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Serie Pape läuft (Folge 6)
Kleider machen Läufer

Serie Pape läuft (Folge 6): Kleider machen Läufer
Hagel und Regen machten Christian Pape beim Marathon-Training das Leben schwer. Seine gute alte Trainingshose hat er deshalb durch moderne Laufkleidung aus Funktionsfaser ersetzt. FOTO: Amelie Pape
Erkelenz. Die Schlabber-Buxe hat ausgedient: Unser Marathoni in spe Christian Pape entdeckt die Vorteile professioneller Laufkleidung.

Beeck Wer hätte gedacht, dass Jogginghosen super für die Couch geeignet sind, aber nicht zum Laufen?! Meine graue Baumwoll-Schlabber-Buxe, die ich zuletzt mal wieder ganz hinten aus meinem Kleiderschrank rausgefischt habe, ist doch eigentlich total modern... gewesen, in den 80er Jahren, bei uns im Dorf. Also rein in die Buxe und ab auf die Laufstrecke.

Ich strahle mit der Frühlingssonne um die Wette ohne zu merken, dass sich hinter mir immer größere und dunklere Wolkenmassen auftürmen. Wie aus dem Nichts bricht plötzlich ein Hagelschauer auf mich nieder. Der Wind peitscht mir die Hagelkörner ins Gesicht. Mann, tut das weh! Aber Laufen ist kein Schönwetter-Hopsen, Laufen ist Kampf, Laufen ist Disziplin. Also weiter!

Die Hagelkörner werden immer dicker und feuern gegen meine Lieblings-Jogginghose. Der Baumwollstoff saugt sich wie ein Schwamm mit Wasser voll. Ich kann mich weder auf meine Schrittlänge noch auf meinen Puls konzentrieren. Ich bin nur noch damit beschäftigt, den Hosenbund mit dem leicht porösen Gummi hochzuziehen, damit die immer nasser und schwerer werdende Jogginghose nicht unter meine Knie rutscht.

Dazu die vernichtenden Blicke der entgegenkommenden Autofahrer: "Wie kann man seine kostbare Zeit nur mit Laufen vergeuden. Und dann auch noch bei so einem Wetter. Und in so einer Baumwoll-Schlabber-Buxe!"

In diesem Moment wird mir klar, dass der Spruch "Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung" auf nichts so gut zutrifft wie auf meine Jogginghose. Es hilft nichts. Für mein Marathontraining müssen professionelle Laufklamotten her! Atmungsaktive Funktionskleidung, die die Feuchtigkeit von innen nach außen transportiert und nicht wie meine Baumwollhose von außen nach innen.

Also fahre ich mit meiner Frau Silvia noch am selben Tag in den nächsten Runners-Store, einem Fachgeschäft für Laufbekleidung. Silvia steuert zielsicher auf einen Verkäufer zu. Ich dackele wie ein begossener Pudel hinterher. "Guten Tag, mein Mann braucht Laufbekleidung. Gucken Sie sich den mal an. Der will Marathon laufen! Dabei bekommt der ja schon blaue Flecken vom Hagel!" Der Verkäufer mustert mich skeptisch. Dann drückt er nicht mir, sondern Silvia klassische Herren-Laufshorts in die Hand und sagt zu ihr: "Die müssten ihm passen. Besonders kurz, um dem Bein beim Laufen einen möglichst weiten Spielraum zu lassen." Und ich stehe wie ein kleiner, dummer Junge daneben. Jetzt platzt es aus mir heraus: "Hallo, ich brauche beim Laufen untenrum keinen Spielraum!"

"Dann ziehen Sie Ihrem Mann doch Lauftights an, Radlerhosen. Die gibt es in unterschiedlichen Beinlängen. Sie sitzen schön spack und verhindern beim Laufen ein Wundscheuern der Oberschenkel." Der Typ tut so, als wäre ich gar nicht da! Junge, Junge, was für ein Spacko!

Silvia schickt mich in die Umkleidekabine: "Hier, Christian. Probier' schon mal die Laufhosen an, ich bringe Dir gleich noch mehr Funktionskleidung." Ich zwänge mich also in die hautengen Laufleggins. Was soll ich sagen, ich kam mir plötzlich vor wie Supermann, mein Strumpfhosen-Held aus Kindertagen. Doch Silvia war immer noch verschwunden. Da habe ich mir aus Langeweile meinen Mantel als Umhang umgebunden, mir die kurze Unterhose über die Laufstrumpfhose angezogen und mich in Supermann-Pose auf dieses kleine Kabinen-Höckerchen gestellt. Ich will noch mit meinem Handy ein Vermisstenfoto von mir machen, da verliere ich plötzlich das Gleichgewicht, stürze samt Handy aus der Kabine und lande krachend auf dem Ladenboden.

Schon höre ich, wie die Frau aus der Umkleide neben mir ruft: "Hilfe, ein Perversling!" In dem Moment kommt Silvia, schüttelt nur verständnislos den Kopf und sagt zu mir wie früher Mama: "Mein Gott! Kann man Dich nicht mal für fünf Minuten alleine lassen?!"

Tja, was tut man nicht alles, um auf der Laufstrecke bestens ausgerüstet zu sein. Auf jeden Fall zählt die Ausrede "Es ist schlechtes Wetter!" dank meiner neuen Funktionskleidung nicht mehr. Leider...

Und meine Baumwoll-Jogginghose trage ich jetzt nur noch beim Sport...gucken im Fernsehen auf der Couch.

Unser Autor Christian Pape (42) ist Humorist und Hobbyläufer aus Beeck. Am 2. Oktober 2016 geht er mit RP-Redakteur Michael Heckers (42) beim Köln-Marathon an den Start.

Quelle: RP
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