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Monheim Und Der Rhein (4)
Anton fischte schon als Schuljunge

Langenfeld. baumberg Der 1937 gebaute Aalschokker Fiat Voluntas soll einmal Auskunft über das bis in die 1960er Jahre in Baumberg beheimatete Fischereihandwerk geben. Ein Architekt entwirft derzeit ein Konzept für die Präsentation des Museumsschiffes, das auf dem Parkplatz an der Klappertorstraße aufgestellt wird, erklärt Tourismusmanagerin Maximiliane Richtzenhain. "Das 1995 unter Denkmalschutz gestellte Schiff wird dafür nicht umgebaut, sondern nur restauriert werden." Von Dorothee Schmidt-Elmendorff

Im Wohnzimmer von Anton Weber, dem letzten noch lebenden Fischer Baumbergs, erinnert nur noch ein Ölgemälde an die zwei Aalschokker, mit denen die Familie bis 1963 im Rhein den schlangenförmigen Wanderfisch fing. Im Garten liegt noch der Anker des damals 100 Jahre alten Holzschiffes, das nach der Außerdienststellung abgewrackt wurde. Dass demnächst in nächster Nachbarschaft ein Aalschokker aufgebockt liegt, lässt Weber kalt, er habe mit dem Kapitel schon vor langer Zeit abgeschlossen, sagt er. Er sei auch nicht als Berater in den Schiffserwerb oder die Konzeption des Museumsschiffes einbezogen worden.

Dabei hat Weber das Handwerk von der Pike auf gelernt. "Mit 13 Jahren", sagt er. Damals fing für mich der Tag zwischen 3.30 und 4.30 Uhr an. Dann wurden die Netze eingeholt und die Schiffe ans Ufer gefahren." Die lagen nachts gegen die Fließrichtung mitten im Fluss vor Anker, wobei der Schokkerbaum ausgeschwenkt wurde, an dem das gut 30 Meter langen Netz hing. Der Schiffsverkehr ruhte in der Dunkelheit, weil die Schiffsführer damals nur auf Sicht fahren konnten, Radar gab es noch nicht. Nach dem Löschen der Ladung ging Anton Junior frühstücken, danach musste er zur Schule.

Anfang der 1950er Jahre waren die Fischgründe noch genügend ertragreich. "In der Nachkriegszeit kauften die Leute uns sogar den Weißfisch ab." Erst später, als es allen besser ging, verschmähten sie das grätenreiche Rotauge - und Maifisch, Brasse und Co wanderten als Beifang wieder über Bord.

10 Jahre später verirrte sich immer mehr Wohlstandsmüll, wie Plastikeimer und Styropor, in die Netze, dafür blieb der Aal aus, der ohnehin nur bei bestimmten Wetter- und Lichtverhältnissen "gut lief". "Damals haben die Leute wirklich alles in den Rhein geschmissen", sagt Weber. Als die Rheinverschmutzung so weit fortgeschritten war, dass der gesamte Fischbestand abstarb, gab Weber die Fischerei auf. "Es lohnte sich nicht mehr." Der vierte Anton Weber dieses Namens in der Familie, seit sich sein Urgroßvater 1857 in Baumberg niedergelassen hatte, setzte nun vollends auf die bereits in den 1920er Jahren etablierte Aalräucherei. Den Farmaal bezog er aus Dänemark, in den 1970er Jahren nahm er Forellen dazu. Im Gegensatz zu der großen angrenzenden Räucherei der Ubbers - man ist miteinander verwandt - legten die Webers immer Wert darauf, ein reiner Familienbetrieb zu sein.

Dass Räucheraal eine Delikatesse ist, die man sich vor allem zu besonderen Feiertagen, wie Weihnachten und Sylvester gönnte, war an diesen Tagen in Alt-Baumberg offenkundig. "Dann standen die Leuten in Dreierreihen bis runter zum Rhein oder bis rauf zur Griesstraße", erinnert sich Weber. Als kleiner Betrieb habe man sich auf Dauer nur über die Qualität behaupten können, denn irgendwann wurde auch der Aal zum Massenprodukt, der im Supermarkt weniger kostete als der frische Farmaal.

Im März 2009 schloss Weber aus Altersgründen die Tür zu Räucherei und Laden für immer zu. "Ich kann die Räume auch immer noch betreten, ohne dass mich Melancholie überfällt." Aber den Ofen könnte er sofort wieder in Betrieb nehmen -und auch die Netze, die er im Winter einst mit seinem Vater gestrickt hat, hat er aufbewahrt.

Quelle: RP
 
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