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Monheim
Aus Aufbauhelfern wurden Freunde

Monheim: Aus Aufbauhelfern wurden Freunde
Hans Joachim Wegner , Daniel Zimmermann, Heinz Bieniek und Ingeborg Friebe (von links) feierten mit den Panikern 25 Jahre Städtepartnerschaft mit Delitzsch. FOTO: Matzerath
Monheim. Das Panikorchester griff ein letztes Mal zu den Instrumenten. Vorab feierte die Stadt an der "Doll Eck" das 25-Jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Delitzsch. Von Dorian Audersch

Manchmal, sagt Emil Drösser, sei es doch ganz schön, wenn sich ein Kreis schließe. Als im Oktober 1990 die Städtepartnerschaft mit der nordsächsischen Stadt Delitzsch besiegelt wurde, spielte zur Feier des Tages unter anderem auch das von ihm geleitete Panikorchester. Das ist nun 25 Jahre her - und zum Jubiläum der kommunalen Freundschaft spielen die Herren mit den Bibis (Melone) ein letztes Mal auf großer Bühne. "Das ist schon ein komisches Gefühl", findet auch der Ober-Paniker mit Blick auf die knapp 40-jährige Geschichte der jecken Truppe.

Vor der Wehmut kommt jedoch das Feiern. Die Städtepartnerschaft mit Delitzsch kam kurz nach der Wende zustande. Eine zentrale Figur ist dabei der ehemalige Stadtdirektor Hans-Joachim Wegner, der gebürtig aus der sächsischen Kleinstadt kommt. Seine Familie floh bereits früh in den Westen - nach Velbert. Nach Schule, Studium und Verwaltungslaufbahn bewarb sich der heute 67-Jährige 1989 erfolgreich auf den Posten des Stadtdirektors in Monheim.

"Es gab damals mehrere Städte in Ostdeutschland, mit denen eine Partnerschaft angedacht war", erinnert sich Wegner. Die damalige Bürgermeisterin Ingeborg Friebe suchte nach einer geeigneten Kommune. "Einige konnten nicht und andere wollten nicht", erinnert sich der Pensionär. "Also habe ich irgendwann Delitzsch vorgeschlagen." Danach sei alles sehr schnell gegangen.

"Das waren sehr spannende und bewegte Zeiten", erzählt Heinz Bieniek, der damals frisch gewählter Bürgermeister in Delitzsch war. "Wir waren im Grunde alle Quereinsteiger und hatten direkt nach dem Mauerfall eigentlich keine Ahnung von kommunaler Verwaltung." Aus Monheim habe es intensive Aufbauhilfe in fast allen Bereichen der Verwaltung gegeben. Sogar eine Kehrmaschine sei aus dem Rheinland nach Nordsachen geschafft worden. "Die war sogar bis vor knapp einem Jahr noch im Einsatz", ergänzt der heutige Oberbürgermeister Manfred Wilde, der für die Feierlichkeiten mit einer Delegation nach Monheim gereist ist. Nächste Woche erfolgt der Gegenbesuch in Delitzsch. "Bis heute ist es eine lebendige Partnerschaft - vor allem auf Vereinsebene", betont der Verwaltungschef. Auch zwischen den Feuerwehren beider Städte gebe es einen regen Austausch.

Am Abend gehört die Bühne an der "Doll Eck" den Panikern. Das letzte Konzert des schrägen Orchesters lässt dem ein oder anderen Aktiven ein Tränchen aus den Augen rinnen - und das liegt nicht nur an den aufgeschnittenen Zwiebeln, die im Publikum verteilt werden. "Falls einer nicht heulen kann oder will", sagt Drösser grinsend.

Seit 1975 hatten insgesamt 41 Paniker den Bowler auf, heute besteht die Formation aus 14 Musikern mit teils selbst gebauten Instrumenten. "Aber man muss der Realität ins Auge sehen", sagt Drösser, der mit Blick auf das letzte Konzert mit Wunderkerzen und Feuerwerk von einem "würdigen Abschied" spricht. "Ich glaube, uns wird erst in den nächsten Tagen bewusst, dass es jetzt wirklich vorbei ist."

Quelle: RP
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