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Leichtathletik
Fabians "Gold-Reck" hätte auch in Ratheim stehen können

Hückelhoven. Wolfgang Hambüchen, Vater des "Goldjungen" von Rio, war in den 1970/80er Turner und Trainer im Leistungszentrum an der Rur. Von Hans Groob

Das "Gold-Reck", an dem Fabian Hambüchen in Rio de Janeiro seinen Olympia-Traum erfüllte, wird demnächst in der Ratheimer Turnhalle an der Wallstraße stehen. Das ist Quatsch, das Reck wird in der Trainingshalle des Olympiasiegers im hessischen Wetzlar einen Ehrenplatz bekommen.

Dreht man die Zeit aber um knapp 40 Jahre zurück, da war nicht Hessen das Turn-Stammland der Hambüchens, sondern Nordrhein-Westfalen und hier speziell der Rheinische-Turner-Bund (RTB), der ein Leistungsstützpunkt unter der Regie des TV Hückelhoven-Ratheim hatte. Das waren die 1970/80 er Jahre, die an der Rur mit den Namen von Oberturnwart Heitzer "Jupp" und den Latour-Brüdern Jakob und Hans verbunden sind. Und Wolfgang Hambüchen, Vater des "Goldjungen" Fabian, der damals allerdings noch nicht das Licht der Welt erblickt hatte (geboren 1987).

Wolfgang Hambüchen war in Krefeld zu Hause und fuhr mehrmals in der Woche zum Training nach Ratheim. Fuhr - bedeutet, mit dem Moped aus der Seidenstadt nach Mönchengladbach, wo er bei Trainer- und Turnerlegende Willi Pleuss ins Auto stieg. Mehr als zehn Jahre turnten die Ratheimer in der Landesliga auf höchstem Niveau, hatten einmal sogar die Berechtigung zur Regionalliga, in der sie dann nur ein Jahr turnten, weil der zeitliche und finanzielle Aufwand zu hoch war. Wolfgang Hambüchen bildete mit Erhard Zunder, Willi Claßen und Johannes Burgstedt den "harten Kern", ergänzt um die Youngster Georg Kleinen, Achim Holtz oder Hilarius Dreßen. Willi Claßen war vom TV Rath-Anhoven dazugestoßen und vom TV Schwanenberg war es Wilhelm Killian. Der schon damals den "großen Ehrgeiz" beim Vater des Goldsohnes festgestellt hatte. Wie übrigens auch Willi Claßen, der in Isengraben lebt: "Wolfgang war damals schon zielgerichtet. Zuerst kam Turnen, dann nochmals Turnen, dann lange nichts und dann vielleicht was Anderes". Diese Aussage untermauert auch Hilarius Dreßen (55), der als Diplominformatiker heute in Langerwehe lebt, und gerne zugibt, dass ihm bei Fabian Hambüchens Goldkür und dem folgenden TV-Freudentanz mit Vater Wolfgang "die Tränen in die Augen geschossen sind".

Von Wolfgang Hambüchens gelebtem Turnen, dass er auch bei einem einjährigen Aufenthalt in Japan steigerte, hat damals auch Roland Jansen aus Erkelenz profitiert. "Er war in Ratheim ein klasse Trainer, der uns alle begeisterte", schwärmt der 48-Jährige, der ein Teil der karnevalistischen Gruppe "Et Zweijestirn", die bald wieder landesweit aktuelle Politik, Sport und Gesellschaftsgeschehen parodiert wie keine andere.

So wie es Roland Jansen immer wieder auf die große (närrische) Bühne zieht, so wollte auch Wolfgang Hambüchen mehr. Das konnte ihm Ratheim nicht bieten, obwohl dort mehrfach sogar japanische Turn-Olympiasieger zu Gast waren. Willi Claßen trifft es wohl genau: "Wolfgang Hambüchen hat sich in meinen Augen gar nicht verändert. Er selbst hat den großen Durchbruch nicht geschafft, hat sein Träume deshalb im Sohn verwirklicht." Und genau deshalb steht das "Gold-Reck" demnächst nicht in Ratheim, sondern in Wetzlar.

Quelle: RP
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