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Radsport
Crash verhindert Podium

Radsport: Crash verhindert  Podium
Beeindruckende Kulisse: In jeder Runde ging es für Daniel Lambertz (l.) und die anderen Mountainbiker auf den Olympiaberg, um den Olympiasee und durch das Olympiastadion. Insgesamt absolvierte der Erkelenzer 65 Runden, 435 Kilometer mit 5000 Höhenmeter. FOTO: SPORTFOTOGRAF
Erkelenz. Daniel Lambertz (34) aus Erkelenz fuhr in München beim 24 Stunden-Mountainbike-Rennen im Olympiapark als Einzelstarter auf den fünften Platz und verpasste das Podium durch einen Crash knapp.

Der Radsport ist Dank der Tour de France momentan wieder in aller Munde - für Daniel Lambertz ist es allerdings nichts, stundenlang geradeaus zu fahren. Mit über 1000 anderen Mountainbikern bestritt er im Münchener Olympiapark das 24 Stunden-Mountainbike-Rennen. Und dabei ging es auf dem 6,5 Kilometer langen Rundkurs mit 80 Höhenmetern ordentlich zur Sache: Jede Runde fuhren die Biker auf den Olympiaberg, um den Olympiasee und durch das Olympiastadion. In vier unterschiedlichen Wettbewerben - Solostarter, 2er, 4er oder 8er Teams - wurde der Wettkampf von samstags 12 Uhr bis sonntags 12 Uhr bei Temperaturen von über 30 Grad im Schatten ausgetragen.

Daniel Lambertz startete als Einzelstarter, teilte vorab das Rennen in vier Phasen und verfolgte seinen Matchplan bis zum Ende. Unterstützung hatte der Erkelenzer dabei von seiner Crew um Ehefrau Jennifer und Betreuerin Sandra Paucke aus Hürth. Gleich vom Start weg schob sich Lambertz unter die ersten zehn im 50 Fahrer starken Feld der Einzelstarter. Mit konstanten Rundenzeiten um 18 Minuten hielt er die Pace immer hoch, um nach etwas mehr als sieben Stunden zur ersten Pause anzuhalten. Und da gab es gleich wichtige Anweisungen für seine Crew: "Weniger Riegel, mehr Gels, mehr Isodrink" lauteten die knappen Anweisungen, während sich zur Stärkung schnell ein glutenfreies Porridge mit Wasser gegönnt wurde. Die hohen Temperaturen brachten die Ernährungsstrategie an ihre Grenzen, der Flüssigkeitsverlust war kaum auszugleichen.

Mit dem erfreulichen Ergebnis von Platz fünf ging es nach 15 Minuten Pause wieder auf die Strecke. Die Beine fanden direkt wieder ihren Rhythmus und so war Lambertz einer der letzten, der sich gegen 21.45 Uhr seine Lampe abholte. Sandra Paucke montierte Akku und Lampe in unter zwei Minuten, so dass keine Zeit verloren wurde. Die Rundenzeiten stiegen leicht an, doch noch immer fuhr Lambertz knapp unter 21 Minuten pro Runde.

Doch die härteste Zeit sollte noch kommen: Die erste Phase der Nacht zählt nicht zu Lambertz Stärken aber eine Cola zur richtigen Zeit und viel Unterstützung auf der Strecke halfen dem Erkelenzer, sich in einen Flow zu fahren.

Während der zweiten Pause nach knapp zwölf Stunden hatte Lambertz bereits mehrere Runden Vorsprung auf seine Mitstreiter von Platz sechs bis acht, und auch der Rückstand auf die Plätze drei und vier verkürzte sich schlagartig. Zurück auf dem Bike begannen dann aber doch die Rhythmus-Probleme, von denen jeder Einzelstarter nach so einem Rennen zu berichten weiß. Doch die Rundenzeiten blieben konstant, überschritten nie die 23-Minuten-Marke und abgesehen von Blasen an den Händen lief alles gut. "Es war in dieser Phase des Rennens ein Kampf gegen den inneren Schweinehund", sagte Lambertz, "eine Stunde lange machte sich die Müdigkeit richtig breit und ich konnte auch das Gähnen nicht mehr unterdrücken." Dennoch: Lambertz ließ nicht locker und mit den ersten Lichtstrahlen um kurz nach 4 Uhr verflog auch die Müdigkeit. Doch gerade nachdem sich Lambertz selbst wieder stabilisierte, überschlugen sich die Ereignisse: In der letzten schweren Phase der Nacht arbeitet sich der Erkelenzer auf Platz drei vor. Vor lauter Freude und Hektik wurde die Flaschenübergabe verbockt, was allerdings in der Euphoriewelle nicht weiter störte.

Lambertz setzte nun alles auf einen Karte und erhöhte das Tempo. Die Rundenzeiten sanken wieder auf unter 20 Minuten und bis zur dritten und letzten Pause um 8 Uhr hatte der Erkelenzer zwei Runden Vorsprung herausgefahren. Während die Crew die Lichtanlage abmontierte gab es ein letztes glutenfreies Porridge und etwas Cola, zur Mobilisierung der allerletzten Energiereserven. Und Lambertz flog förmlich über die Strecke und konnte seinen Rhythmus bis 10 Uhr perfekt durchziehen.

Doch dann passierte es: Zwei Stunden vor Rennende touchierte eine Fahrerin Lambertz beim Überholen in einem Waldstück, so dass er ausweichen musste und sich dabei das Knie verdrehte. Nach 21 Stunden war die Muskulatur darauf nicht vorbereitet und das linke Bein stellte fortan die Arbeit ein. 90 Minuten vor dem Ende mit über 30 Minuten Vorsprung musste die Crew zusehen, wie das sicher geglaubte Podium noch verloren ging. Ein eingelegter Protest blieb erfolglos.

Nach der ersten Ernüchterung konnte man sich aber wenig später über das sensationelle Ergebnis von 65 Runden, 435 Kilometer mit 5000 Höhenmetern und dem fünften Platz freuen. Für Daniel Lambertz ist damit eine Teilnahme an den 24 Stunden Mountainbike Weltmeisterschaften 2017 in Finale im italienischen Ligure sicher.

Quelle: RP
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