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Leichtathletik
Olympiasieger war etwas voreilig der erste Gratulant

Erkelenz. Der erste telefonische Gratulant meldete sich drei Minuten vor Mitternacht - also leicht zu früh: Dass Bundestrainer Volker Beck, beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) für Sprint/Langsprint/400 Meter Hürden zuständig, es immer eilig hat, muss man dem Olympiasieger von 1980 in Moskau, als er im Trikot der DDR die 400 Meter Hürden gewann, zugestehen. Gestern dann klingelte es in Gerderath von den frühen Morgenstunden an über den ganzen Tag hinweg bis spät am Abend fast pausenlos, zeitweise hatte Harald Eifert an jedem Ohr Handy oder Festnetz. Er kam sich vor wie ein gestresster Makler an der Frankfurter Börse - dabei ist er nun doch auch schon 60.

Der Blick auf diese sechs Jahrzehnte zeigt ein von überaus starken sportlichen Anteilen geprägtes Leben, das am 28. Juni 1956 in Merkstein begann und seit 35 Jahren in Gerderath seinen Mittelpunkt hat. Dort wuchsen auch seine Kinder Verena und Tobias auf und hat er sich inzwischen mit Lebens- und Sportpartnerin Anja Deckers eingerichtet. Seit drei Jahren ist es die Pensionärszeit nach dem Beruf, den Harald Eifert 40 Jahre bei der Stadt Übach-Palenberg ausfüllte, als Beamter im mittleren nichttechnischen Dienst, "gelernt von der Pike auf".

Den Weg zum Sport fand "klein Harry" in Merkstein über Turnen, Fußball und sogar Boxen. Als seine Eltern in den 1960er Jahren Arbeit beim Textilmaschinen-Hersteller Schlafhorst fanden und nach Übach-Palenberg zogen, wurde Harald als 14-Jähriger Leichtathlet beim Werksclub Rot-Weiß Schlafhorst. Zunächst als Allrounder, da machte er als Fünfkämpfer sogar auf Bundesebene auf sich aufmerksam. Auch die Bundeswehrzeit in Daun/Eifel hatte 1976/77 Anteil daran, dass der Name Eifert immer häufiger in Siegerlisten von Laufwettbewerben weit oben oder ganz vorne zu finden war. Er sammelte Titel auf Kreis- und Landesebene, war Fünfter der deutschen Juniorenmeisterschaft, mehrfach Endlaufteilnehmer bei der DM der Männer über 5000 und 10.000 Meter und trug das Nationaltrikot bei A-Länderkämpfen gegen Frankreich und Belgien. Kreisrekorde, die bald das 40-Jährige haben, stehen eindrucksvoll zu Buche (hier eine Auswahl): 800 Meter in 1:51,8 Minuten (21.7.1978), 1500 Meter in 3:44,8 (16.9.1978), 3000 Meter in 8:05,8 (24.5.1979), 5000 Meter in 14:02,5 (11.8.1978) und 10.000 Meter in 29:18, 8 (25.7.1978). Der Meister könnte spontan auch noch die Lauforte dazu nennen. Was auch für die neun Vereinsrekorde gilt, die unter seinem Namen beim SC Myhl LA zu finden sind. Diese Statistiken sind für Harald Eifert eigentlich nebensächlich, viel wichtiger ist das Datum 12. November 1997. Da war er Mitgründer der SCM-Leichtathletik, die sich vom damals dominierenden SCM-Fußball löste. Heute dümpelt der Fußball in der C-Liga, während die Leichtathletik fast 250 Mitglieder zählt, im Kreis führend ist und auf Landes- und Bundesebene im Blick der Verantwortlichen als Topadresse gesehen wird - klein, aber fein. Was Hilde und Bruno Wilms ab Mitte der 1960er Jahre begonnen haben, baute Harald Eifert als rastloser Motor aus: "Das war aber nur möglich dank gleichgesinnter Vereinsfreunde." Die hatte Eifert auch im Leichtathletikkreis, den er von 2005 bis Anfang 2016 führte und mit einem aktiven Vorstand im Landesverband Nordrhein etablierte. Beweise dafür: Ausrichter von überregionalen Meisterschaften, Standards auf Bundesniveau angepasst (Zeit- und Windmessung) und auf die geplante Verbandsstruktur vorbereitet sein - sprich Zusammenarbeit der Kreise Heinsberg, Aachen, Düren, Euskirchen forcieren. Dass überwiegend in Eigenleistung zum Leichtathletik-Stadion umgestaltete Heinsberger "Klevchen" und das Willy-Stein-Stadion in Erkelenz sind Landes-Leistungsstützpunkte. Da hat sich Harald Eifert auch in seiner Position als Vizepräsident des Landesverbandes eingebracht.

Davon profitieren auch die von ihm trainierten Sportler, die spüren, "dass auch im ländlichen Bereich Trainingsfleiß, begleitet von Erfahrung, zum Erfolg führen kann". Dass in Eiferts Trainerzeit 150 Landemeistertitel in der kompletten Disziplinvielfalt der Leichtathletik erreicht wurden, das hat nicht er, sondern haben andere ausgezählt. Ein klein wenig Stolz ist in seinen Augen aber schon abzulesen. Aktuelles Aushängeschild ist zweifelsohne Jonas Hanßen, der im vergangenen Jahr Deutscher Meister über 400 Meter Hürden wurde. Bei der DM in Kassel machte eine Muskelverhärtung in der rechten Wade die Titelverteidigung kaputt. Und damit auch den Traum von der Teilnahme an der EM in Amsterdam. "So grausam kann der Leistungssport sein", resümiert Harald Eifert nüchtern, der aber schon wieder nach vorne schaut: U 23-DM in Wattenscheid (23./24. Juli), U 23-EM in Polen 2017 und weit voraus die EM 2018 in Berlin. Dass daraus was werden könnte, entnimmt man dem Vertrauensverhältnis zwischen Sportler und Trainer, das Jonas Hanßen so ausdrückt: "Ohne ihn wäre ich sportlich nicht da, wo ich heute bin. Wir sind einfach ein gutes Team".

VON HANS GROOB

Quelle: RP
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