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Erkelenz
Zahl der Höfe geht mittelfristig zurück

Erkelenz: Zahl der Höfe geht mittelfristig zurück
Die kleinen Bauernhöfe werden aus den Ortsbildern zunehmend verschwinden. Heute ist die Schaffung rentabler Betriebseinheiten auf größeren Flächen angesagt. FOTO: Frieder Blickle/DPA
Erkelenz. Agrar-Professor Janinhoff skizziert bei Vortrag in Erkelenz die Zukunft der Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Kreislandwirt Conzen warnt vor Qualitätsverlust bei den Nahrungsmitteln, wenn Landwirtschaft zurückgeht.

Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe wird in Nordrhein-Westfalen mittelfristig zurückgehen. Das prophezeite Professor Alfons Janinhoff, ein Agrarwissenschaftler aus Beckum, der 30 Jahre an der Fachhochschule Bingen lehrte, in einem Vortrag vor rund 180 Landwirten aus der Region. Zu diesem hatte die Volksbank Erkelenz eingeladen.

Janinhoff skizzierte in einem Ausblick die Entwicklung der Landwirtschaft in den kommenden Jahren und nannte die Anforderungen, die dabei auf die Landwirte zukommen. Der Agrarexperte untermauerte dabei seine Aussage, mittelfristig sei nur ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in NRW überlebensfähig, von der betriebswirtschaftlichen Seite aus betrachtet.

Prof. Alfons Janinhoff (2. v.l.) begrüßten Frank Massier (Volksbank, li.) sowie Josef Brück, Vorstand der Volksbank Erkelenz, und Bernhard Contzen (v. re.) FOTO: VOBA

Investitionen und Arbeitsaufwand für eine überschaubare Steigerung des Einkommens seien enorm. Aufgrund des begrenzt wachstumsfähigen Marktes und seiner Ressourcen sei eine Vergrößerung des Hofes nur möglich, wenn in der Nachbarschaft ein anderer schließe. Ratsam sei aus seiner Sicht daher auch die Suche nach tragfähigen Alternativen wie den erneuerbaren Energien. Seit 2006, betonte Janinhoff, habe die deutsche Landwirtschaft rund 20 Milliarden Euro in erneuerbare Energie investiert.

Ein weiterer wichtiger, den landwirtschaftlichen Betrieb sichernder Schritt sei die Schaffung rentabler Betriebseinheiten. Auf einer größeren Fläche könnten höhere Gewinne erwirtschaftet werden. "Die Stückkosten bestimmen den Gewinn. Und die sind bei größeren Einheiten einfach niedriger." Dem Einwand von Kritikern, dass "Betriebsgröße nicht alles" sei, hielt Janinhoff ein "Ohne Betriebsgröße ist alles nichts" entgegen: "Schon heute ist dieser Trend abzusehen." In den vergangenen 30 Jahren sei die Zahl der Flächen und Tiere je Landwirt gestiegen.

Ein weiterer Rat war die Abkehr vom "Wachstumsfetischismus". Stabilität sei das Gebot der Zukunft. Eine weitere Herausforderung für die Landwirte und ihre Verbände sei eine positive Öffentlichkeitsarbeit. "Die geringe Wertschätzung dieses Berufsstandes ist eine Herausforderung, der wir uns alle stellen müssen", erklärte er.

Der Strukturwandel werde noch einige Landwirte die Existenz kosten, sagte Professor Janinhoff voraus, der bis zu seinem Ruhestand mehr als 30 Jahre in Bingen an der Fachhochschule lehrte. Gefahren drohten nicht nur vom globalen Markt und von der Europäischen Union. Vielmehr gebe es nationale und länderspezifische Verordnungen, die es den Landwirten schwer machten zu rationalisieren oder zu investieren: "Der Strukturwandel wird voranschreiten, und es ist Aufgabe jedes einzelnen Landwirtes, seinen Platz in der Landwirtschaft der Zukunft zu finden. Wir müssen die Menschen begeistern und Spaß an der Landwirtschaft vermitteln", betonte er am Ende seines Vortrages. "Die gesellschaftliche Anerkennung muss erkämpft werden."

Der Kreislandwirt und Präsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes, Bernhard Conzen aus Gangelt, hatte vor Beginn des Vortrags in einem Grußwort zu bedenken gegeben, dass mit dem Rückgang der heimischen Landwirtschaft auch die Qualität der Nahrungsmittel leide. Sie würden oftmals aus Ländern importiert, "in denen der Verbraucherschutz keine so bedeutende Rolle spielt wie in Deutschland". Ein weiteres wichtiges Argument für die deutsche Landwirtschaft, bestätigte Alfons Janinhoff.

(spe)
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