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Monheim
An allen Schulen fehlen Klassenräume

Monheim. Das Gutachterbüro Dr. Garbe und Lexis hat den Schulentwicklungsplan fortgeschrieben: Inklusion, Ogata, größere Mitarbeiterteams und neue Unterrichtsformen setzen neue Bedingungen, für die die Schulen nicht gerüstet sind. Von D. Schmidt-Elmendorff

An der Sekundarschule fehlen sieben bis zehn Klassenräume, acht Gruppen- und Inklusionsräume und mindestens zwei Besprechungsräume sowie ein Fachraum fürs Gestalten. Der Raumbedarf am Otto-Hahn-Gymnasium umfasst fünf große Klassenräume, vier bis neun Gruppenräume, drei naturwissenschaftliche Fachräume und ein Selbstlernzentrum für die Oberstufe. Diese Auflistung entstammt der jetzt vom Gutachterbüro Dr. Garbe und Lexis fortgeschriebenen Schulentwicklungsplanung - und bedeutet allein für das Schulzentrum am Berliner Ring "umfangreiche Baumaßnahmen", wie es in der Vorlage zur nächsten Schulausschusssitzung heißt.

Fünf Jahre nach der letzten Planung der Schullandschaft, die auch auf die Einführung der Sekundarschule zielte, haben sich die Prämissen verändert: Ging man damals von sinkenden Schülerzahlen aus, ist man heute mit einem durch Zuzüge bedingten Wachstum konfrontiert. Das lasse sich in den Grundschulen kompensieren, wenn man die Klassen bis an die Kapazitätsgrenzen von 29 Schülern führe, heißt es im Gutachten. Andernfalls müsste man auf Stadtebene einen weiteren Klassenzug aufmachen.

Für die Bemessung des Raumbedarfs haben sich die Gutachter nicht allein auf die Schülerzahlen gestützt, sondern die sehr dynamische Entwicklung im Offenen Ganztag, die neuen Anforderungen durch die inklusive Beschulung und die durch Ogata-Betreuer, Sozialpädagogen- und -psychologen und andere Experten erweiterten Teams herangezogen. Das Problem sei, dass das sogenannte Musterraumprogramm des Landes veraltet ist und es auch keine Vorschriften des Landes für die räumliche Anpassung von Schulen bezüglich der Inklusion gebe, erklärt Peter Heimann, Bereichsleiter Schule und Sport. "Wir wollten aber auch nicht abwarten, bis der Streit mit dem Land um Investitionszuschüsse ausgefochten ist. "

Besonders die Grundschulen müssen den veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden: "Klassenräume von weniger als 58 Quadratmetern wie an der Lottenschule lassen nur Frontalunterricht zu, moderne Unterrichtsmethoden wie selbstständiges Lernen oder Gruppenarbeit kann man da nicht umsetzen", sagt Heimann. Deshalb müssten die Klassenräume an der Lottenschule in acht 58 bis 65 Quadratmeter große Räume umgewandelt werden. "Da Schüler mit Lern- und Entwicklungsstörungen immer mal aus dem Klassenverband herausgelöst werden, bräuchte man dort etwa vier "Time-out- oder Inklusions-Räume", so Heimann. "Wir als Schulträger wünschen uns zwar, dass alle Schulen gemeinsames Lernen ermöglichen, denkbar wäre aber auch, Schwerpunktschulen für Kinder mit besonderern Förderschwerpunkten zu benennen."

Die Gutachter rechnen damit, dass die Nachfrage nach Ogata-Plätzen auf 80 Prozent steigen wird. Bei einem Vollausbau haben sie für die Lottenschule einen zusätzlichen Bedarf von acht halben Klassenräumen ermittelt. Mit der steigenden Mitarbeiterzahl bedürfte es zudem weiterer Aufenthalts- und Besprechungsräume. "Schließlich müssen auch der Sozialarbeiter und der Integrationshelfer irgendwo ihre Sachen lassen können", so Heimann. Er glaubt, dass langfristig dem rhythmisierten Ganztag die Zukunft gehört.

Die Sekundarschule stellt mit anderen Unterrichtskonzepten, der Inklusion und dem Ganztag ganz andere Anforderungen an das Gebäude als die zuvor darin untergebrachte Realschule. "Uns gehen im übernächsten Jahr die Klassenräume aus", sagt Schulleiterin Petra Pesch. Das einst fünfzügig konzipierte OHG tendiert laut Gutachtern zur Sechszügigkeit, besonders die Sekundarstufe II erlebt einen immer stärkeren Zulauf, dies wird durch die Kooperation mit der Sekundarschule noch zunehmen.

Quelle: RP
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