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Monheim
Armut in Monheim nimmt zu

Monheim: Armut in Monheim nimmt zu
Sabine Sauer arbeitet in der "Kinderecke" des SKFM an der Krischerstraße in Monheim und hängt die gespendete Frühjahrskleidung an Ständer. FOTO: Staschik
Monheim. Der SKFM bittet um gut erhaltene Kleiderspenden und Spielsachen. Von Petra Czyperek

Viele bunte Secondhand-T-Shirts ab Größe 50 bis 176 hängen an den Rundständern. Eine Menge getragene, aber frisch gebügelte Hosen liegen fein säuberlich gestapelt im Regal in der "Kinderecke" an der Krischerstraße 6 a - und dennoch, sagt Peter Faßbender, Verkaufsleiter beim Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM) in Monheim: "Wir brauchen dringend Nachschub, gerade bei Kinderkleidung und Spielsachen sind wir knapp." An Weihnachten sei die Nachfrage von bedürftigen Familien groß gewesen, und seitdem kämen nicht mehr genug Spenden herein, um die Lücken in den Regalen wirklich zu füllen.

Gerne angenommen werden deshalb saubere und gut erhaltene Kinderjacken und Sommerkleidung, Autos, Bagger, Puppen, Puppenwagen, Puzzle (bis 300 Teile) und Brettspiele. Für ein bis drei Euro werden die gewaschenen und gebügelten Kleider und die Spielsachen anschließend verkauft - an Familien, die kein eigenes Einkommen haben und die auf Sozialhilfe angewiesen sind oder auch an Ältere, die mit ihrer Rente nicht über die Runden kommen. "Wir kennen unsere Kunden in den meisten Fällen", sagt Faßbender. Selten fragten die Helfer deshalb gezielt nach, ob derjenige, der beim SKFM einkauft, auch tatsächlich bedürftig ist.

Drei Anlaufstellen des Sozialdienstes gibt es inzwischen in der Innenstadt: Den "Laden" mit getragener Kleidung für Erwachsene am Rathausplatz 3, die "Kinderecke" an der Krischerstraße 6 a und die Spendenannahmestelle an der Krischerstraße 27; dort werden auch Schuhe ausgegeben.

Zwischen 60 und 130 Menschen suchten täglich im Sozialkaufhaus am Rathausplatz nach passenden Sachen, 40 bis 50 sind es im Kinderladen. Seit 2008 sind es kontinuierlich mehr geworden, erlebt Peter Faßbender. In Monheim lebten durchaus viele Menschen am Rande des Existenzminimums, gerade im Berliner Viertel. "In den ersten drei Monaten des Jahres 2016 haben wir 20 Prozent mehr Kleidungsstücke abgegeben als im selben Zeitraum des Vorjahres", stellt er fest. Die Kleiderkammer hilft auch den rund 700 Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Stadt. Die Flüchtlingshilfe des SKFM und das Möbellager des Sozialdienstes arbeiteten eng mit der Stadtverwaltung zusammen, berichtet der Verkaufsleiter.

Zwei hauptamtliche Kräfte koordinieren die Einsätze in den Läden und in der Annahmestelle. Weiterhin ist eine ehrenamtliche Helferin dabei. Außerdem hat der SKFM zwei geringfügig Beschäftigte eingestellt, einen Langzeitarbeitslosen, der über den europäischen Sozialfonds gefördert wird, sechs Mitarbeiter, deren Gehalt das Jobcenter (auf ein Jahr begrenzt) übernimmt und 15 Teilnehmer, wie Faßbender sie nennt, oder: 1,50-Euro-Jobber.

Sabine Sauer ist eine der 15, die in den SKFM-Läden in Monheim arbeiten. Sie ist täglich da und leistet insgesamt 25 Stunden in der Woche ab. "Ich mache das gerne", bekundet sie. Sauer unterstützt die Kunden bei der Suche nach den passenden Größen, und manchmal hört sie sich ihre Sorgen und Nöte an: "Ich nehme mir Zeit für die Menschen."

Engpässe bei Secondhand-Kleidung gibt es zurzeit im Laden "Pro Donna" des SkF in Langenfeld an der Solinger Straße 63 nicht. Die Spendenbereitschaft sei ungebrochen, erlebt Geschäftsführerin Angelika Fierus. Doch weil Angebot und Nachfrage immer Schwankungen ausgesetzt seien, könne sich die Situation in einigen Wochen auch wieder ändern. Der Laden für gebrauchte Kleidung für Kinder, Frauen und Männer ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
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