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Werksleiter Levent Yüksel
BASF will Hafen-Ausbau für sich nutzen

Langenfeld. Bislang ist der Reisholzer Hafen für das in Monheim und Holthausen ansässige Chemieunternehmen eine Einbahnstraße.

Düsseldorf/Monheim Ende 2010 hat BASF das Spezialchemie-Unternehmen Cognis übernommen, das ursprünglich aus Henkel hervorgegangen war. Im Holthausener Werk arbeiten für BASF 1200 Mitarbeiter. Am Standort werden vor allem Inhaltsstoffe für die Kosmetikindustrie hergestellt. Düsseldorf ist außerdem Sitz der globalen Entwicklungsabteilung für den Bereich "Personal Care". Dort werden unter anderem Rezepturen für Gesichtscremes und Shampoos entwickelt. Die Verwaltung - gleichzeitig Sitz der Europa-Zentrale für den Geschäftsbereich - sitzt mit 300 Beschäftigten im Monheimer Rheinpark.

Was produziert BASF am Düsseldorfer Standort?

Yüksel Der Standort Düsseldorf ist für die BASF eine wichtige Plattform im globalen Produktions- und Technologieverbund. Auf Basis nachwachsender Rohstoffe stellen wir hier Inhaltsstoffe für Kosmetik-, Haar- und Körperpflegeprodukte her. Hinzu kommen Inhaltsstoffe für Haushalts- und Industriereiniger und Wasserglas, ein Produkt aus Sand und Soda. Das wird zum Beispiel in der Herstellung von Klebstoffen oder Autoreifen benötigt. Pro Jahr gehen bei uns 1,4 Millionen Tonnen Güter raus. Düsseldorf ist für uns ein sehr guter Standort. In einem Umkreis von 600 Kilometer - eine Strecke, die ein Lkw etwa an einem Tag zurücklegen kann - erreichen wir 150 Millionen Menschen. Für uns ist das ein echter Standortvorteil. Da unsere Kunden mit ihren Standorten nah an ihren Kunden sind, müssen auch wir nah an unseren Kunden sein.

Eine riesige Menge. Wie wird das alles abtransportiert?

Yüksel 600.000 Tonnen gehen über die Bahn raus. Dieser Bahn-Anschluss der Gesellschaft Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz (IDR) an die Bahn-Hauptstrecke Düsseldorf-Köln und die unmittelbare Nähe zum Rhein waren 1899 übrigens auch wichtige Gründe für Henkel, von Aachen nach Holthausen zu ziehen.

Und die restlichen 800.000 Tonnen?

Yüksel Die verlassen unser Werk derzeit noch ausschließlich per Lkw. Hier kommt der geplante Ausbau des Reisholzer Hafens ins Spiel.

Den nutzt BASF ja jetzt schon.

Yüksel Allerdings nur, um Palmkern- und Kokosöl ins Werk zu transportieren, um es hier weiterzuverarbeiten - 300.000 Tonnen jährlich. Pro Jahr legen an unserer Ladestelle im Reisholzer Hafen bis zu 250 Schiffe an. Am Hafen wird das Öl in Tanks zwischengelagert und über eine Pipeline zu uns ins Werk transportiert.

Ist der Hafen für Sie derzeit für ausgehende Waren zu nutzen?

Yüksel Leider nein. Es gibt dort bislang keine Möglichkeit, Container zu be- oder entladen.

Was wäre Ihr Wunsch?

Yüksel Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts wäre ein Hafenausbau sicherlich attraktiv. Derzeit bringen wir viele Güter per Lastwagen an die Häfen in Köln oder Duisburg. Aber Sie kennen ja auch die Verkehrssituation in unseren Ballungsräumen. Und die wird ja in den nächsten Jahren nicht besser, eher im Gegenteil. Denken Sie nur an die Autobahn-Brücke auf der A1 bei Leverkusen. Zum Vergleich: Ein Lkw kann einen Container laden, ein Rheinschiff, das im Reisholzer Hafen anlegen kann, bis zu 350 Container. Da können Sie leicht ausrechnen, wie viele Lkw sie nicht auf die Strecke schicken müssten. Wenn wir zehn Prozent unserer ausgehenden Waren aufs Schiff verlagern könnten, würden deutlich weniger Lastwagen ins Werk hinein- und herausfahren.

Können Sie denn sagen, wie viel Ware Sie über den Hafen überhaupt verschicken möchten?

Yüksel Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich das nicht. Ich kenne ja noch nicht einmal den derzeitigen Planungsstand. Wir sind also in Wartestellung. Es ist auf jeden Fall das richtige Signal, dass die IDR und die Neuss-Düsseldorfer Häfen eine Projektgesellschaft gründen, um mit einer Machbarkeitsstudie aufzuzeigen, was am Standort möglich ist. Wir als BASF bauen ja keinen Hafen. Wir wollen ihn aber nutzen. Wenn klar ist, welche Kapazitäten der Hafen hat, werden wir schauen, was wir angeboten bekommen und was wir brauchen.

Könnten Sie denn auch noch mehr Güter auf die Schiene bringen?

Yüksel Es gibt derzeit keine Containerverladestation, über die das möglich wäre. Auch die würden wir uns von der IDR wünschen, die ja den Bahnbetrieb im Holthausener Werk betreibt.

ANDREA RÖHRIG FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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