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Schwimmen
Vom Beckenrand aufs Tanzparkett

Erkelenz. Der ehemalige Wegberger Gymnasiallehrer und Schwimmtrainer der Freien Schwimmer geht heutzutage gerne tanzen. Von Klaus Waldschmidt

WEGBERG Im sauerländischen Menden 1951 geboren gab es für Wolfgang Bley dort keine Schwimmausbildung in seiner frühen Jugend. Das hätte fast zum Ertrinken im Möhnesee geführt, wenn denn nicht ein Mitschüler den dreizehn jährigen Wolfgang gerettet hätte. Das Schwimmen musste nun aber schnellstens erlernt werden und das war zugleich der Grundstock zu "seiner Sportart", die ihn fast ein Leben lang prägte. Mit Talent ausgestattet war es die Westdeutsche Meisterschaft im Jahre 1968 in den Brust-Disziplinen der 100 und 200 Meter.

An der RWTH Aachen folgte nach dem Abitur die pädagogische Ausbildung in den Fächern Französisch und Sport, ergänzt um den Fach-Trainerschein Schwimmen im Dezember 1971. Beim SC Delphin Eschweiler als Übungsleiter und zugleich mit wissenschaftlicher Assistenz am Institut für Leibesübung in Aachen ergab das bei Wolfgang Bley den Grundstock für die Praxis. Mit zahlreichen Veröffentlichungen in den Fachpublikationen schuf sich der leidenschaftliche Schwimmpädagoge dazu eine solide theoretische Basis.

Im Februar 1980 versetzte das Schulkollegium Düsseldorf Wolfgang Bley und seine seit zwei Jahren angetraute Marita an das Städtische Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Wegberg. Die unmittelbare Nachbarschaft von Schule und Schwimmhalle entsprach genau Bleys Wunschvorstellungen. Mit der Gründung der ersten Arbeitsgemeinschaft Schwimmen begann der Zulauf von vielen Talenten. Die vier Pistel-Kinder, dazu Jörg Padberg, Jürgen König und Thomas Böttcher bedrängten Wolfgang Bley zum Eintritt in den TuS Wegberg. Viele Eltern, dazu der Kollege Hans-Joachim Klemm, halfen mit, dass bei den Schulwettkämpfen und beim Westdeutschen Schwimmverband plötzlich Wegberg mit seinen 50 Aktiven für viel Beachtung und Aufsehen sorgten. 1984 gewannen die Kolbe-Mannschaften beim Kreisschulsportfest sieben der acht Titel, was zugleich die Verdrängung des Cusanus-Gymnasiums vom bisher gewohnten Platz eins bedeutete. Bei den Bezirksmeisterschaften in Jülich 1987 sahnten die Wegberger Schwimmtalente 20 x Gold, 15 x Silber und fünf Mal Bronze ab. Auch auf Landesebene und beim Deutschen Turnerbund glänzten die Wegberger Wasserratten, um nur einige der Erfolge zu nennen.

Das aber führte zu Meinungsverschiedenheiten im TuS Wegberg, der sich vornehmlich als Breitensportverein verstand. Wolfgang Bley, eine so zielorientierte Trainerpersönlichkeit, und immer schon durchsetzungswillig veranlagt, benötigt halt Freiräume. So kam es mit Evi Karschkes zur Gründung der "Freien Schwimmer" im Jahr 1993 in Wegberg. All sein theoretisches Wissen, wie Kindern und Jugendlichen pädagogisch optimal Bewegungsabläufe zu erklären und einzuüben sind, kamen nun voll zum Tragen. Bald stellten sich mit neuem Nachwuchs auch die Erfolge wieder ein. Herausragend waren sicherlich die Siege auf Landesebene bei "Jugend trainiert für Olympia" der Jahre 1994 bis 2000. Dazu kamen viele Treppchenplätze auf den Bezirks- und Landesebenen. Aller Lohn war aber für Wolfgang Bley und acht seiner Schützlinge das Jugendlager des Deutschen Sportbundes zur Olympiade 2008 in Peking.

Plötzlich, ohne Vorankündigung, kam der Rückzug vom Schwimmen mit dem Schuldienst-Ausscheiden von Wolfgang Bley am 31. Januar 2012. Dies geschah auch, weil die neuen Medien/Handys und die Schulzeiten nachmittags kaum noch Freiräume fürs Schwimmen ergaben.

Der Stand heute: Tanzen fanden die Bleys immer schon ganz toll. Erlebten sie doch die Entwicklungen des ehemaligen Schwimmers Bernd Waldschmidt und seiner Gymnasial-Schülerin Maria Kleinschmidt bis hin zur Weltspitze. Tanzen ist jetzt also bei den Bleys angesagt, auch weil das bis ins ganz hohe Alter für sie beide möglich erscheint.

Quelle: RP
 
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