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Langenfeld
Abzocke per App bleibt lange unbemerkt

Langenfeld: Abzocke per App bleibt lange unbemerkt
Marion Kroll (l.) kämpft mit Unterstützung von Elisabeth Schoemakers, Leiterin der VBZ Langenfeld, gegen Rechnungen von Drittanbietern, die unbemerkt kostspielige Abos auf ihrem Handy installiert haben. FOTO: Matzerath, Ralph (rm-)
Langenfeld. Die Verbraucherzentrale hilft Opfern, betrügerische Apps zu stoppen. Ein bis zwei Fälle pro Woche bearbeiten die Mitarbeiter dort. Von Heike Schoog

Erst ist es Marion Kroll gar nicht aufgefallen. "Die Beträge waren klein", sagt sie. Doch dann wuchsen ihre Handyrechnungen erst auf 122 Euro, dann auf 197 Euro. "Ich hatte keine Erklärung dafür", sagt die 47-Jährige. Ein Termin bei der Verbraucherzentrale Langenfeld brachte Aufklärung. Die Monheimerin ist Opfer von so genannten Drittanbietern, die im Hintergrund Apps installieren, ohne dass der Handynutzer es bemerken muss. Dafür berechnen sie Kosten, die über die normale Handyrechnung des Vertragspartners (etwa Telekom, E-Plus oder andere) abgerechnet werden.

"Wir haben pro Woche ein bis zwei solcher Fälle", sagt Elisabeth Schoemakers, Leiterin der Langenfelder Verbraucher-Zentrale, die auch für Hilden zuständig ist. Sie betrachtet den Anstieg der Fälle mit Sorge. "Die Verbraucher fragen, welche Apps denn so kostenpflichtig sind. Sie sind bewusst keine Verträge eingegangen", so Schoemakers. Oft reiche das Öffnen eines Videos, einer Werbung und im Hintergrund werde unbemerkt der Bestellbutton einer App aktiviert. "Die kostet dann zwischen 4,99 oder 9,99 pro Woche." Schnell sei neben der Handygebühr ein großer Betrag zusammen, der Nutzern wie Marion Kroll schlaflose Nächte verursacht.

Doch die Monheimerin lässt nicht locker. Nach dem Gespräch in der Verbraucherzentrale hat sie im ersten Schritt ihr Handy für Drittanbieter sperren lassen. "Das ist zunächst die wirkungsvollste Methode, gar nicht erst Opfer von unsichtbaren App-Abos zu werden", sagt Schoemakers. Hat aber erst einmal ein Drittanbieter auf das Handy zugegriffen, wird es schwierig, ihn wieder loszuwerden. Nur mit Mühe lassen sich diese ominösen Anbieter über die Rechnung, die diese an den klassischen Vertragspartner stellen, ausfindig machen.

Kroll hat Glück im Unglück. Ihre Telefongesellschaft hat mitgezogen und ihr die Adressen dieser Drittanbieter verschafft, die in ihrem Fall in Großbritannien und Irland sitzen. "Dazu sind die Telefongesellschaften eigentlich verpflichtet", erläutert Schoemakers. Doch nicht jede sei kooperativ, zumal diese von der üblen Masche der Drittanbieter teilweise profitierten.

Zahlreiche Briefe mit Rückschein hat die Monheimerin daraufhin losgeschickt, um die Apps zu kündigen. Manche konnte sie auch per SMS mit dem Wort "Stop" bremsen. Immer dann, wenn von dem Drittanbieter eine Nachricht kam, die für den unbemerkt erteilten Auftrag dankte.

Inzwischen ist es der Telefongesellschaft, bei der Kroll ihren Handyvertrag geschlossen hat, gelungen, einige Zahlungen abzuwenden. Sie erhält eine Erstattung in Höhe von ungefähr 200 Euro. "Das ist nicht selbstverständlich", sagt Schoemakers, die eindringlich mahnt, eine Sperre für Drittanbieter möglichst mit dem Vertrag einrichten zu lassen. "Diese ist kostenlos." Nur so könne man die ungewollten Abos verhindern. Bei Prepaid-Verträgen empfiehlt sie, sofort die SIM-Karte zu wechseln, wenn das Guthaben aus nicht nachvollziehbaren Gründen schmilzt. "Denn in dem Moment, wo das Handy wieder aufgeladen wird, bedienen sich die Drittanbieter sofort", warnt die Verbraucherschützerin.

Quelle: RP
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