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Lokalsport
Mit kleinen Klötzchen auf großer Mission

Erkelenz. Der Erkelenzer Wolfgang Bosau will Kubb auch in der hiesigen Region weiter bekanntmachen. Von Hendrike Gierth

Bei Wolfgang Bosau sieht es so spielerisch einfach aus: Wenn der 68-Jährige die Wurfhölzer aus seiner Hand schnellen lässt und sie mit einem leisen "Klong" zielsicher einen Kubb umwerfen, dann kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, die Holzklötzchen würden sich magnetisch anziehen. "Das ist der Lohn vieler Stunden fleißigen Trainings", erklärt Bosau, "und das Ergebnis einer ruhigen Hand und eines guten Auges - aber letztlich ist es alles eine Frage der Übung"." Und Wolfgang Bosau muss es schließlich wissen: Er ist eine echte Kubb-Koryphäe. Vor knapp sechs Jahren wurde der ehemalige Lehrer des Cusanus-Gymnasiums bei einem Kollegiums-Ausflug mit dem Bazillus des Wikingerschachs infiziert, inzwischen ist der 68-Jährige in der internationalen Kubb-Szene unter seinem Spitznamen "Opi" bekannt wie ein bunter Hund und wurde im Vorjahr sogar mit dem Team "Gipfelstürmer & Freunde" in Schweden Weltmeister mit der Mannschaft. "Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut", verrät Bosau. Damals war es der Erkelenzer, der mit einem perfekten Wurf den Schweizer König zu Fall brachte.

Sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, das ist allerdings nicht die Art von Wolfgang Bosau - seit Mai steht er fast jeden Tag wieder auf dem Fußballplatz am Adam-Stegerwald-Hof, trainiert ein bis zwei Stunden, wirft Hölzchen um Hölzchen, nur davon unterbrochen, die Kubbs wieder aufzustellen. Manchmal ist er dabei von einer kleinen Menge umringt, die interessiert zuschaut. Ganz Mutige trauen sich selbst sogar ein paar Würfe zu - immer mit der gleichen erstaunten Erkenntnis: "Es ist schwerer als es aussieht."

Dennoch befindet sich Kubb auf dem Vormarsch. In Deutschland hat sich inzwischen ein Kubb-Verband gegründet, auf dessen Internetseite alles Wissenswertes über das Spiel mit den zehn eckigen Kubbs, dem König und den sechs runden Wurfhölzern nachzulesen ist. Ob eine kurze, sehr anschauliche Regeleinführung - sogar in bewegten Bildern -, die Geschichte des Kubbs, oder ein Turnierkalender - es gibt alles, was das Herz der Kubb-Freunde begehrt. Und auch auf dieser Internetseite kommt man um Wolfgang Bosau nicht vorbei: Gleich auf der Startseite lächelt er einem mit entgegen - umringt von vielen zumeist deutlich jüngeren Mitstreiterinnen und Mitstreitern. Kubb Festival 2016 ist auf dem Foto zu lesen, darunter die Eckdaten zur Deutschen Kubb Meisterschaft in Leipzig, bei der sich Wolfgang Bosau gemeinsam mit seinem Sohn Norbert und zwei Mitspielern aus Ascheberg als Team Kubbless den Titel sicherten und damit den Siegerpokal erstmals nach Nordrhein-Westfalen holten. Danach folgten die Europameisterschaft in Berlin (10. Platz), die Weltmeisterschaft in Schweden, bei der dieses Mal das frühe Aus in der Gruppenphase gegen ein starkes US-amerikanisches Team und eine schwedische Crew kam, sowie die 4. Deutschen Einzelmeisterschaften am 20. August in Tangstedt vor den Toren Hamburgs. Und dort lief der 68 Jahre alte Erkelenzer noch mal zur Hochform auf, spielte seine ganze Erfahrung aus. Auf dem Weg ins Finale räumte er unter anderem den Vorjahressieger aus Berlin aus dem Weg, ehe er sich dann im Endspiel Heiko Kreuzburg geschlagen geben musste. "Am Ende habe ich dann einfach nicht mehr gut genug getroffen", gibt Wolfgang Bosau freimütig zu. Sein Sohn wurde Neunter, seine Enkelin Fiona landete auf Platz 25.

Nach den ganzen Reisen zu den Meisterschaften - gefahren wird mit dem Auto, übernachtet meist im Zelt auf irgendwelchen Sportplätzen - ließ Wolfgang Bosau die Saison noch mit der Vereinsmeisterschaft beim BSV Kubb Erkelenz und einem Turnier in Ascheberg ausklingen. "Jetzt mache ich allerdings erst mal ein bisschen Pause - lasse die Klötzchen eingepackt", sagte der Erkelenzer, der in diesem Jahr an 13. Turnieren in Deutschland und Europa teilgenommen hat.

Verstauben werden die Holzklötzchen aber ganz sicher nicht, denn Wolfgang Bosau hat ein großes Ziel: "Wir wollen den Sport auch hier in der Gegend bekanntmachen und möglichst viele motivieren, mitzuspielen" - und deshalb wird er auch bald wieder die kleinen Klötzchen fliegen lassen.

Quelle: RP
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