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Analyse
Aktionsplan: Viel Lärm um nichts

Langenfeld. Der Gutachter setzt auf Temporeduzierung, um Lärm zu verringern. Darüber hinaus wirkten Kreisverkehre beruhigend. Von Heike Schoog

Der Lärmaktionsplan ist von der EU gefordert. Alle Städte müssen ihn machen. Doch die Chancen, dass sich dadurch etwas ändert, sind gering. Denn ein Großteil des Lärms wird von Landes- und Bundesstraßen verursacht. Und die fallen nicht in städtische Zuständigkeiten. Alexander Reimann vom Büro Argus hat den Lärmaktionsplan für die Stadt Langenfeld erstellt. Den Politikern im Verkehrs- und Planungsausschuss präsentierte er realistische Vorschläge zur Lärmminderung.

An insgesamt 28 Stellen im Langenfelder Stadtgebiet ist es zu laut. Autobahnen und Landstraßen, aber auch Stadtstraßen weisen deutliche Überschreitungen des gesundheitsverträglichen Lärmpegels auf. Wollen Städte den Lärmpegel senken, müssen sie in Verhandlungen mit Bund und Land treten und diese dazu bewegen, Geld in die Hand zu nehmen. Das sei langwierig, wenn nicht sogar unmöglich, gibt Reimann zu bedenken.

Vor diesem Hintergrund hat er strategische Ziele entwickelt, die mit vergleichsweise geringem Aufwand umzusetzen sind. Dazu gehört vor allem die Senkung der Geschwindigkeit in der Nacht; auf Stadtstraßen von Tempo 50 auf 30. An der Düsseldorfer Straße (50-70-50-60 km/h) hält er durchgehend Tempo 50 für machbar - vorausgesetzt, die grüne Welle leidet nicht, schränkt der städtische Planer Stephan Anhalt gleich ein. Prinzipiell sei die Senkung der Geschwindigkeit effektiv. Der Austausch von Schildern koste nicht so viel.

Harmonisierung auf die niedrige Geschwindigkeit heißt dabei die Marschrichtung. Das könnte auch für die innerstädtische Hauptstraße gelten. Dort gibt es zwei Geschwindigkeitsbegrenzungen - 20 und 40 km/h. Diese könnte durchgehend auf 30 km/h gebracht werden, beschreibt Reimann.

Neue Straßenbeläge senken ebenfalls den Lärmpegel. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass zunächst ohne geschädigte und deshalb zur Sanierung anstehende Straßen in Angriff genommen werden - wie in Langenfeld etwa die Trompeter Straße, der Winkelsweg und die Berghausener Straße. Bei einer Sanierung könnte sofort "Flüsterasphalt" eingesetzt werden.

Am Solpert und an der Hardt seien Sanierungsarbeiten bereits geplant und könnten mit leisem Asphalt ausgeführt werden.

An Solinger-, Schneider-, Elberfelder-, Kölner-, Richrather- und Rheindorfer Straße sowie am Winkelsweg könnte eine nächtliche Geschwindigkeitsreduzierung viel bringen, erläutert Reimann. Drei Dezibel weniger würden das Lärmempfinden um die Hälfte senken. Aus diesem Grund sei auch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der A 3 in Höhe von Götscher- und Winkelsweg sinnvoll.

Auch der Bau von Kreisverkehren könne zur Lärmminderung beitragen, weil durch sie der Verkehrsfluss ruhiger wird, erläutert Reimann. Dies könnte in Langenfeld an Theodor-Heuss- und Düsseldorfer Straße geschehen (bereits in Planung) sowie an der Bergischen Landstraße/Schneiderstraße und Knipprather-/Kölner Straße. Dadurch könnte der Lärm um 30 Prozent reduziert werden. Die Kostenschätzungen für die unterschiedlichen Maßnahmen liegen zwischen 48 500 und 26,5 Millionen Euro.

Die Politiker zeigten sich angesichts der Fülle an Informationen erst einmal erschlagen. Auf Anregung von Georg Löhr (CDU) beschlossen die beiden Gremien, dass eine umfassende Bürgerinformation in der Stadthalle geplant werden solle. "Man muss das Feedback der Bürger bekommen", so Löhr. Eine Offenlegung des Gutachtens allein reiche in diesem Fall nicht aus.

Was die Absprachen mit StraßenNRW betrifft, mahnte Stadtplaner Stephan Anhalt zu Mäßigung. Er hofft auf Finanzspritzen und kritisiert in diesem Zusammenhang, dass es noch keine Mittel von der EU gebe. Die habe das Gutachten schließlich zur Pflicht gemacht.

"Angesichts von 396 NRW-Gemeinden, die alle mit ihren Wünschen kommen, sei es vernünftig, machbare Projekte zu verhandeln. StraßenNRW arbeitet mit Prioritätenlisten", so der Stadtplaner. Die Stadt selbst solle das Machbare so schnell es geht umsetzen. Denn die Lärmbrennpunkte seien nun benannt.

Bei Straßen NRW, das im Verfahren beteiligt ist, heißt es, man werde jeden Einzelfall prüfen.

Übrigens: Eine große Lärmquelle ist in dem Plan mangels verfügbarer Karten gar nicht aufgenommen: die Bahn.

Quelle: RP
 
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