresstest besonders schlecht abgeschnitten habe. "Tihange stellt für den Kreis Heinsberg und Umgebung eine ernste Gefahr dar. Bei größeren Unfällen könnten kilometerweit Mensch und Umwelt durch die radioaktive Kontamination belastet, die gesamte Region unbewohnbar werden", sagt Meurer. Einen konkreten Katastrophenschutzplan gebe es nicht. "Was ein Zwischenfall in einem Kernkraftwerk anrichten könne, weit über Grenzen hinweg, haben wir bereits durch Tschernobyl leidvoll erfahren."

Der Heinsberger Kreistag soll auf die Gefahren bei einem Zwischenfall im AKW Tihange hinweisen und die nordrhein-westfälische Landesregierung und die Bundesregierung auffordern, sich für eine "unverzügliche und dauerhafte Abschaltung des Kernkraftwerks Tihange" einzusetzen. Außerdem wird der Bund aufgefordert, für einen möglichen nuklearen Ernstfall ein bilaterales Abkommen mit Belgien zu vereinbaren. Daneben bitten die beiden Fraktionen die Landes- und Bundesregierung, euregionale Katastrophenschutzkonzepte zu erarbeiten, um entsprechende Informationen auf nationaler Seite vorhalten zu können. Gleichzeitig soll der Kreistag Heinsberg an die belgische Regierung appellieren, die Betriebsgenehmigung für das Kraftwerk Tihange zurückzunehmen.

(hec)
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