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Radsport
Abschieds-Tour mit dem Traktor

Radsport: Abschieds-Tour mit dem Traktor
Die sechs Hovener Kunstradfahrer - hier mit ihren Trainern und Betreuern Magret und Karl-Heinz Laufs - gaben nach 23 gemeinsamen Jahren ihren Ausstand FOTO: JÜRGEN LAASER.
Erkelenz. Nach 23 Jahren beendeten Deutsche Meister im Kunstradfahren bei Viktoria Erkelenz-Hoven ihre Karriere. Von Hans Groob

Sie hatten richtig gehört, die Mitbürger von Golkrath, da fuhr am Samstagabend gegen 21.30 Uhr doch tatsächlich ein geschmücktes Traktorgespann durchs Dorf - obenauf eine lustig jubelnde Gruppe. Es waren die Männer-Kunstradsportler des RV Viktoria Erkelenz-Hoven, die ihre berühmten "Drahtesel" nach 23 ereignisreichen Sportjahren an den Nagel gehängt hatten. Gefeiert wurde das einschneidende Ereignis in der Mehrzweckhalle im Kreis vieler Vereinsmitglieder, Wegbegleiter, Familienangehöriger und Gäste aus anderen Kunstradsportvereinen ("Adler" Neuwerk und "Blitz" Schiefbahn). Mit dabei auch der Frauen-4er der Viktoria, der 2014 nach 21 gemeinsamen Jahren die Karriere in ähnlich zünftigem Rahmen beendet hatte, und die Jungs jetzt mit der Traktor-Tour überraschte, an deren Ende ein Spalier mit geschwenkten Wunderkerzen stand. Frauen-Trainerin und neue Viktoria-Vorsitzende Andreas Ulrichs: "Wir wollten die Männer so verabschieden, wie das vor vielen Jahren in Golkrath und Hoven bei großen Erfolgen oft der Fall war."

Und das vom Trainerehepaar Margret und Karl-Heinz Laufs in den mehr als zwei Jahrzehnten geschulte und begleitete Sextett mit Oliver Klosa, Sebastian Schnitzler, Tobias Laufs, Markus Consoir, Christoph Wolter und Jendrik Laufs war sichtlich baff - auch wegen der von den Mädels gewählten Worte, die bekundeten, dass "die eigentlich immer schon großen Jungs jetzt echte Männer geworden sind".

Diese Erkenntnis war in den 23 Jahren mit immerhin 1600 gemeinsamen Trainingsstunden und den parallelen Starts bei sage und schreibe 15 Deutschen Meisterschaften gereift. Der erste DM-Titel als Schüler-6er wurde im Jahre 1997 ausgerechnet im südbadischen Denzlingen gewonnen, dem Ort, an dem 1989 mit dem Gewinn der Männer-DM im 4er und 6er zwei riesige Jahrzehnte (26 deutsche Titel) beendet worden waren: Bernd Franken, Karl-Heinz und Friedbert Laufs, Carsten Proebster sowie Reiner und Bernd Winkels sind Namen der ersten Legenden, die dann auch in mehr oder weniger intensiven Positionen an dem jetzt beendeten zweiten "Doppeljahrzehnt" mitgewirkt haben. Unzählige Bezirks- und Landestitel stehen in den Statistiken, Erfolge beim Deutschlandpokal, Punkterekorde (oft nahe am Weltrekord) und die höchste Stufe in der Beliebtheitsskala der Sportlerwahl in Erkelenz - die Viktoria-Teams als Dauerbrenner.

Aus den 26 DM-Titeln sind inzwischen 51 geworden - einmalig für den Sport in heimischen Breiten. Das Jahr 2001 toppte alles, denn mit dem Gewinn von vier DM-Kronen kamen die Hovener Kunstradsportler aus dem Feiern nicht mehr heraus. Nach dem "Gold-Titel" (50) 2009 gab es eine kleine Durststrecke bis 2014, da versüßte sich der Männer-4er den Abschied aus dem trainingsintensiven Sport (vor Meisterschaften bis zu fünfmal in der Woche) mit DM-Titel 51, und im 6er kam noch Silber dazu.

Erfolgreichste Akteure aus der zweiten "goldenen Viktoria-Generation" sind Markus Consoir (IT-System-Elektroniker/Golkrath) und Jendrik Laufs (Assistenzarzt/Aachen) mit je zwölf DM-Titeln, neunmal stand Oliver Klosa (Mechatroniker/Aachen) mit ganz oben auf dem Treppchen, achtmal Tobias Laufs (Heilerziehungspfleger/Hoven), sechsmal Sebastian Schnitzler (Diplom-Mathematiker/Aachen) und fünfmal Christoph Wolter (Tischler/Golkrath). Besonders begrüßt bei der Abschiedsgala wurde Felix Kentges (Kapitän/Rostock), der von 1997 bis 2002 an acht DM-Titeln in Schüler- und Jugendteams beteiligt war.

Eine besondere Aufgabe übertrug das Frauen-Quartett Christian Boes ("The Eye"), denn der Edelfan soll beim letzten Trainingslager auf Mallorca die Einlösung lustiger Forderungen aus einer noch versiegelten Aufgabenkiste überwachen.

Quelle: RP
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