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Als Autodidaktin schuf sie das ETV-Label

Turnen: Als Autodidaktin schuf sie das ETV-Label
Fein sehen sie aus, die Turnerinnen in ihren neuen Trikots (v.l.): Nerea Cubero, Romy Winzen, Wiebke Müller, Carla Stemmer, Amelie Pientka, Melanie Gilleßen und Trainer Wasilli Block. FOTO: ETV
Erkelenz. Ein besonderes Ehrenamt: Anzüge, Showmaterial und Turntrikots näht Monika Nüßer beim TV 1860 Erkelenz selbst. Von Hans Groob

Was haben overlock, coverlock und zickzack unmittelbar mit Sport zu tun? Nichts! Am ehesten würde vielleicht zickzack noch zu einem Aufwärm-Laufprogramm passen. Ist aber nicht gemeint, denn es handelt sich dreifach um Begriffe aus dem Nähen. Und genau das hat sich in der Turnabteilung des TV 1860 Erkelenz in den vergangenen Wochen zu einer neuen Abteilung entwickelt, seit Abteilungsleiterin Monika Nüßer die ETV-Geschäftsstelle an der Westpromenade zu großen Teilen in ein Nähstudio umfunktioniert hat. Und dort wird je eine Nähmaschine für overlock (näht den Rand des Stoffes, auch mehrere Lagen), zickzack (hier ist der Name Programm) und coverlock (sorgt u.a. für dekorative Nähte) benötigt. "Der Wechsel von Maschine zu Maschine erleichtert die Arbeit ungemein", erklärt die 51-jährige Alleskönnerin, bei der der Vormittag meist ETV-Time heißt, ehe sie als pädagogische Fachkraft im offenen Ganztag der Franziskus-Grundschule Erkelenz aktiv wird.

Das erste große Ziel ihrer (Näh)Aufgaben fand sie bei der Show-Akrobatikgruppe "Avo&Cado", die beim ETV von ihrer 20-jährigen Tochter Michaela (in Aachen Studentin auf Lehramt) geformt und geleitet wird. Dabei wirbeln und fliegen 24 Mädchen und Jungen im Alter zwischen acht und 27 Jahren als die "Beethovens" durch die Sporthallenluft. Ehe die schwarz-silbernen Beethoven-Anzüge allerdings "showfertig" waren, kostete das Zeitaufwand von vier bis fünf Stunden - für jeden, insgesamt also etwa 140 Stunden. Denn auch eine zwölf Meter lange Airtrackbahn musste mit einer Klaviertastatur aus Stoff dekorativ umnäht werden. Neben dem Zeitaufwand, übrigens alles ehrenamtlich, ist Stoff im Wert von 3500 Euro verarbeitet worden. "Jedoch nicht zulasten der Vereinskasse", ist Monika Müßer ganz stolz, "denn den Betrag haben sich die Kids mit ihrem Programm Sommertheater bei zahlreichen Aufführungen erarbeitet". Nach der gelungenen Generalprobe bei der Sportabzeichenverleihung steigt die Beethoven-Premiere nun am 12. Dezember bei der Turn- und Gymnastikshow des Gladbacher Turngaus.

Die zweite Nähaufgabe hatte bereits Premiere - beim Turn-Landesfinale in Tönisvorst. Den Bronzerang erturnten die ETV-Mädchen ebenfalls in von Monika Nüßer genähten Turntrikots in blau und mit silbernen Hosen, die von den gegnerischen Teams bewundert wurden. Keineswegs mit "heißer Nadel", aber dennoch im Eiltempo ("höchstens zwei Stunden pro Kombination") hatte die Autodidaktin die sechs Größenmuster und die zwölf passgenauen Anzüge in je zwei Stunden gezaubert. Autodidaktin? "Jawohl", sagt Monika Nüßer,"das habe ich mir von Evi Schöpfs abgeguckt, und dann einfach losgelegt." Evi Schöpfs hatte jahrelang auf drei Maschinen gezaubert, angefangen vor 20 Jahren mit den bekannten "Akrobengels".

So sind die Turnhallen, in denen Erka-Aktive antreten, immer bunt an Trikots wegen des "ETV-Labels" (zum Selbstkostenpreis) und prächtig wegen der Leistung. Dazu trägt auch Monika Nüßers zweite Tochter Darleen bei, die nach dem Abitur ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableistet, ansonsten aktive Turnerin, Trainerin und Kampfrichterin ist. Das müssen die Gene der Mutter sein.

Quelle: RP
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