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Monheim
Baumberger baut Römer-Geschütz nach

Monheim: Baumberger baut Römer-Geschütz nach
Nach Backofen, Kochstelle und Kornmühle hat Harry Scheid, der ambitionierte Hobby-Experimentalarchäologe von Haus Bürgel, jetzt ein Torsionsgeschütz der alten Römer nachgebaut. Nach seiner Überzeugung waren mit solchen Waffen auch die Türme des einstigen Römerkastells bewehrt. FOTO: Ralph Matzerath
Monheim. Der "Scorpio", eine Art Mega-Armbrust, hatte vor 2000 Jahren durchschlagend Wirkung. Welche, das will der Museumsverein bald am ehemaligen Römerkastell Haus Bürgel demonstrieren. Von Thomas Gutmann

Schon das alte Römerschwert finden die Viertklässler "cool". Aber das ist nichts gegen das Holzgeschütz, das so unscheinbar neben dem Eingang des Römischen Museums Haus Bürgel steht. "Noch in 200 Meter Entfernung absolut tödlich, da hilft auch kein Kettenhemd und kein Legionärsschild. Das würde unter der Wucht des Bolzens einfach zersplittern", hören die Monheimer Grundschüler aus berufenem Mund. "O ha", meint da einer der Neunjährigen. Am liebsten würden sie das Gerät wohl auf der Stelle "in action" sehen.

Doch bis es soweit ist, müssen sich alle noch ein paar Monate gedulden. Spätestens am 11. September, dem deutschlandweiten "Tag des offenen Denkmals", will die Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe/Haus Bürgel demonstrieren, wozu der "Scorpio", eine Art Mega-Armbrust auf Standfüßen, imstande ist. "Möglicherweise werden wir dicke Bretter beschießen", sagt Vereinsmitglied Harry Scheid.

Der Baumberger arbeitet seit zwei Jahren an dem brusthohen Geschütz. "Um es richtig zu spannen, brauchen Sie zwei starke Männer", sagt der 79-Jährige, der in seiner Jugend Ringer und Gewichtheber war, aber wegen einer chronischen Krankheit stark abgemagert ist. "Das Nachbauen altrömischer Objekte ist zwar sehr anstrengend für mich, doch es hilft mir, die Schmerzen für ein paar Stunden zu vergessen", nennt er einen Teil seiner Motivation. Der andere: "Das alte Rom fasziniert mich seit Kindertagen."

Harry Scheid ist der "Experimentalarchäologe" des Museums. Nur auf Hobbybasis wie bei allen Aktiven des Vereins, aber sehr gewissenhaft und ambitioniert. "Mein Ziel ist es stets, so nah wie möglich an das historische Vorbild heranzukommen." So war es schon beim Backofen auf dem Hof des ehemaligen Römerkastells, der vor einigen Jahren rekonstruiert wurde, so war es bei der Kochstelle und der Kornmühle, die im Museum zu besichtigen sind, und so soll es auch bei dem Plattbodenschiff sein, das Scheid als nächstes in Angriff nehmen will: "In diesem Fall zwar ,nur' im Maßstab 1:20, aber ebenfalls originalgetreu." Abstriche macht der verrentete Versicherungskaufmann nur, wenn es unverhältnismäßig teuer würde. "Die Dreh- und Spannseile haben die Römer aus geölten Pferdehaaren hergestellt. Dafür müssten wir eine Spezialseilerei beauftragen, das könnten wir nicht bezahlen", sagt Scheid. Selbiges gilt für die Metallelemente des Torsionsgeschützes, wie die Spannbuchsen oder das Auslöseschloss. "Wir haben sie aus modernem Stahl fertigen lassen statt aus Bronze oder dem Stahl nach Römer-Art."

Die Geschosse, die von dem Gerät aus abgeschossen werden, liegen ungefähr so in der Hand wie der Stiel eines kleineren Hammers: zirka 40 Zentimer lange hölzerne Bolzen mit zwei kleinen Tragflächen am hinteren und einer beeindruckenden Stahlspitze am vorderen Ende. Der Tüftler nimmt einen dieser XXL-Pfeile, legt ihn in den Scorpio-Lauf - und nimmt ihn wieder heraus, damit es bei der folgenden Spann-Demo kein Unglück gibt. Mit Hilfe eines stählernen Aufsteckhebels dreht er die Vertikalachse so, dass sich die Seile um sie herum verdrehen und der mit dem Seil verbundene Bogen unter Spannung gerät. Beim Auslösen macht es zong - und man bekommt gehörigen Respekt vor diesem Geschütz.

Harry Scheid indes hat längst seine Freude dran. Auch Manfred Klein, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Haus Bürgel, ist stolz auf die neue Errungenschaft des Römischen Museums: "Mit solchen ,lebendigen' Objekten erhöhen wir enorm die Attraktivität unseres Hauses. Originale nur fürs Auge sind auch wichtig, aber das hier ist Geschichte zum Anfassen", sagt der 72-Jährige.

Quelle: RP
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