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Langenfeld
Atlantik statt Langenfeld: Ziel ist St. Lucia

Langenfeld. Dirk Neukirchen (53), Regattasegler mit Unternehmen in Berghausen, hat gestern auf Gran Canaria die Segel gesetzt. Von Joachim Preuss

Die Marina von Las Palmas auf Gran Canaria war wochenlang im Ausnahmezustand. Bleichgesichtige Segler schleppten Seesäcke zu den mit bunten Fähnchen geschmückten Segelyachten. Überall wurde geschraubt und getrimmt. Proviant und Wasserkanister wurden auf die Boote gehievt. Die "Künstler" der Crews malten Bilder auf die Steinmolen: So machen das Segler, die zu einer Atlantiküberquerung aufbrechen. Gestern ging es mit einer Riesenflotte nach St. Lucia, Karibik. Mit dabei ist als Skipper der Regattasegler Dirk Neukirchen (53), ein Ratinger mit Unternehmen in Langenfeld.

Im Rahmen der berühmten Atlantic Rally for Cruisers (ARC), der Transatlantik-Regatta für Fahrtensegler, starteten am Sonntag um 12 Uhr mehr als 1000 Segler aus 30 Nationen auf 179 Booten.

Mit Yachten hat Neukirchen, der seit Kindesbeinen höchst erfolgreich Regatten segelt, auch beruflich zu tun: An der Raiffeisenstraße in Berghausen verkauft er mit seiner West Yachting GmbH & Co. KG Boote der Greifswalder Hanse-Werft. Auch die "Lilith", die Neukirchen über den Atlantik steuert, ist eine Hanse, eine 575, über 17 Meter lang.

Eigner Thomas Günther, Anfang 50, ist mit der "Lilith" normalerweise im Mittelmeer unterwegs. Er ist ein Aussteiger, hat seine Firma verkauft und lebt meist auf der "Lilith". Die Idee zur Atlantik-Regatta hatte der Kölner Unternehmer Markus Mertens, Extremsportler und selbst Yachtbesitzer. Neukirchen brachte alle zusammen. Nun sitzen sie zu sechst in einem Boot und wechseln sich im Drei-Stunden-Rhythmus am Steuer, bei der Navigation, bei der Segelführung und in der Pantry (Küche) ab: Lucas Mertens (Jungunternehmer), Stefan Oeser (Personal Fitnesstrainer) und Jeroen Mulder (Hafenmeister in Hindeloopen in Holland).

Eine fast sechsstellige Summe hat man ins Boot investiert: neue Leinen, neue Schäkel, Kurzwellenfunkanlage, Satellitentelefon, Wasseraufbereitungsanlage, neue Spinnaker und Gennaker. Unter anderem. "Wir wollen natürlich gut segeln", sagt Neukirchen in seiner sehr bescheidenen Art. Und meint natürlich: ganz vorne dabei sein. Er rechnet mit 15 bis 18 Tagen. Je Wind und Taktik: "Der Trick ist, möglichst schnell die Passatwinde zu erreichen." Die übliche Route führt zunächst südwestlich entlang der afrikanischen Küste, bis die Yachten etwa in Höhe der Kapverden den Passatgürtel erreicht haben. Ab dort geht es mit Wind von achtern schnurgerade westwärts. Manchmal sind die Nord-Ost-Winde aber schon nördlicher stark genug, um die "Biege" in Richtung Karibik zu machen. Neukirchen verlässt sich auf die tägliche Wetterberatung von Meeno Schrader, einem der bekanntesten Segel-Meteorologen Deutschlands (Wetterwelt).

Mit ihm hat Neukirchen anno 1992 an der Antigua Sailing Week (ASW) teilgenommen. Damals war Schrader noch Student. Die Profi-Segelwelt ist klein, man kennt sich.

Zuletzt wurde die "Lilith" genau getestet. Alle Schrauben wurden nachgezogen, die Technik aufgerüstet, das unendliche Gewusel von Leinen, Fallen und Streckern penibel gecheckt und erneuert, Steuerung, Rigg und Segel geprüft. Die Rettungsinsel wurde griffbereit verstaut. Um den Proviant kümmert sich Oeser. "Stefan ist Ernährungsberater und hat den ursprünglichen Speiseplan komplett umgestellt", sagt Neukirchen. Er ahnt bereits: "Wir werden alle einige Kilo abnehmen." Alkohol gibt es an Bord nicht: "Ausnahme ist das Bergfest."

Die ARC-Veranstaltung richtet sich in erster Line an Fahrtensegler. Die Idee: gemeinsam die 2700 Seemeilen lange Passatroute bewältigen. Im Vorfeld gibt es für die Crews Wetterseminare, Schulungen am Sextanten (für astronomische Navigation) und Notfallübungen. Einmal täglich gibt es über Kurzwellenfunk eine Konferenzschalte. Denn trotz Hightech an Bord und moderner Navigationssysteme ist diese Route alles andere als ein gemütlicher Urlaubstörn: Die Hurrikanzeit dürfte zwar vorbei sein, doch sind die im Passat plötzlich auftretenden schweren Schauerböen mit Sturmstärke sehr gefürchtet. Das geht aufs Material.

Regelmäßig machen auf dieser "Barfuß-Route" Boote schlapp. Gefürchtet sind auch schwere Verletzungen sowie Person-über-Bord-Situationen, besonders in der Nacht. Doch wenn aus dem Radio Reggae- und Steelband-Musik kommt, ist es nicht mehr weit.

Wer's geschafft hat, darf sich auf eine tolle Willkommensparty in der Rodney Bay auf St. Lucia freuen: Regatta, Rum und Reggae.

Die Crew um Dirk Neukirchen wird dort von den Angehörigen erwartet. Er hofft, je nach Tages- oder Nachtzeit, auf den ersten karibischen Cocktail für sich und die Crew - gerne einen Planters Punch.

Quelle: RP
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