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Monheim
Ärzte in Sorge um ältere Patienten

Monheim: Ärzte in Sorge um ältere Patienten
Ab 31. August wird es in Monheim keine Notfallaufnahmen mehr geben. Nach 110 Jahren schließt dann das St.-Josef-Krankenhaus. FOTO: Matzerath
Monheim. Internistische Notfälle müssen nach der Schließung der St.-Josef-Klinik künftig in Langenfeld versorgt werden. Von Martin Mönikes

Von Enttäuschung und großer Sorge um die zukünftige Versorgung ihrer Patienten sind die Reaktionen der niedergelassenen Ärzte auf die zum 31. August angekündigte Schließung des St.-Josef-Krankenhauses geprägt. Die Mediziner begrüßen daher die jetzt erkennbaren Bemühungen, den Fortbestand des lokalen Krankenhauses vor allem für internistische Notfälle oder kleinere Operationen zu erhalten.

Birgit Köhler, seit 22 Jahren in Hitdorf praktizierende Hausärztin, thematisierte spontan in einem Leserbrief die zukünftig fehlende ortsnahe Hilfe bei Arbeitsunfällen. Als Monheimerin, die 1987 im St.-Josef-Krankenhaus als Assistenzärztin ihre medizinische Arbeit begann, erinnerte sie an die Tradition des Hauses und den Wert des "Krankenhauses vor der Haustür". Für ältere Menschen sei es beruhigend zu wissen, zu Fuß oder mit dem Rad "mal schnell" Hilfe suchen zu können. Köhler befürchtet nach dem Weggang des letzten niedergelassenen Orthopäden einen fortschreitenden Verlust medizinischer Grundversorgung in Monheim. Selbst für die kleinen alltäglichen Eingriffe (Blinddarm, Galle, Leistenbruch, Schilddrüse) müssten Patienten demnächst in die Krankenhäuser in Langenfeld oder Benrath.

Auch Lars Sachs, Urologe auf der Krischer Straße, begann als 16-jähriger Pfleger auf der Chirurgie-Station des St. Josef seine medizinische Laufbahn. Über die Entwicklung zeigt er sich "sehr enttäuscht". Er erkennt darin einen weiteren Beleg, dass "der Patient in den Hintergrund tritt, die Kassenlage hat Vorrang". Er ist pessimistisch, was diesen Standort angeht. "Das ist nur der Anfang, es wird noch extremer." Die NRW-Bedarfspläne sprechen von vielen tausend überzähligen Krankenhausbetten. "Wie dauerhaft wären kommunale Zuschüsse für ein defizitäres Haus? Das wird eher ein langes Sterben", so sein Fazit bezüglich der Überlegungen der Stadt, das Haus in eigene Trägerschaft zu übernehmen.

Karin Voigtländer, Allgemeinmedizinerin mit Praxis am Lerchenweg, ist "mit der Schließung nicht einverstanden". Die kurzen Wege fallen weg, wer zukünftig Notfall-Hilfe braucht, muss nach Langenfeld oder Benrath. "Das kostet in der Ausnahmesituation zusätzlich Geld, Zeit und Nerven."

Chirurg Dr. Christian Neumann bedauert, dass die Bemühungen der lokalen Ärzte, durch Einweisungen ins St. Josef-Krankenhaus für eine ausreichende Belegung zu sorgen, nicht dauerhaft geholfen hat. Vor allem um die Mitarbeiter "ein Spitzen-OP-Team, gute Pflegekräfte", tut es ihm leid. Für ihn bedeutet die Veränderung, dass er für die Operation von Risikopatienten zukünftig mit Partnern in anderen Krankenhäusern kooperieren muss.

Christian Neumann macht noch auf eine andere Rechnung auf: Die Schließung des Krankenhauses wird (auch bei ihm) zu zusätzlichen Patienten führen und damit zu fragwürdigen finanziellen Folgen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen zahlen für ambulante Behandlungen pauschal pro Fall, unabhängig von der Zahl der Arztbesuche im Quartal. Dabei orientieren sie sich zusätzlich an den Zahlen des Vorjahresquartals. Die in seinem Fall bisher nicht kostendeckenden Fallpauschale von 22 Euro muss er demnächst vermutlich auf noch mehr Patienten aufteilen. Bei seinem letzten Honorarstreit mit der Kassenärztlichen Vereinigung erstattete man ihm statt der errechneten 14000 Euro nur 800 Euro.

Quelle: RP
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