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Langenfeld/Monheim
Abitur - und die Lehrer bibbern mit

Langenfeld/Monheim. Die Klausuren sind auch für Lehrer mit Stress behaftet, sie sorgen sich vor allem um die Themenwahl. Von D. Schmidt-Elmendorff und Ilka Platzek

Mirco Simons, Jahrgangsstufenleiter am Otto-Hahn-Gymnasium, begleitet fünf Abiturienten im Grundkurs Mathematik. "Den Tag vor den Klausuren empfinde ich als großen Stress, weil im Gegensatz zu den anderen Fächern die Fachlehrer in Mathematik die Auswahl treffen. Eine schlechte Entscheidung meinerseits könnte den Kursdurchschnitt verschlechtern."

Die Abiturzeit bringt nicht nur für die Schüler und die Eltern Stress und bange Fragen. Auch für die betreuenden Lehrer sind die Wochen der Prüfungen eine belastende Zeit: Klappt alles? Kommen alle durch? Welche Themen kommen dran?

Doch insgesamt sei die Zeit der Abiklausuren nicht besonders stressig, weil die Vorbereitung am OHG gut eingespielt sei. Zum anderen müsse er sich über die Aufgabenstellung und das Punkteschema keine Gedanken machen, was sonst ein großer Stressfaktor sei. Im neunten Jahr des Zentralabiturs wisse er auch, wo er bei der Vorbereitung die Schwerpunkte setzen muss. Die Korrekturen seien dank der engen Vorgaben eigentlich schneller zu bewältigen, als bei einer "normalen" Klausur. Dennoch sei hohe Sorgfalt geboten, weil eine Nachkommastelle in der Note ja den Unterschied zwischen Studienplatz und Ablehnung bedeuten könne.

Auch als Lehrer sei man emotional involviert, da man die Schüler mindestens über zwei Jahre begleitet habe. Besonders bei Schülern, mit schwankenden, schriftlichen Leistungen. Bei denen drücke man noch fester die Daumen. "Insbesondere in mündlichen Prüfungen leide ich oft mit, weil ich weiß, wie schwierig es ist, in solchen Situationen zu zeigen, was man in Wirklichkeit kann", sagt Simons.

Andrea Hutchinson, Oberstufenleiterin an der Bettine-von-Arnim-Gesamtschule, bereitet vor allem die Frage Sorgen, ob sie in der Vorbereitung alle Themen abgedeckt hat. "Das löst auch bei den Lehrern ein Nervenzittern aus", sagt sie. Dazu hätten auch die jüngsten Prüfungsänderungen beigetragen. So wurde früher etwa für den utopischen Roman eine Pflichtlektüre vorgegeben, heute können die Schulen einen Roman frei wählen. "Die Bezirksregierung nimmt jetzt irgendeinen Textauszug und unser Buch liefert nur das Hintergrundwissen", sagt die Englischlehrerin. "Prinzipiell sind wir genauso aufgeregt wie die Schüler, wir bibbern immer mit, dass ein gutes Thema kommt." Insgesamt sei die Themenvielfalt in ihrem Fach besonders groß. "Den American Dream lieben die Schüler. Eher am Ende der Beliebtheitsskala steht Shakespeare."

Da die Korrektur der Klausuren großer Sorgfalt bedürfe, wird sie sich die 72 Arbeiten in gut verdauliche 10er Packen einteilen.

"Natürlich fiebert man mit", sagt auch Elke Pütz, Beratungslehrerin Q1 am Konrad-Adenauer-Gymnasium "Ich gehe daher in den Klausur-Pausen mal kurz rein und frage nach, wie es den Schülern geht".

Der vorgegebene Erwartungshorizont erleichtere zwar die Korrektur, aber manchmal müsse man sich auf die etwas anderen Formulierungen einstellen. "Wichtig ist, dass man auch Spielräume hat, bei der Beurteilung, ob eine Teilaufgabe richtig erfüllt ist."

Gerade weil die Lehrer um die hohe Nervosität der Schüler bei mündlichen Prüfungen wissen, versuchen sie, die Situation zu entkrampfen und durch Süßigkeiten aufzulockern. Hat ein Schüler eine Blockade, helfe manchmal ein kurzer Themenwechsel, um sie zu lösen.

Auch die Lehrer der Hildener Gymnasien sind im Abi-Stress. Für Heinz Geißler ist das Abitur am Hildener Helmholtz-Gymnasium dieses Jahr Stress pur: Er macht er Aufsicht bei der Klausur eines Deutsch-Leistungskurses, ist vorübergehend stellvertretender Schulleiter und außerdem Oberstufenkoordinator. Die Folge: "Ich kenne fast jeden Schüler, denn ich habe mit allen zu tun."

Petra Kammeier, stellvertretende Schulleiterin am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, hat gut zu tun: "Bei den Aufgaben fiebert man mit und freut sich, wenn sie gut auf die Schüler passen."

Quelle: RP
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