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146 Tage auf dem Continental Divide Trail
Von Süden nach Norden zu Fuß durch Amerika

146 Tage auf dem  Continental Divide Trail: Von Süden nach Norden zu Fuß durch Amerika
Horst Brendgens an der Staatsgrenze zu Wyoming FOTO: Horst Brendgens
WEGBERG. Der Wegberger Horst Brendgens ist knapp fünf Monate lang durch die USA gewandert. Er absolvierte rund 2600 Meilen des Continental Divide Trails von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Von Hendrike Spaar

Es sind Erinnerungen, die Horst Brendgens sicherlich nie mehr vergessen wird: Ob die schneebedeckten Gipfel der Rocky Mountains, der Sonnenaufgang in der Halbwüste von New Mexiko oder die klaren und eiskalten Bergseen in Wyoming – jedes Naturschauspiel hat seine besonderen Reize.

Vor allem, wenn man sie so hautnah erlebt wie der 50-Jährige: Knapp fünf Monate wanderte Brendgens auf dem Continental Divide Trail durch Amerika, der die so genannten Thru-Hiker rund 5000 Meilen von Süden nach Norden durch die fünf US-Bundesstaaten New Mexiko, Colorado, Wyoming, Idaho und Montana führt. Jährlich stellen sich nur rund 200 Wanderer dieser Herausforderung – Brendgens war 146 Tage unterwegs unter anderem über die Berge Grays Peak, Mount Elbert und das Bergmassiv der Rocky Mountains sowie durch mehrere Nationalparks, allen voran den berühmten Rocky-Mountains-Nationalpark in Colorado und den Glacier-Nationalpark an Montanas Grenze zu Kanada.

Es war ein langgehegter Traum, den sich Brendgens zu seinem 50. Geburtstag erfüllte: "Ich wollte einfach etwas Besonderes machen", erinnert sich der Wegberger, der schon vorher vielfältige Wandererfahrungen unter anderem bei einer Alpenüberquerung und in Lappland gesammelt hatte. Also nahm er bei seinem Arbeitgeber ein Sabbatjahr, recherchierte im Internet und entschied sich für den längsten und anstrengendsten Trail Amerikas. "Ich dachte mir, so was werde ich nur einmal in meinem Leben machen, also habe ich mir den längsten ausgesucht", erklärt der 50-Jährige.

Mit dem Flugzeug ging es von Düsseldorf nach New York, von dort nach Houston und El Paso und dann noch mit dem Bus in die Nähe der mexikanischen Grenze, wo das Abenteuer starten sollte – allein. "Ich fühle mich nicht einsam, wenn ich alleine unterwegs bin", erklärt Brendgens. Zudem habe er viele Leute getroffen und kennengelernt, die ihn ein Stück des Weges begleitet haben. Weitere Erinnerungen, die er nie mehr vergessen wird – und die er beinahe nicht gemacht hätte, denn das Abenteuer schien bereits am zweiten Tag ein jähes Ende zu finden: Mittags, in der Halbwüste von New Mexiko, streikten die Füße, der Körper und der Kopf. "Ich habe zu 100 Prozent gedacht, ich würde das hier nicht zu Ende bringen", erinnert sich Brendgens. Zumal er auch noch feststellen musste, dass er trotz aller Planungen zum Teil das falsche Equipment dabei hatte, "den falschen Rucksack, die falschen Schuhe – ich habe alles nach Hause geschickt und mich in Silver City neu eingedeckt", verrät der 50 Jahre alte Wegberger, der auf seinem Weg auch ein Paar Schuhe - nach rund 1300 Meilen - und eine Shorts zerschlissen hat.

Angesichts der langen Zeit und der unterschiedlichen Klimazonen ist es aber auch gar nicht so leicht, für jeden Tag die richtige Ausrüstung dabei zu haben. Brendgens erlebte auf seiner Wanderung Temperaturen um die 30 Grad in New Mexiko und um den Gefrierpunkt in Montana mit nassen Schuhen und Socken. Hinzu kamen ein unvorhersehbarer Wintereinbruch, Waldbrände sowie eine schmerzhafte Entzündung des rechten Schienbeins, die ihn zu einer viertägigen Pause zwang und die das Abenteuer erneut auf des Messers Schneide stehen ließ. "Ich habe ganz schnell ganz viel Gewicht verloren", erinnert sich Brendgens an die Strapazen der Wanderung, "das war alles sehr anstrengend."

Nur in den seltensten Fällen gönnte sich der Wanderer aus Wegberg eine Nacht im Hotel, den Luxus in einer Ortschaft oder einem kleinen Städtchen seine Wäsche zu waschen, zu duschen, sich rasieren zu lassen oder eine warme Mahlzeit in einem Restaurant zu sich zu nehmen. Sein mobiles Zuhause während der Reise war ein 620 Gramm schweres graues Einmann-Zelt, das mal im Schutz stattlicher Kiefern, mal mitten in der Steppe oder an schneebedeckten Hängen aufgebaut wurde. "Auf manchen Teilstücken habe ich schon mal geflucht", sagt Brendgens, "doch an meinem letzten Tag auf dem Continental Divide Trail ist schon Wehmut aufgekommen, als ich die letzten 20 Meilen runtergezählt habe. Irgendwie konnte ich es mir gar nicht vorstellen, dass es nach dieser langen Zeit zu Ende geht."

Eine Zeit, die Thru-Hiker Horst Brendgens ganz sicher nie mehr vergessen wird. Fotos von seiner Wanderung finden Sie hier.

 
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