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Baumberg
Baumberger erforscht seltene Sprachen

Baumberg: Baumberger erforscht seltene Sprachen
Das Bild zeigt Achim Schumacher (2.v.l.) im bolivianischen Oruro bei der Aufnahme von Sprachdaten mit drei Chipaya-Frauen und einem Kind. Die Frau links ist Schumachers bolivianische Kollegin Francisca Condori, die als Anthropologin in der Chipaya-Sprache die beiden Anderen nach ihrer Kultur, Geschichten und Ereignissen in ihrem Leben befragt. FOTO: privat
Baumberg. Erfolg für Achim Schumacher: UNESCO nimmt Ergebnisse eines Bolivien-Projekts in ihr Weltdokumentenerbe auf. Von Daniel Gehrmann

Von Monheim gibt es eine direkte Verbindung nach Bolivien. Und zwar über den Sprachforscher Achim Schumacher: Der 47-jährige Baumberger hat Ethnologie und Sprachwissenschaft studiert und hat sich an der Dokumentation zweier Sprachen in Bolivien beteiligt, die vom Aussterben bedroht sind. Die in einem größeren Projekt zusammengetragenen Dokumente sind jetzt von der internationalen Organisation UNESCO in ihre Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen worden. Das ist ein Erfolg, auf den Schumacher stolz sein kann, zumal es in der 1992 angelegten Liste bislang nur eine überschaubare Zahl von Dokumenten aus Deutschland gibt. Nun steht diese Sammlung, zu der Schumacher beitrug, in einer Reihe mit einem Exemplar der Gutenberg-Bibel, Goethes literarischem Nachlass oder dem Patent von Carl Benz auf das Automobil.

Die Sammlung ist Bestandteil einer von der Volkswagen-Stiftung geförderten Initiative, mit der zwischen 2000 und 2013 in 40 bis 50 Projekten bedrohte Sprachen auf allen Kontinenten dokumentiert wurden. In dieser Initiative hat Schumacher, gemeinsam mit einer Kollegin aus Köln und zwei Kollegen aus Bolivien, vor Ort Material zu zwei Sprachen von Ureinwohnern gesammelt. Dabei vermeidet er das Wort "Indio": "Bei uns ist das relativ neutral, aber in Südamerika wird es als Schimpfwort benutzt."

Insgesamt nahm Schumachers Team zwischen 2008 und 2012 etwa 70 Stunden Material zu einer Sprache auf, davon 20 Stunden Videomaterial; den Rest bilden Tondokumente. Der größte Teil der Aufnahmen ist 2008 bei einer fünfmonatigen Feldforschung in Bolivien entstanden. Außerdem nahm die Gruppe eine Stunde bereits vorhandenes Tonmaterial zu einer weiteren, bereits ausgestorbenen Sprache entgegen. "Zur Arbeit des Teams gehörte auch, die Aufnahmen der von uns dokumentierten Sprachen in Schriftform zu übertragen, und zwar in der Originalsprache, ergänzt um eine spanische Übersetzung." Überdies erforschen Sprachwissenschaftler dann die jeweilige Sprache und die Zusammensetzung ihrer Wörter. Sein Material gab das Vierer-Team an das Max-Planck-Institut in Nimwegen weiter. Die deutsche und die niederländische Sektion der UNESCO schlugen die Aufnahme der Materialsammlung für die Aufnahme in die Liste des Weltdokumentenerbes vor, die dann vom Internationalen Komitee auf seiner Sitzung Anfang Oktober beschlossen wurde. Für Achim Schumacher, der beruflich in der Versicherungsbranche tätig ist, ist es ein Ansporn, "wieder mehr in meinem Studiengebiet zu arbeiten". Sein Vater Helmut (68) verfolgt die Aktivitäten des Sohnes mit kritischem Interesse: "Mein Lebenslauf ist ein völlig anderer", sagt er. Vielleicht haben die vielen Reisen, die die Familie schon in Achim Schumachers Kindheit unternahm, dazu beigetragen, sein Interesse an Sprachen zu wecken.

Vielleicht waren es aber auch die Baumberger Wurzeln: "Hochdeutsch war für mich die erste Fremdsprache", bemerkt Helmut Schumacher: "Bei uns wurde nur Platt gesprochen." Tatsächlich hätte Sohn Achim Lust, auch einmal vor der Haustür zu forschen, im Bereich des Baumberger und Monheimer Dialekts.

Quelle: RP
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