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Langenfeld
Anti-Schimmelprodukte sind meist unwirksam

Langenfeld. Laut Verbraucherzentrale gibt es sinnvolle Kniffe zur Vorbeugung von Schimmel - auch ohne "chemische Keule". Von Dorian Audersch

Schimmel in der Wohnung belastet die Raumluft und gefährdet die Gesundheit. Der Handel hält dagegen eine ganze Palette an vorbeugenden Produkten bereit: Spezielle Farben etwa, Anti-Schimmel-Grundierungen, Kleisterzusätze oder besonderes Silikon, das die ungeliebten Pilze fernhalten soll.

Wie tauglich diese Mittel sind, wollte die Verbraucherzentrale von einigen Herstellern wissen, die speziell mit einer Anti-Schimmel-Wirkung werben. Doch Nachweise für Wirksamkeit waren indes Mangelware: Nur vier von zehn auskunftsbereiten Herstellern legten einen aussagekräftigen Test vor. Und von sechs Anbietern, die mit Langzeitwirkung ihre Produkte werben, legte sich nur einer auf einen konkreten Zeitraum fest. "Die Nützlichkeit der Mittel wird nicht immer belegt. Einige Produkte mit versprochener Wirkung haben klare Nachteile", lautet das Fazit der Verbraucherzentrale zu der Herstellerbefragung.

Wer Schimmelbefall von vornherein verhindern will, sollte folgende Hinweise beachten: Schimmel- und Bakterienkiller belasten Umwelt und Gesundheit. Bestimmte Substanzen, die Schimmel vorbeugen und in vielen Produkten Pilze und Bakterien bekämpfen sollen, können Kontaktallergien hervorrufen.

Da sich die Wirkstoffe meist im Hausstaub oder in der Raumluft wiederfinden, sind auch die Bewohner diesen Substanzen ausgesetzt. Zudem besteht die Gefahr, dass Bakterien immun gegen die Wirkstoffe werden. Die meisten Anti-Schimmel-Substanzen sind auch für Wasserorganismen schädlich.

Besser ist es, Pilzen die Grundlage entziehen. Schimmelpilze wachsen nicht auf stark alkalischen beziehungsweise basischen Untergründen. Diese Abneigung gegen hohe pH-Werte ist hilfreich: Mineralische Wandverschönerer wie Silikat- und Kalkfarben sind stark alkalisch und bieten Schimmel keinen Nährboden. Da solche Farben und Putzstoffe keine Konservierungsmittel enthalten und die Raumluft nicht belasten, sind sie auch für Allergiker vorteilhaft.

Ursachenbekämpfung ist allerdings das A und O, teilt die Verbraucherzentrale mit. Schimmel wächst und gedeiht bei hoher Feuchtigkeit in den Innenräumen. Zur wirksamen Abwehr des Übeltäters müssen defekte Rohre repariert, Neubauten getrocknet und kalte Außenwände gedämmt werden. Wer feuchte Luft dann noch regelmäßig weggelüftet, entzieht Pilzen und Bakterien die Wachstumsgrundlage. Der Einsatz von Anti-Schimmel-Produkte ist dann überflüssig.

Wird das Feuchteproblem nicht rigoros bekämpft, können auch vorbeugende Anti-Schimmel-Produkte dauerhaft nichts ausrichten. Richtig lüften, vor allem in Bad und Küche, ist besser. Aus den Räumen, in denen mit Wasser hantiert wird, müssen Dampf und Nässe raus. In der Küche sorgt dafür ein Dunstabzug mit Abluftrohr oder regelmäßiges Stoßlüften beim Kochen.

Nach dem Baden und Duschen sollten Fenster im Badezimmer weit geöffnet sowie Fliesen und Fugen trocken gewischt werden. Auch ein Hygrometer kann helfen. Das Feuchtigkeitsmessgerät zeigt an, wann Lüftung nötig ist. Spätestens wenn die Luftfeuchtigkeit auf über 60 Prozent steigt, sollten die Fenster für wenige Minuten weit geöffnet werden. Das hilfreiche Messgerät gibt es für rund zehn Euro im Fachhandel und im Baumarkt.

Weitere Informationen zum Thema bieten die kostenfreien Broschüren der Verbraucherzentrale am Konrad-Adenauer-Platz. Öffnungszeiten sind täglich außer mittwochs von 9 bis 13 Uhr, sowie montags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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