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Erstmal musste ich mich kneifen

Motorsport: Erstmal musste ich mich kneifen
Für den Dremmener Alex Lambertz läuft es momentan richtig rund: Zwei Top-Ten-Platzierungen auf dem Nürburgring, zudem hat er an der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg das Fachabitur abgelegt. FOTO: LAMBERTZ
Erkelenz. Motorsport: Der talentierte Rennfahrer aus Dremmen fährt momentan mit Claudia Hürtgen und Peter Posavac im BMW.

KREIS HEINSBERG Der Knoten ist geplatzt, momentan läuft es für den 19 Jahre alten Motorsportler Alex Lambertz aus Dremmen wie geschmiert. Zeugnis dafür sind die zwei Top-Ten-Platzierungen bei der LVN-Langstreckenserie auf dem Nürburgring, zudem hat er an der Betty-Reis-Gesamtschule in Wassenberg das Fachabitur abgelegt.

Wann hat alles angefangen?

Lambertz Ich war fünf, da hat mich mein Vater zum ersten mal in ein Gokart gesetzt, und es hat Spaß gemacht. 2005 durfte ich als jüngster Teilnehmer in der ADAC-Meisterschaft starten, nachdem wir - Papa als Schrauber, ich am Steuer - bereits 2004 den Raderberg-Cup in Niederkrüchten bestritten haben. 2008/2009 habe ich den Winterpokal in Kerpen gewonnen - sechs Läufe, sechs Siege. International war ich dann 2010 und 2012 auch in der Kart-EM unterwegs. 2013 fiel dann die Entscheidung, einen Tourenwagen aufzubauen. Dafür haben wir in unserer alten Werkstatt in Dremmen (heute ist Automobile Lambertz in Wassenberg) ein halbes Jahr gebraucht. 2014 wurde ich in der ersten Saison mit dem BMW E36 318is auf Anhieb Meister in meiner Klasse und zog 2015 in der 325i-Serie nach. Der nächste logische Schritt folgte dann 2016 mit dem BMW M235i Cup auf der Nürburgring Nordschleife. Einfach überwältigend diese Strecke, die ich vor Ort, aber auch in unzähligen Stunden vor dem Simulator erlernte.

Wie bist Du zu dem renommierten Team Walkenhorst-Motorsport aus dem niedersächsischen Melle gekommen, das immerhin für "60 Jahre Automobile Leidenschaft" steht?

Lambertz Mit Walkenhorst Motorsport hatten wir schon gegen Ende 2016 einen guten Partner an unserer Seite, nachdem ich bereits 2015 in der VLN als Helfer zum Einsatz gekommen war und Kontakte geknüpft hatte. Im letzten Winter haben wir dann viel getestet im GT3 und haben glücklicherweise noch Sponsoren gefunden die uns unterstützen. Dass ich Junior-Fahrer bei Walkenhorst Motorsport geworden bin, hat natürlich einiges erleichtert. Zu verdanken habe ich das Niclas Königbauer und Henry Walkenhorst, die mich geholt haben.

Es läuft momentan ja richtig gut, woran liegt das?

Lambertz Zum einen ergänzen wir Fahrer uns sehr gut. Die Erfahrung von Peter Posavac (51; Essen) und Claudia Hürtgen (45; Aschheim) hilft mir enorm weiter und ich denke, dass beiden der frische Wind meinerseits aber auch ganz gut tut. Dazu haben wir diese Saison noch keinen Unfall gehabt, das stärkt das Selbstbewusstsein. Wir wissen auch, dass unser BMW Z4 GT3 zuverlässig ist, wir Fahrer sind das auch und auch die Mechaniker haben ihren Anteil. Das ganze Team funktioniert sehr gut und auch das Klima ist sehr gut und familiär, das spielt auch eine wichtige Rolle.

Aber was ist das für ein Gefühl, mit einer so erfahrenen Fahrerin wie Claudia Hürtgen, die schon 30 Jahre schnell unterwegs ist, zusammen ein Team zu bilden?

Lambertz Es ist natürlich ein besonderes Gefühl. Früher habe ich ihren Namen nur im Fernsehen gehört und in Zeitungen gelesen und nun sitze ich mit ihr auf einem Auto. Als ich das erfahren habe, da musste ich mich erst einmal kneifen. Ihre Erfahrung in deutschen und internationalen Rennserien ist ein großer Schatz. Claudia gibt ihr Wissen weiter und hilft mir auch bei meiner Datenauswertung. Das gibt noch extra Selbstbewusstsein.

Wie geht es motorsportlich weiter - in dieser Saison und danach?

Lambertz Diese Saison werde ich in der VLN auf dem "Zetti" zu Ende fahren. Es gibt noch fünf Rennen, das nächste am 19. August. Dann wird es wahrscheinlich noch den ein oder anderen Testtag auf einem BMW M6 GT3 geben, um mich auf das kommende Jahr vorzubereiten. Denn der Plan ist, dass wir vom Z4 auf den M6 umsteigen und vielleicht kommt ja neben der VLN noch eine andere Serie in Frage, also das ein oder andere Rennen hinzu.

Bisher hast Du den Motorsport mit der Schule teilen müssen. Setzt Du jetzt nur auf Motorsport?

Lambertz Keineswegs. Ich möchte auf Nummer sicher gehen und werde eine Ausbildung zum Automobilkaufmann machen, damit ich auch standfest bin, falls das mit dem Motorsport nicht klappen sollte. Aber wie man sieht, ganz ohne Autos kann ich dann doch nicht sein.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE HANS GROOB

Quelle: RP
 
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