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Kreis Heinsberg
Zukunftsorientiertes anstoßen

Kreis Heinsberg. Produktivität und Kaufkraft im Kreis Heinsberg haben sich positiv entwickelt. Das Kreisgebiet wird für Firmen zunehmend attraktiv. Wirtschaftsförderer Ulrich Schirowski denkt über Perspektiven nach. Von Ulrich Schirowski

Die Arbeitslosenquote auf einem historisch niedrigen Niveau und die Entwicklung der Erwerbstätigkeit im Höhenflug. Ähnlich positiv stellt sich die Produktivitäts- und Kaufkraftentwicklung dar. Und die Lage der Unternehmen am Wirtschaftsstandort Kreis Heinsberg? Laut der regelmäßigen Konjunkturumfragen der IHK Aachen sind die Geschäftserwartungen, quer durch alle Branchen, bestens. Und zwar sowohl was die aktuelle Situation betrifft, als auch hinsichtlich der Perspektiven für die Zukunft. Die wirtschaftliche Entwicklung im Kreis Heinsberg ist gut. Daran kann es kaum einen Zweifel geben. Erst recht, wenn man sich in Erinnerung ruft, woher der Kreis Heinsberg - wirtschaftsstrukturell betrachtet - kommt, 20 Jahre nach Schließung der Zeche Sophia-Jacoba.

Eigentlich könnte man zufrieden sein. Eigentlich - denn was eine zukunftsorientierte regionale Wirtschaftsentwicklung angeht, sollte die Kategorie "Zufriedenheit" nicht unbedingt der Maßstab des Handelns sein. Innehalten und auf dem Erreichten ausruhen, das ist erfolgsorientierten Unternehmen eher fremd, denn allzu schnell wird aus Stillstand auch Rückschritt. Auch die Verantwortlichen beim Kreis Heinsberg und in seinen zehn Städten und Gemeinden wissen das und orientieren ihr Handeln daran. Jetzt, aus einer inzwischen relativ starken Position des Kreises heraus, ist der richtige Zeitpunkt, zukunftsorientierte, strategische Entwicklungen anzustoßen. Denn klar ist auch: Die positive Entwicklung im Kreis Heinsberg ist kein Selbstläufer. Das war sie nie und das wird sie niemals sein.

Wir haben sicherlich in vielerlei Hinsicht inzwischen gute Voraussetzungen, unsere räumliche Lage als attraktiver Standort zwischen dem südlichen Ruhrgebiet, der Rheinschiene mit Düsseldorf und Köln sowie den Ballungsräumen und den wichtigen Seehäfen in Belgien und den Niederlanden für eine zukunftsorientierte Entwicklung vor Ort besser nutzen zu können. Da ist die gute Verkehrsanbindung sowohl mit der Schiene als auch auf der Straße. Die Fertigstellung der Bundesstraße B 56n als Verlängerung der Autobahn A 46 in die Niederlande, die in diesem Jahr endlich vollendet wurde, ist dabei ein Meilenstein.

Auch das Vorhandensein von attraktiven Gewerbe- und Wohngebieten zu erschwinglichen Preisen macht den Kreis Heinsberg attraktiv. Wie attraktiv, das zeigt die exzellente Nachfrage beispielsweise nach Gewerbeflächen: Seit Jahren ist der Kreis Heinsberg bei der erfolgreichen Vermarktung von Gewerbeflächen und der damit verbundenen Ansiedlung von Unternehmen Spitze im regionalen Vergleich.

Ebenso bei der Bevölkerungsentwicklung: Von wegen "Landflucht" - seit 2013 steigt die Einwohnerzahl im Kreis wieder deutlich an. Zurückzuführen ist das - dies machen aktuelle Erhebungen deutlich - gerade auch auf den Zuzug der Menschen aus den Räumen Mönchengladbach, Düsseldorf, Köln und Aachen sowie aus niederländisch Süd-Limburg.

