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Leichtathletik
In Zukunft: Hammerwurf oder Kogelslingeren?

Leichtathletik: In Zukunft: Hammerwurf oder Kogelslingeren?
Die Bronzemedaille und die Urkunde von der Deutschen U23-Meisterschaft. FOTO: Sina Mai Holthuijsen
Erkelenz. Sina Mai Holthuijsen, Hammerwerferin aus Hetzerath, startet für Deutschland und die Niederlande. Ihr großer Traum ist Tokio 2020. Dort könnte mit Michelle Döpke eine zweite Erkelenzerin dabei sein. Von Hans Groob

Olympia in Rio de Janeiro bestimmt in vielen Haushalten und Familien den Fernsehkonsum, da kommen sogar für Außenseitersportarten wie Bogenschießen, Wildwasserkanu oder Judo Zuschauerquoten von über fünf bis sieben Millionen zustande - geradezu sensationell. Und seit dem Wochenende sind Steigerungsraten garantiert, nicht umsonst hört man immer wieder, das mit der nun laufenden Leichtathletik die Olympischen Spiele erst richtig angefangen haben.

Ganz sicher auch bei den Holthuijsens im Erkelenzer Stadtteil Hetzerath, die zwar allgemein sportinteressiert sind, aber den Läufern, Gehern, Springern, Werfern und Stoßern aus besonderem Grund eng verbunden sind. Mutter Christa, beim Ausländeramt des Kreises Heinsberg als Anwältin tätig, hat da den einfachsten Part, erfreut sich an guten Leistungen und drückt dann speziell den deutschen Athleten beide Daumen. Bei Ehemann Peter (55; Diplom-Grafikdesigner) und Tochter Sina Mai (20) kommt da schon mehr Spannung auf, ist ein Daumen doch für die Deutschen und der andere für die niederländischen Starter reserviert. Das hat damit zu tun, dass Papa Peter im limburgischen Tegelen mit Wasser aus der Maas getauft wurde, während Sina in Mönchengladbach das Licht der Welt erblickte und seit drei Jahren die deutsche und die niederländische Staatsangehörigkeiten hat.

Für das sportliche Treiben eine hochinteressante Konstellation. So ist Peter Holthuijsen, der vom Zehnkampf kommt, speziell aber Kugelstoßer sowie Diskuswerfer ist, nicht nur zehnfacher niederländischer Meister, der auch 1998 im orangen Trikot in Slowenien Diskus-Bronze bei der Senioren-EM holte, sondern auch zigfacher Meister des Leichtathletikverbandes Nordrhein, ja sogar DM-Titelträger. Zu Buche stehen für ihn diese Weiten: Kugel 14,80 und Diskus 50,23 Meter. Und dass ein "weiblicher Apfel" auch nicht weit vom Stamm fällt, dafür ist Sina Mai Holthuijsen Zeugnis. Angefangen hat alles mit einem Dreikampf in Wegberg, da war sie sechs, dann mit acht Jahren beim Citylauf in Erkelenz dabei, schließlich hat sie zwei, drei Jahre in Schwanenberg Fußball gespielt, ehe sie Gefallen am Werfen fand. Mit 15 flog der Drei-Kilo-Hammer auf 28 Meter, im ersten B-Jugendjahr ein kräftiger Schub auf 37 Meter, im zweiten B-Jugendjahr die Steigerung auf 55 Meter mit dem Gewinn des niederländischen Titels. Im ersten A-Jugendjahr flog der nun vier Kilogramm schwere Hammer auf 54 Meter, mit denen in Stuttgart der Vizetitel der Winterwurf-DM erreicht wurde. Auch 2015 war ein weiteres Jahr der Zweigleisigkeit, also des Pendelns zwischen Deutschland und den Niederlanden, dabei in "Oranje" sogar der dritte NL-Titel in Folge. Vorläufig letzte Höhepunkte für Sina Mai Holthuijsen in 2016: Start im Amsterdamer Olympiastadion und Platz zwei der niederländischen Frauenmeisterschaft mit 57,67 Metern. Dann bei der deutschen U-23-Meisterschaft in Wattenscheid der Knaller, wo mit 59,52 Metern nicht nur die Bronze-, sondern auch persönliche Bestweite gemessen wurde.

Und wie geht es weiter? Nach TV Erkelenz und SC Myhl LA ist LAV Bayer Uerdingen/Dormagen die sportliche Heimat in Deutschland und AV Unitas Sittard das niederländische Pendant, wo Sina Mai auch die Vereins-Bundesliga bestreitet - 2015 Dritte, 2016 Vierte. Auf dieser Ebene trifft sie auch immer mal wieder auf die niederländischen Weltasse Dafne Schippers (Sprint), Nadine Broersen oder Anouk Vetter (Siebenkampf). "Die sind alle sehr nett, mit denen kann man sich prima unterhalten", sagt Holthuijsen, die selbstverständlich auf Niederländisch kommuniziert. Das kommt ihr auch in wenigen Wochen zugute, denn sie wechselt vom begonnenen Architekturstudium in Aachen nach Venlo, wo sie Marketing studieren will. Und das hat auch mit ihrer sportlichen Weiterentwicklung zu tun: "In der Architektur war viel Teamarbeit gefragt, die mit dem Leistungssport kaum zu vereinbaren war. Da haben mir die Venloer gute Möglichkeiten eingeräumt, Training, Wettkampf und Studium zu verbinden", sagt die Hammerwerferin. Somit sieht es auch danach aus, als würde 2017 die Entscheidung zum Start für die niederländische Nationalmannschaft fallen, dann könnte die 1,70 Meter große Athletin sich auf die U 23-Europameisterschaft in Bydgoszcz/Polen oder die Universiade in Taipeh (Taiwan) vorbereiten.

Papa Peter, der auch ihr Manager ist, rechnet bald damit, "das die 60-Meter-Schallmauer geknackt wird mit Weiten von 62 oder 63 Metern". Dann nicht mehr im Hammerwerfen, sondern im Kogelslingeren, so heißt Sina Mais Sport nämlich bei den Nachbarn. Bei denen allerdings die "große alte Dame" Wendy Koolhaas (36) jüngst noch mit 64,20 Metern auf sich aufmerksam machte, die für Rio aber nicht reichten.

Es gibt also noch viel zu tun für die Hetzeratherin, um in die Bereiche eines ihrer ganz großen Träume zu kommen: "In vier Jahren Tokio 2020, das wäre was", sagt sie ganz selbstbewusst. Dazu sei ihr schon mal das Datum des Wettbewerbs gesagt: 3. August 2020. Wie wäre es denn, wenn zwei junge Frauen aus Erkelenz im Olympiastadion von Tokio starten würden: Denn die Gerderatherin Michelle Döpke gehört zu den großen deutschen Talenten. Die Kogelslingerin und die Hammerwerferin sind befreundet.

Quelle: RP
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