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Monheim
Ausgezeichnet: Monheim hat eine Schule mit Courage

Monheim. Die Sekundarschule am Berliner Ring nimmt an einem Anti-Rassismuss-Projekt teil. Jetzt hat sie ihr Schild bekommen. Von Sabine Schmitt

Als der Bürgermeister das Fahrrad parkt, wird es still. Nur noch einer ist zu hören und der zischelt. "Sssssscht, der Bürgermeister." Ja, der Bürgermeister kommt. Daniel Zimmermann parkt also das Rad, kommt rein, und dann bemühen sich alle, gerade da zu sitzen auf den Stühlen im Foyer der Monheimer Sekundarschule am Berliner Ring. Man sieht das, dass diese Schüler der Klasse 9b sich bemühen. Wirklich bemühen. Sie sitzen da, weil sie eine Auszeichnung bekommen, und sind als Initiatoren des Projektes stolz auf die Übergabe des Schildes "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Und stolz aber auch weil, der Bürgermeister Zimmermann ab jetzt ihr Pate ist.

Die Schüler haben eine kleine Feier organisiert. Mit Kaffee und Kuchen, den Eltern gebacken haben, und kurzen Reden. Die 6b singt, Schulleiterin Petra Pesch ist da und auch eine Frau aus Krefeld. Joanna Trappmann-Rosen ist als Vertreterin der Initiative "Schule ohne Rassismus" gekommen, die ihren Sitz in Berlin hat.

Um die Auszeichnung zu bekommen, musste die Schule Voraussetzungen erfüllen. Mindestens 70 Prozent all derer, die in der Schule lernen und arbeiten, mussten sich mit ihrer Unterschrift verpflichten, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule einzusetzen. Das bedeutet zum Beispiel: bei Konflikten einzugreifen und Projekttage zum Thema mit zu organisieren. 70 Prozent. Das war also die Mindestanforderung. An der Monheimer Schule haben sogar 91 Prozent unterschrieben. "Das ist super", lobte Joanna Trappmann-Rosen von der Anti-Rassismus-Initiative und sagte dann etwas, das ihr wichtig ist: Der Titel, der sei kein Pokal, sondern eine Verpflichtung. Jeder Einzelne sollte sich jetzt an die eigene Nase packen und gucken, was er beitragen kann.

Rassismus in der Schule. Inwiefern ist das ein Problem? An der Monheimer Sekundarschule lernen 560 Schüler aus 18 Nationalitäten miteinander. Nicht jeder mag jeden, nicht jeder kommt mit jedem klar. "Streit gibt es jeden Tag", sagt Schulleiterin Petra Pesch. "Wir erleben immer wieder, dass Mitschüler diskriminiert werden, weil sie sich durch ihre Kleidung, Sprache, Hautfarbe, Religion, Behinderung und durch ihre soziale Herkunft unterscheiden." Es werde gelästert, beleidigt, gemobbt und gelegentlich sogar geschlagen.

Als die Feier gerade vorbei ist, fällt dann so ein Satz. Ganz beiläufig. "Ey, Du Flüchtling", ruft ein blonder Schüler und lacht. Aber keiner lacht mit. Vielleicht, weil es keiner gehört hat. Vielleicht, weil es niemand witzig fand.

Die Schüler jedenfalls haben versprochen, künftig in ihrer Schule sehr aufmerksam gegenüber solchen Äußerungen zu sein. Mindestens einmal im Schuljahr will die Schule ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchführen. In einer ersten Aktion ist auch ein riesiges Plakat entstanden. Thema: Vorurteile. Darauf sind Bilder und Zitate der Schüler. Etwa solche: "Ich bin Türke, aber ich mag kein Döner."

Quelle: RP
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