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Jonas Hanßen
Die EM in Amsterdam fest im Blick

Erkelenz. Leichtathletik: Der Hürdenläufer des SC Myhl LA spricht über seine Ziele, den Traum von Olympischen Spielen und kommende Aufgaben.

Vor knapp einem Jahr wurden Sie etwas überraschend Deutscher Meister über 400 Meter Hürden. Danach ist es etwas ruhig um Sie geworden. Jetzt haben Sie sich gleich in Ihrem ersten Rennen mit der DM-Norm eindrucksvoll zurückgemeldet. Es läuft also?

Jonas Hanßen Ja. Ich bin gesundheitlich gut durch den Winter gekommen. Die Vorbereitung hat gestimmt und wir haben gut gearbeitet. Dennoch weiß man nach dem Winter nie so genau wo man steht, da war die DM-Norm ein erster Fingerzeig. Und ich bin froh, dass ich die Quali gleich im ersten Test abgehakt habe.

Klingt, als ob von Ihnen in dieser Saison viel zu erwarten ist. Was haben Sie sich selbst für Ziele gesteckt?

Hanßen Ich bin kein Freund davon, mir eine konkrete Zeit als Ziel zu setzen. Ich schaue einfach wie es läuft, will meine Rennen gut gestalten - immerhin gibt es durch die zehn Hürden ja jedes Mal zehn Gründe, nicht gut durchzukommen. Aber natürlich habe ich auch das Ziel, meine Bestzeit von 49,87 Sekunden weiter zu steigern.

Außerdem stehen in dieser Saison für Leichtathleten einige sportliche Highlights im Terminkalender.

Hanßen Das stimmt. Neben den Deutschen Meisterschaften, gibt es noch die EM in Amsterdam und natürlich die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro.

Liebäugeln Sie denn mit einer Nominierung für die Olympischen Spiele in Rio?

Hanßen Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, die Olympischen Spiele wären kein Traum von mir. Aber in diesem Jahr sind sie noch keine Option, die ich in Betracht ziehe. In vier Jahren allerdings wäre ich mit 25 in einem guten Alter - und Tokio ist ganz sicher eine Reise wert.

Heißt also, Sie konzentrieren sich voll und ganz auf die DM und die Europameisterschaft?

Hanßen Bei der EM in Amsterdam würde ich schon gerne laufen, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Abschneiden bei der DM wird sicherlich eine große Rolle spielen, aber der Titel alleine wird vermutlich nicht reichen. Letztlich wird es wohl auch darum gehen, bis zur EM möglichst viele gute Zeiten zu Buche stehen zu haben. Aller Voraussicht wird der der Verband höchstens drei Athleten über 400 Meter Hürden mitnehmen, aber ich traue mir das zu.

Wie sieht denn die Situation bei der nationalen Konkurrenz aus - und sehen Sie sich als Titelverteidiger bei der DM in der Favoritenrolle?

Hanßen Vergangenes Jahr hatten viele meiner Kollegen aus dem Kader gesundheitliche Probleme. Und ich habe bei der DM die Gunst der Stunde genutzt und bin Meister geworden. Die jetzige Situation ist ganz anders: Viele der Konkurrenten sind wieder fit und haben gut gearbeitet. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass es dieses Mal wesentlich spannender wird und es sich nicht wieder nur zwischen drei Läufern entscheidet, dieses Mal können fünf oder sechs Läufer den Titel holen.

Egal wie die Saison läuft, Sie haben längst gezeigt, dass man auch in einem kleinen Verein wie dem SC Myhl LA Höchstleistungen bringen kann. Könnten Sie sich dennoch vorstellen, den Verein zu wechseln?

Hanssen Nein. Der Erfolg hängt nicht davon ab, ob ich Wattenscheid, Dortmund oder sonst etwas auf der Brust stehen habe. Wir schaffen uns hier selbst professionelle Strukturen und haben den Ehrgeiz, aus unserer Situation das Beste zu machen - und dafür packe ich natürlich wie alle anderen auch selbst mit an. So haben wir zum Beispiel zuletzt im Heinsberger Stadion "Im Klevchen" eine Cross-Strecke und eine Tribüne gebaut. Es liegt am Team - und die familiären Strukturen helfen mir, erfolgreich zu sein.

Das ist eher ungewöhnlich.

Hanßen Das mag sein, aber ich will mich nicht einfach nur auf meinen Leistungen ausruhen. Ich möchte dem Verein etwas zurückgeben. Ich wünschte mir, mehr Leute würden das genauso sehen und die gleiche Einstellung haben.

Bevor es zur DM geht, steht noch ein wichtiger Termin an, bei dem Sie als Titelverteidiger an den Start gehen.

Hanßen In zwei Wochen sind die Hochschulmeisterschaften in Paderborn - und natürlich werde ich da alles dran setzen, meinen Titel zu verteidigen.

HENDRIKE GIERTH FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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