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Langenfeld
150 Sänger sind beim Gospelworkshop

Langenfeld: 150 Sänger sind beim Gospelworkshop
Hans Christian Jochimsen (re.) ist einer der Dozenten beim Gospel-Workshop, der am Wochenende im Saal des Langenfelder Gemeindehauses stattfand. FOTO: Matzerath
Langenfeld. Die Projektreihe wurde vor sieben Jahren ins Leben gerufen und hat seitdem immer mehr Zulauf. Von Dirk Neubauer

Der Herbst ist des Sängers Alptraum. Deshalb standen die kleinen Schälchen mit Hustenbonbons überall - am Empfangstisch im Foyer, im Probensaal und in der Kantine. 150 Sänger griffen am Wochenende reichlich zu. Und merkten spätestens nach dem täglichen Einsingen, dass belegte Stimmbänder auch ein wenig mit Lampenfieber zu tun haben. Drei Tage lang klang es aus dem Haus der Christengemeinde Langenfeld so fröhlich, so optimistisch heraus, dass immer wieder Passanten auf dem Bürgersteig stehenblieben und verwundert lauschten. Gestern Abend endete der dreitägige Gospel-Workshop mit einem Konzert.

"Als diese Reihe vor sieben Jahren begann, da waren wir eine kleine Familie von 20, vielleicht 30 Leuten", erinnert sich Maria Romano (43), die zu den Teilnehmern gehört, die seit der Premiere keinen Workshop verpasst haben. "Ich wollte immer schon singen. Aber nicht wie versteinert dastehen, in einer schwarzen Hose und einer weißen Bluse - so wie in vielen konventionellen Chören." Dann entdeckte die in Solingen wohnende gebürtige Italienerin den Gospelgesang für sich.

Und auch bei ihr haben der Herbst - und das Lampenfieber - an den Stimmbändern gekratzt. "Seit Dienstag habe ich eigentlich gar keine Stimme mehr." Dabei soll sie an diesem Wochenende noch ein wichtiges Solo singen - während der Komponist und Songschreiber Hans Christian Jochimsen neben ihr auf der Bühne steht. Der beruhigt Maria mit einem freundlichen Lächeln: "Du wirst das prima machen. Das weiß ich."

Jochimsen und Esther Zanders sind die beiden Dozenten des Workshops. Sie unterrichten abwechselnd, während sich der jeweils andere ausruht. Im Saal des Gemeindehauses versammeln sich die Teilnehmer hinter den Schildern mit ihrer jeweiligen Stimmlage: Bass, Tenor, Sopran, Alt. "Ein Großteil des Workshops besteht darin, dass ich vorsinge - und die anderen nachsingen." Wie die Bauchmuskulatur arbeiten muss, um einen Ton zu halten; welche Mundstellung verhindert, dass ein hoher Ton viel zu früh kippt - das macht Esther Zanders einfach an den passenden Stellen vor.

Denn die meisten, die hierhergekommen sind, wollen ein ganzes Wochenende hindurch entspannen. "Hier schalte ich komplett ab, vom Stress auf der Arbeit und den Problemen in der Familie. Hier geht es immer nur um das nächste Lied", sagt eine Teilnehmerin. Und ihre Sitznachbarin erzählt, wie ihr das Gospelsingen im Alltag geholfen hat. Statt geduckt und leise ihre Argumente zaghaft vorzubringen, könne sie nun auch laut werden, wenn es muss. Ohne sich über sich selbst zu erschrecken. "Ich habe durch den Gospelgesang eindeutig an Selbstvertrauen gewonnen."

Dass vier von fünf Teilnehmern weiblich sind, überrascht Dozentin Zanders nicht. Das Gospelsingen sei nun mal auch eine sehr emotionale Angelegenheit. Allerdings hat sie im 45-köpfigen "One Passion" Gospelchor Langenfeld bereits festgestellt, "dass Männer, sobald sie sich einmal überwunden haben, beständiger sind. Die bleiben dann wirklich auch beim Gospelgesang."

Muss man an Gott glauben, um den religiösen Gesang anstimmen zu können? Das sei keine Vorbedingung, sagt Esther Zanders. Aber natürlich falle es leichter, etwas vorzutragen, hinter dem man mit seiner ganzen Person stehe. Für die Arbeit an Atem, Muskulatur und Kehlkopf helfe es den meisten, dass die Lieder in Englisch ein wenig auf Distanz bleiben. Denn da gibt es schon eine Menge Liedstellen, die so berühren, dass es einem die Kehle zuschnürt.

Quelle: RP
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