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Kreis Heinsberg
Suche nach den Gründen für die Stimmverluste

Kreis Heinsberg. Wilfried Oellers (CDU) gewann bei der Bundestagswahl das Direktmandat. Eine Frage beschäftigt ihn seither: Warum holten er, vor allem aber seine Partei weniger Stimmen als in den Jahrzehnten zuvor? Von Andreas Speen

Was den Ausgang der Bundestagswahl am 24. September angeht, ist Wilfried Oellers weiterhin ein Stück weit ratlos. Wie 2013 hat er im Kreis Heinsberg das Direktmandat gewonnen, allerdings nicht mit 53,4 Prozent der Erststimmen, sondern mit 45,6 Prozent. Außerdem büßte seine CDU knappe zehn Prozentpunkte gegenüber der Bundestagswahl vor vier Jahren ein. Dahingegen blieben die SPD und sein stärkster Mitbewerber, Norbert Spinrath, ebenso bei konstanten Zahlen wie Grüne und Linke. Verschoben haben sich die Stimmanteile aufseiten der Christdemokraten sowie vor allem bei FDP (plus 6,5 Prozentpunkte) und AfD (plus 5,2 Prozentpunkte).

Oellers macht sich derzeit viele Gedanken über die Bundestagswahl und die Tage, Wochen und Monate davor. "Ich habe noch einmal Revue passieren lassen, was ich von den Bürgern an den Wahlkampfständen oder bei anderen Veranstaltungen gehört habe. Viele Gespräche drehten sich darum, dass sie ihre Stimmen aufteilen wollten: die Erststimme für mich und die Zweitstimme für die FDP", erinnert sich Oellers. An dieser Stelle lasse sich das Wahlergebnis erklären: "Schwieriger sind für mich die Stimmen einzuschätzen, die an die AfD verloren gingen. Vor der Wahl hat nämlich niemand in meine Richtung kommuniziert, dass er sich dorthin wenden will. Für mich macht es das schwer, weil die Bürger mit mir gar nicht über ihre Gründe gesprochen haben, so dass ich nun wüsste, worauf ich reagieren könnte." Wohl aber erinnere er sich, dass in den zwei Wochen vor dem Wahltag auf einmal neue Themen durchkamen: "Zukunftsängste, Verlustängste und die Sorge, abgehängt zu werden." Stichworte seien die Sicherheit der Rente und alle Fragen rund um die Digitalisierung gewesen. "Mein Verweis in den Gesprächen darauf, dass wir - auch hier im Kreis Heinsberg - in den vergangenen Jahren wirtschaftlich eine positive Entwicklung genommen haben, scheint die Menschen offensichtlich weniger beruhigt zu haben."

Rente, Arbeitslosigkeit und Digitalisierung müssen die Themen der Zukunft sein, erklärt Wilfried Oellers in Richtung der künftigen Bundesregierung wie ebenso in seine eigene Richtung. Aus seinem bisherigen Arbeitsfeld im Bundestag, dem Ausschuss für Arbeit und Soziales, und aus dem heraus, was für seinen Wahlkreis wichtig ist, will Oellers für die nächste Zeit drei Hauptziele ableiten. "Es muss um innere Sicherheit gehen und bei uns darum, dass der Kreis Heinsberg einen Standort der Bundespolizei erhält sowie deren personelle und materielle Aufstockung", erklärt Oellers. Beschäftigen wolle er sich auch weiterhin mit Arbeits-, Tarif- und Mitbestimmungsrecht. Und zuletzt möchte er bei der Rente ansetzen: "Vor allem bei der Erwerbsminderungsrente müssen wir uns noch einmal die Berechnungsmodalitäten anschauen wie auch die Verfahrensdauer, die reduziert werden muss."

Für den Moment hält es Wilfried Oellers für wichtig, dass seine Partei das Wahlergebnis aufarbeitet und zugleich Sondierungsgespräche für eine künftige Koalition in Berlin führt. Er selbst hätte es gerne gesehen, wenn sich die SPD nicht schon am Wahlabend gegen eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition ausgesprochen hätte: "Ich halte es auch weiterhin für richtig, noch einmal mit der SPD zu sprechen."

Die Zeichen jedoch stehen auf schwarz-gelb-grün, die sogenannte Jamaika-Koalition. "Das wird eine Herausforderung", sagt der Abgeordnete aus dem Kreis Heinsberg nach ersten Treffen in seiner Fraktion im Bundestag: "Die Themenbreite und die Breite der Ansichten ist groß." Die Basis für eine künftige Zusammenarbeit ist aber gegeben, zumindest was Oellers betrifft: "In der Region Aachen und aus meiner Berliner Ausschussarbeit heraus gibt es bestehende Kontakte zu den Grünen-Kollegen, an die wir anknüpfen können. Und zur FDP, die vier Jahre nicht im Bundestag war, hatte die Union auch immer versucht, den Kontakt zu halten. Wir fangen nicht bei Null an."

RP-Foto: Laaser (Archiv)

Quelle: RP
 
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