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Tanzsport
Aus den Tanzsälen der Welt in den Hörsaal

Tanzsport: Aus den Tanzsälen der Welt in den Hörsaal
FOTO: Klaus Waldschmidt
Wegberg. Die Wegbergerin Maria Kleinschmidt hat dem Spitzentanzsport ade gesagt. Sie tanzt nur noch als Hobby und studiert Betriebswirtschaft. Von Klaus Waldschmidt

Maria Kleinschmidt ist die "Sportlerin des Jahres" des Kreissportbundes Heinsberg - nur einer von vielen Titeln, den die Wegbergerin in ihrer Karriere eingesammelt hat. Gemeinsam mit ihrem Tanzpartner Vadim Lehmann hat sie so ziemlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Inzwischen hat die 21-Jährige dem Spitzentanzsport ade gesagt.

Die Tanzsport-Gene waren ihr wohl schon im Februar 1995 mit in die Wiege gegeben. Mutter Tamara gehörte in der Ukraine zu den Spitzentänzerinnen, sie betrieb in der Großstadt Cherson eine Tanzschule und war nationale Jugendtrainerin. Mutter Tamara und Tochter Maria Vaghnina zog es dann im Jahr 2001 nach Deutschland. Durch die Heirat mit Hans Kleinschmidt und dem Wohnsitz in Wegberg hatte die Tanzsportgemeinschaft Erkelenz plötzlich eine sehr gute Trainerin und zugleich eine ehrgeizige Nachwuchstänzerin, die mit dem Wegberger Lennard Glehn in der Schüler-Startklasse erste Erfolge feierte.

Bis vor einem Jahr dominierte der Tanzsport das Leben von Maria Kleinschmidt (2015 durch Adoption), dem sich fast alles unterordnete. Nun aber bestimmt das Studium der Betriebswirtschaft in Düsseldorf für die nächsten zwei Jahre den Tagesablauf. Danach ist zum Abschluss ein einjähriger Aufenthalt an der University of Cumbria in England angesagt.

Maria Kleinschmidt mit Lennard Glehn, ihrem erstem Tanzpartner, und Vadim Lehmann, ihrem letzten. Dazwischen liegen sechs Jahre. FOTO: KLAUS WALDSCHMIDT

Die Zeit auf dem Wegberger Maximilian-Kolbe-Gymnasium war nicht immer ganz einfach, denn durch den Tanzsport gab es oftmals Fehlzeiten und Lernrückstände. Das besserte sich, als Maria Kleinschmidt es endlich vermochte, in den Wartezeiten, also im Auto, im Bus, während der Bahnfahrten und auch in den langen Flugstunden, den Schulstoff aufzuholen und Schulaufgaben zu erledigen. "Egal, es war für mich eine aufregende, eine tolle Jugendzeit und ich möchte sie nicht missen", sagt Maria Kleinschmidt heute.

Nach einer Zwischenperiode mit Tanzpartner Maxim Osetrov begann ab dem Jahr 2009 mit Vadim Lehmann eine neue Tanzpartnerschaft. Lehmann selbst stammt aus Kasachstan, konnte aber wegen seiner deutschen Abstammung problemlos eingebürgert werden. Bereits im Jahr darauf begann der sportliche Höhenflug für das Paar. Bei den Junioren II (14 und 15 Jahre) gewannen die beiden alle Titel in den Disziplinen Latein, Standard und in der Kombination der zehn Tänze in Nordrhein-Westfalen und auf nationaler Ebene. Der Deutsche Tanzsportverband schickte sein Spitzenpaar zu den internationalen Meisterschaften nach Moskau, nach Riga, zu den Prag-Open und den Austrian-Open. Dazu kamen die nationalen und internationalen Ranglistenturniere. Klar, solch ein talentiertes Nachwuchspaar gehörte in den NRW-Landeskader und auch der damalige Bundestrainer Oliver Wessel-Therhorn berief die beiden in den Bundeskader, obwohl sie erst 15 Jahre alt waren.

Und auch mit 16 und 17 Jahren, bei den Junioren I, blieben die Erfolge nicht aus: Mehrfache NRW-Titel und vier Deutsche Meistertitel gesellten sich hinzu. Die Jahre 2013 und 2014 waren sportlich gesehen Superjahre. 16 Mal vertrat das Duo den Deutschen Tanzsportverband weltweit. Der überragend ertanzte Sieg im Dezember 2014 beim "Europa-Cup über die zehn Tänze" in je fünf Standard- und Lateintänzen der Jugendklasse bis 18 Jahre im ukrainischen Dnepropetrovsk war aller Ehren wert.

In der Hauptklasse (über 18 Jahre) vorzeitig startberechtigt waren Maria Kleinschmidt und Vadim Lehmann der Schrecken der wesentlich älteren und erfahrenen Paare erst der A- und dann der Sonderklasse. Weil nur mit noch mehr Training, eigentlich schon hauptberuflich, in der S-Klasse ganz nach oben zu kommen war, ging die Tanzpartnerschaft mit Vadim Lehmann zu Ende. Vielleicht hatte das Praxisjahr bei der Stadt Wegberg schon ein Umdenken bei Kleinschmidt bewirkt. Tanzsport mit diesem hohen Aufwand ist nicht mehr das Lebensziel der 21 Jahre alten Wegbergerin. Beim TTC Mönchengladbach-Rheydt ist sie jetzt als Trainerin an den Wochenenden tätig und sie hat bereits die C-Wertungsrichterinnen-Lizenz. Ganz kann die Ausnahme-Tänzerin Maria Kleinschmidt das "Mausen" doch nicht sein lassen und die Show-Auftritte halten sie zudem fit.

Quelle: RP
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