Mit derlei "Rückenwind" lässt sich Zukunft leichter gestalten - und diese Chance muss genutzt werden. Wir dürfen - nein wir müssen - mit einem gerüttelt Maß an Selbstbewusstsein offensiv Werbung für unseren Kreis Heinsberg machen. Dies gilt natürlich für den Wirtschaftsstandort, beispielsweise im Rahmen der erfolgreichen Standortmarketing-Kampagne "Kreis Heinsberg - Spitze im Westen", die im kommenden Jahr neu aufgelegt wird. Dies gilt aber auch für andere Werte unserer Region, beispielsweise als Freizeit- und Tourismusdestination. Insofern zielt die in diesem Jahr gestartete touristisch orientierte Kampagne "Heinsberger Land - erfrischend entspannt" nicht nur darauf, mehr Gäste in unsere Region zu locken. Es geht auch darum, die Schönheiten, den hohen Freizeitwert und letztlich die Attraktivität des Kreises Heinsberg und seiner zehn Städte und Gemeinden für Leben und Wohnen offensiv zu Markte zu tragen.

Wichtig für die künftige Entwicklung ist aber vor allem, dass wir in der Infrastrukturentwicklung weiter nachlegen können. Dies betrifft den Bereich der Verkehrsinfrastruktur ebenso wie die Gewerbeflächenentwicklung und den Wohnungsbau. Insbesondere bei den Gewerbeflächen werden wir, setzt sich die Wirtschaftsentwicklung in ähnlicher Weise fort wie in der jüngeren Vergangenheit, schon mittelfristig nicht mehr genügend attraktive Areale in den Städten und Gemeinden des Kreises anbieten können. Dies darf nicht passieren, damit würden die wirtschaftliche Entwicklung und die damit verbundene Schaffung von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung vor Ort sozusagen "abgewürgt" werden. Auch im Bereich Wohnungsbau muss es weitergehen. Die Ausweisung von Neubaugebieten ist dabei sicherlich ein wichtiges Instrument, aber dies sollte nicht das einzige sein. Denn angesichts der ländlich geprägten Struktur in unserer Region muss auch über innovativere Wohnungsbauprojekte "im Bestand" nachgedacht werden, die mit dazu beitragen können, die vorhandenen und zum Teil seit Jahrhunderten gewachsenen kleineren Ortsstrukturen in ihrem Kern aufzuwerten und damit attraktiver zu machen - beispielsweise für den Zuzug von jungen Familien. Die positive Wechselwirkung hierbei: Dies tut auch der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung gut. Denn angesichts des demografischen Wandels und des heute schon in vielen Branchen spürbaren Fachkräftemangels brauchen die Unternehmen auch in Zukunft gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und dorthin, wo attraktive Arbeitsplätze angeboten werden, orientieren sich die Menschen auch zum Wohnen und Leben.

Während die Kernstädte - den nicht weg zu diskutierenden Problemstellungen beispielsweise im Bereich des stationären Einzelhandels und den mancherorts dadurch bedingten Leerständen zum Trotz - gut aufgestellt sind, dürften perspektivisch die kleinen Orte, unter 2000 Einwohnern, zunehmend Probleme bekommen, wenn man hier nicht umsteuert. Um zu sehen, was passieren kann, wenn solche kleinen Ortschaften mit ihrer Entwicklung in eine Abwärtsspirale geraten, die dann vor allem auch das gesellschaftlich-soziale Miteinander erfasst, muss man nicht bis nach Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern reisen. Dazu reicht bereits ein Blick beispielsweise in die Nordeifel. Damit es nicht so weit kommt, dafür müssen in den nächsten Jahren die Weichen gestellt werden. Denn ist eine solche Abwärtsspirale einmal in Gang gesetzt, ist eine Trendwende schwer - auch dies zeigen die Beispiele andernorts.

Erfreulicherweise haben wir im Kreis Heinsberg aber viel bessere Voraussetzungen und damit Gestaltungsoptionen. Arbeiten, Wohnen und vor allem gutes Leben im Kreis Heinsberg, dem attraktiven Standort am Niederrhein - dies sollte die Maxime einer zukunftsorientierten Entwicklung in unserer Region sein.

Quelle: RP
 
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