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Hückelhoven
Vorhaben, das zwei Generationen beschäftigte

Ein Blick in die Geschichte der deutsch-niederländischen Straßenverbindung in der Region.

Die A 46/B 56n ist auch ein Beispiel dafür, dass es oft zweier Menschengenerationen braucht, um eine für die Infrastruktur oder Umgehung als notwendig erachtete neue Straße umgesetzt zu bekommen. Davon können Generationen Kommunalpolitiker ganze Liederbücher singen. Für die A 46/B 56n wurden die ersten Planungen in den 1950er Jahren vorgenommen. Das Projekt wurde lange als "Selfkantstraße" geführt.

Der 2010 verstorbene Hückelhovener Stadtdirektor Johannes Bürger hat die Entwicklung der Anbindung der vormaligen Kreise Erkelenz und Geilenkirchen an das deutsche und niederländische Fernstraßennetz vor allem aus wirtschaftlichen Gründen 1981 im Heimatkalender des Kreises nachvollzogen, indem er "fünf dickleibige Aktenordner" im Rathaus mit Amtsschriftgut und Zeitungsberichten auswertete.

Im August 1963 berichtete demnach die Westdeutsche Zeitung, dass der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete für die Kreise Erkelenz, Geilenkirchen und Jülich, Professor Dr. Fritz Burgbacher, erklärt habe, "dass der Bau der Selfkantstraße auf der Ausbaustufe I stehe. Es handelt sich dabei um die Verlängerung der Schnellstraße von Erkelenz nach Hückelhoven, die bis zur Straße nach Golkrath-Hückelhoven fertiggestellt ist." (Die heutige Landesstraße 227 ist damit gemeint, die parallel zur A 46 läuft.)

Erfahrungsgemäß dauert(e) ein Einordnungsprozess in die Ausbaustufe I mehrere Jahre, so dass sich die "Geburtsstunde" der Fernstraßenanbindung in die 50er Jahre zurückdatieren lässt.

Die Trasse sollte zwischen Schaufenberg und Kleingladbach, Millich und Ratheim, wie heute die A 46, und dann zwischen Oberbruch und Heinsberg zur Grenze führen. Hückelhoven, Oberbruch und Heinsberg, später auch Erkelenz forcierten in den 60er Jahren ihren Einsatz, teils gemeinsam, für die strukturstärkende Verbindung zwischen dem südlimburger (Kohle-)Industrierevier sowie dem Rhein-Ruhr-Gebiet. Dabei wurden die Zuständigkeit und die Trägerschaft mehrfach neu definiert, bis sie schließlich beim Bund verblieben.

Johannes Bürger, der von 1945 bis 1990 (mit vier Jahren Unterbrechung) in der Hückelhovener Verwaltung tätig war, listet zahlreiche Termine in den Rathäusern, der Kreisverwaltung, bei der Bezirksregierung in Aachen, später in Köln, bei der Landesregierung in Düsseldorf und der Bundesregierung in Bonn bis in die 70er Jahre auf.

In den 60er und 70er Jahren wurden Umwidmungen von allen politischen Ebenen und sogar konkrete Baubeginne für die Selfkantstraße genannt und nicht eingehalten. Die Hartnäckigkeit von Ratsmitgliedern, Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordneten im stillen Bearbeiten der Oberbehörden brachte letztendlich auch für die A 46 den Erfolg.

Der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Adolf Spies von Büllesheim berichtete Ende 1975 vom Durchbruch im Bundesverkehrsministerium, die vier Brücken zwischen Erkelenz und Hückelhoven-Ost wurden 1977 begonnen, die Fahrbahn folgte, am 17. Dezember 1979, einem grauen und kalten Montag, wurde die Freigabe groß gefeiert. Mit der Fertigstellung bis zur B 221 bei Janses Mattes rechnete die Kreisverwaltung damals bis 1983. Die fand 1996 statt...

Für die jetzige Verlängerung bis zur Grenze als B 56n legte sich wieder ein Bundestagsabgeordneter erfolgreich ins Geschirr - Dr. Christoph Zöpel (SPD). Ihm glückte es als Staatsminister im Außenministerium in Berlin auch, die niederländische Transitstraße N 274, die von Posterholt bis Brunssum durch den Selfkant ohne Auffahrmöglichkeit führte, an die deutschen Straßen einschließlich der B 56n anzuschließen und ins deutsche Straßennetz zu übernehmen. Europa ist einfach bequemer.

(isp)
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