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Reitsport
Ein Trainer mit Sieger-Gen

Reitsport: Ein Trainer mit Sieger-Gen
Der Trainer Willi Schreinemacher kümmert sich auch um die Hindernisse. FOTO: Laaser, Jürgen (jl)
Hückelhoven. Willi Schreinemacher geht spätestens jetzt in die Geschichte des Förderkreises für Amateur- und Berufsreitsport ein: Zum vierten Mal in Serie hat er das Trainerchampionat Springen gewonnen. Das hat noch niemand vor ihm geschafft. Ein Besuch im Stall. Von Anke Backhaus

Der Name Willi Schreinemacher ist mit Reitsportgeschichte verbunden. Das kann der Springtrainer nun definitiv von sich behaupten. Zum vierten Mal in Folge nämlich hat er das Trainerchampionat Springen auf Ebene des Förderkreises für Amateur- und Berufsreitsport (FAB) gewonnen.

Zum vierten Mal in Folge. Klingt zunächst unspektakulär. Ist es aber nicht. Denn Schreinemacher und seine Mannschaft starten erst seit vier Jahren auf FAB-Ebene. Und: Es gibt keinen Trainer, der das Championat auch nur dreimal in Serie gewonnen hat. Schreinemacher hat also schon im vergangenen Jahr Geschichte geschrieben. Der Trainer, der erfolgreich einen großen Reitstall in Ratheim an der Schulte-Braucks-Straße betreibt, sieht aber deswegen keine Veranlassung, um auszuflippen. Im Gegenteil. Dafür hat er im Prinzip auch gar keine Zeit.

FOTO: Laaser, Jürgen (jl)

Sein Tag beginnt früh. Um spätestens 7 Uhr ist Willi Schreinemacher im Stall bei den rund 40 Pferden. "Jeder Tag beginnt damit, die Tiere anständig zu versorgen. Sie werden gefüttert, danach werden die Boxen gereinigt", sagt er. Der Trainer legt großen Wert darauf - das wird schnell erkennbar, wer seine Füße in den Stall setzt. Überall ist es ordentlich sauber. Sein Weg führt Willi Schreinemacher zu den Turnierpferden. Sein im wahrsten Sinne des Wortes bestes Pferd im Stall ist Chrissinio. Der Holsteiner in Box 18 wurde am 1. April 2002 geboren. "Seit sechs Jahren bilde ich ihn aus. Bis heute hat er schon zehn S-Platzierungen erreicht und dreimal beim FAB gewonnen", erzählt Schreinemacher. Chrissinios Reiterin ist übrigens Chiara Borcherding. Die 18-Jährige ist längst über das Attribut "Talent" hinausgewachsen. Sie ist Teil von Schreinemachers Mannschaft. Auch sie feierte in diesem Jahr in der FAB-Serie in der Klasse M riesige Erfolge. "Chiara hat zum dritten Mal in Folge die Finalprüfung gewonnen. Einmal landesweit und zweimal bundesweit - das hat noch niemand geschafft. Sie hat die Serie in diesem Jahr immer angeführt", sagt ihr Trainer. Seit Chiara sechs Jahre alt ist, wird sie von Willi Schreinemacher trainiert. "Man sieht im Schulbetrieb schnell, ob jemand Talent mitbringt. Das Gefühl fürs Pferd muss von Anfang an vorhanden sein, man darf keine Angst vor dem Tier haben und muss Gleichgewicht zeigen, wenn man auf dem Pferd sitzt." Für Schüler wie Chiara konzipiert Schreinemacher ein spezielles Training, das auch Annalena Knorr genossen hat. Sie ritt beim FAB die L-Tour, hatte vor dem Finale in Leverkusen eigentlich eine ziemlich ungünstige Ausgangslage. "Die Doppel-Null brachte Annalena auf einen tollen abschließenden vierten Platz", sagt Willi Schreinemacher. Die Doppel-Null - das bedeutet, dass der Reiter im Normalumlauf und im Stechen fehlerfrei bleibt.

Auf seinem Weg durch den weitläufigen Stall ist Schreinemacher an einer der Sattelkammern angekommen. Auch hier ist alles ordentlich sortiert und sauber. So zeichnet sich ein professionell arbeitender Reitstall aus. In der großen Reithalle hat Schreinemacher einen speziellen Bodenbelag auslegen lassen. "Das ist ein Gemisch aus Sand und Vlies. So ergibt sich ein fester Belag, der für eine gute Abfederung sorgt", erklärt Willi Schreinemacher.

Und dann kommt dem Trainer seine eigene aktive Zeit wieder ins Gedächtnis zurück. Bis zur Klasse S ist er gestartet, hat dort auch viele Platzierungen erreicht. Seine größten Erfolge feierte er mit seinem Pferd Prinz. Ein riesiges Foto des Paars, das gerade über ein Hindernis springt, erzählt von den alten Zeiten. "Vor sieben Jahren musste ich mich entscheiden, ob ich weiter aktiv bleibe oder mich als Trainer spezialisiere." Schreinemacher hat zweifelsohne die richtige Entscheidung getroffen.

Es dauert nicht lange, ehe Schreinemachers Handy mal wieder klingelt. "Ohne Handy geht es leider nicht." Kurze Absprachen mit Blick auf die Organisation des Stalls, der Mannschaft und des Trainings trifft Schreinemacher auf diese Weise. Derweil ist er angekommen an der so genannten Führmaschine. "Unsere Turnierpferde sind hier zwei Stunden täglich. Die Führmaschine ist wichtig für den behutsamen Muskelaufbau und die Kondition. Jeder professionelle Stall arbeitet damit." Vier Pferde gleichzeitig können dort trainiert werden.

Willi Schreinemacher steckt zudem mitten in den Vorbereitungen auf das internationale Turnier in Maastricht. Daran teilnehmen werden Chiara Bocherding und Chrissinio. Für Schreinemacher ist die Teilnahme des Paars eine große Auszeichnung. "Wer das so mitmachen möchte, dem muss klar sein, dass wir an rund 40 Wochenenden im Jahr unterwegs sind. Den jungen Leuten sage ich direkt, dass sie Sachen wie Diskobesuche natürlich besser vergessen sollen, wenn sie erfolgreich werden wollen." Schreinemacher ist eben Perfektionist.

"Aber all' das würde nicht funktionieren, gäbe es nicht die im Hintergrund, die mit Rat und Tat mithelfen", spricht Schreinemacher wichtige Leute seines Teams an. Nicole Borcherding und Norbert Knorr sind diejenigen, die sich um die Belange der Mannschaft mit Chiara Borcherding, Annalena Knorr, Vanessa Bickhoff, Alina Schumacher, Melanie Stapelberg, Marc Thönnissen, Joel Koopmann, Anna Spielmann und Jana Meesters kümmern. Schreinemacher: "Ohne Nicole Borcherding und Norbert Knorr würde das alles nicht funktionieren." Weil sie an Bord sind, wird das alles auch 2016 funktionieren.

Quelle: RP
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